SZ +
Merken

Frau Dati lüftet ihr größtes Geheimnis

Lange hat die französische Ex-Ministerin Rachida Dati verweigert, den Vater ihrer Tochter zu nennen. Jetzt will sie einen Unternehmer zum DNA-Test zwingen.

Teilen
Folgen

Von Birgit Holzer, SZ-Korrespondentin in Paris

Niemals, wirklich niemals würde sie den Namen des Vaters ihrer Tochter preisgeben, schwor Rachida Dati nach der Geburt der kleinen Zohra im Januar 2009. Mochten ganz Paris und halb Frankreich doch spekulieren, was sie wollten.

Dati, zu dieser Zeit Justizministerin, Sarkozy-Schützling und als Immigrantentochter aus bescheidenen Verhältnissen Symbol für Chancengleichheit in seiner Regierung, hatte Glamour in die Politik gebracht. Nicht nur mit Foto-Shootings für Boulevardzeitungen und ihrer Vorliebe für auffällige High Heels und edle Designer-Kleidung, sondern auch mit ihrem Privatleben. Das sie aber schützen wollte, wie sie erklärte: Die Identität von Zohras Erzeuger bleibe geheim.

Fast vier Jahre später geht die 47-Jährige in die Offensive. Nicht weil sie das Rätsel lüften wollte, sondern um Dominique Desseigne, Chef des Casino-Marktführers Lucien Barriere, zur Anerkennung der Vaterschaft zu zwingen. Derzeit läuft ein Verfahren vor Gericht, dessen Entscheidung am 4. Dezember fällt. Einen biologischen Test kann es zwar nicht anordnen, doch Desseignes Verweigerung als indirektes Eingeständnis interpretieren und die Vaterschaft anhand der Beweislage erklären. Mit allen rechtlichen und finanziellen Folgen.

Medienberichten zufolge hat Dati zahlreiche Beweise geliefert. Nicht nur habe Desseigne acht Monate vor der Geburt eine Wohnung im noblen 16. Arrondissement von Paris für sie gemietet (die sie jedoch nie bezog) und die Kleine regelmäßig besucht, was Zeugen angeblich bestätigen, sondern sogar Babykleidung und einen Kinderwagen gekauft. Dati soll bereits Anfang 2009 einen DNA-Test durch ein privates Labor gefordert haben, was in Frankreich aber illegal ist. Zuletzt wollte sie sich offenbar ohne Justizverfahren und Medienrummel mit ihm einigen, erfolglos.

Stattdessen startete der Unternehmer, dem der Ruf eines Playboys anhaftet, einen Gegenangriff. Seine Anwältin ließ er erklären, in der fraglichen Zeit seien Dati acht Liebhaber nachgesagt worden, darunter Nicolas Sarkozys jüngerer Bruder und der spanische Ex-Premierminister José Maria Aznar. Das „Abenteuer“ mit Dati habe er bereits im Februar 2008 geendet, da er nicht auf ihren drängenden Kinderwunsch eingehen wollte. Auch verweist er auf Datis eigene Aussagen, ihre Tochter habe „die Augen ihres Vaters“ und mehrerer Halbbrüder und -schwestern. Doch Desseigne hat nur eine Tochter und einen Sohn. Seine Augen sind stahlblau – die von Zohra braun.

Dass die Medien all das breittreten, war vorhersehbar. Und doch macht es Dati zornig. Sie klagt gegen das Magazin „Le Point“, dem sie Verleumdungen, Voyeurismus, ja das „Verhalten unverantwortlicher Aasgeier“ vorwirft. Aber selbst wenn sie gewinnen sollte, schadet die Affäre ihrem ohnehin schon angekratzten Ruf – übrigens nicht erst, seit sie in einem Live-Interview die Worte „Inflation“ und „Fellatio“ verwechselte. Regelmäßig wird sie für ihre seltene Präsenz im Europa-Parlament kritisiert, wohin ihr einstiger Gönner Sarkozy sie abgeschoben hatte.

Als Bürgermeisterin des siebten Bezirks von Paris würde Dati 2014 gerne das Pariser Rathaus erobern. Der glühende Ehrgeiz, mit dem sie bereits vier Tage nach Zohras Geburt wieder im Justizministerium erschien, ist noch derselbe.