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„Frauen retten im Fernsehen nicht die Welt“

Maria Furtwängler bedauert überholte Rollenbilder. In Leipzig sucht die Schauspielerin auf einer Konferenz nach Lösungen.

Von Juliane Richter
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Maria Furtwängler, Schauspielerin, diskutiert in Leipzig über Gleichberechtigung.
Maria Furtwängler, Schauspielerin, diskutiert in Leipzig über Gleichberechtigung. © Lino Mirgeler / dpa

Leipzig. Als Tatort-Kommissarin tritt sie den Männern regelmäßig auf die Füße. Im echten Leben engagiert sich Schauspielerin Maria Furtwängler seit Jahren für die Rechte von Frauen. Und doch ist auch sie nicht frei vom Schubladendenken.

Als sie vor einigen Jahren in einem Flugzeug die Durchsage der Pilotin hörte, bekam sie kurz Panik. Geflüchtet ist sie natürlich nicht, erschrocken über ihr eigenes intuitives Gefühl, dass eine Frau nicht kompetent genug sein könnte, war sie dagegen schon. Diese Anekdote hat sie am Freitag bei der Femmit-Konferenz in Leipzig zum Besten gegeben. Die Dresdner Unternehmerin Romina Stawowy hat diese Konferenz erstmals organisiert, mit dem Ziel, mehr Frauen in Politik und Medien zu bringen. Genügend Zahlen belegen, dass Frauen in diesen Bereichen unterrepräsentiert sind, erst recht in Führungspositionen.

Doch Furtwängler und die anderen Podiumsteilnehmer fassen das Thema weiter. Frauen haben beruflich häufig das Nachsehen und werden oft schlechter bezahlt als Männer. Doch was sind die Ursachen? Vielleicht genau jene Rollenbilder. Mit ihrer Malisa-Stiftung hat sich Furtwängler dem Thema wissenschaftlich genähert und zwei Studien veröffentlicht. Das Ergebnis: Im Fernsehen sind Männer die Macher und Experten, Frauen kommen vor allem in Beziehungssituationen vor. Ihr Beruf spielt viel seltener eine Rolle. Männer sind stark, Frauen schön.

„Frauen retten im Fernsehen aber nicht die Welt“, stellt Furtwängler fest und hat, so sagt sie, das Gefühl, in die 50er-Jahre zurückzukehren. Doch es seien diese Rollenbilder, die das Denken und Handeln beeinflussen und die dazu führen, dass Frauen weniger zugetraut wird. Schon Kinder nehmen wahr, wenn es kaum weibliche Superheldinnen oder Wissenschaftlerinnen gibt. MDR-Intendantin Karola Wille sagt auf der Konferenz, sie sei von den Ergebnissen der Malisa-Studie erschrocken gewesen. „Wir brauchen Superheldinnen in einer technischen Welt, etwa eine Programmiererin.“ 

Romina Stawowy, Initiatorin der Veranstaltung „femMit - Die Konferenz für mehr Frauen in Medien und Politik"
Romina Stawowy, Initiatorin der Veranstaltung „femMit - Die Konferenz für mehr Frauen in Medien und Politik" © dpa/Sebastian Willnow

Die Dresdner IT-Unternehmerin Viola Klein pflichtet ihr bei und fordert: „Zeigen Sie viel mehr Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) und dass sie erfolgreich sein können.“ In ihrem Unternehmen erlebt Klein bei Vorstellungsgesprächen nach wie vor, dass top-ausgebildete Frauen sich kleinmachen, während männliche Bewerber mit breiter Brust daherkommen.

Auch Maria Furtwängler glaubt, dass sich Frauen mit ihrem Perfektionismus oft selbst im Weg stehen. Wenn sie in einem Thema nicht absolut sattelfest seien, lehnen sie ab, zum Beispiel bei Talkshows. Männer würden einfach machen und deshalb auch weiterhin die Rolle des Experten innehaben.

Podiumsteilnehmerin und Unternehmerin Diana Kinnert hat bei Meetings festgestellt. dass Männer gern mal auf die Toilette oder Rauchen gehen, wenn eine Frau spricht. Carline Mohr, neue Leiterin des SPD-Newsrooms in Berlin, hat auch ihre Erfahrungen mit den „alten weißen Männern“ gemacht, die gern Debatten bestimmen, für Frauen aber wenig Luft lassen. Sie findet es deshalb richtig, dass sich nun auch die Sprache verändert, mehr auf die Wortendungen geachtet und dabei Frauen konkret angesprochen werden. „Ja, es ist anstrengend, aber hört bloß nicht auf zu nerven“, appelliert Mohr an die rund 150 Teilnehmenden, die zu 95 Prozent weiblich sind. Viele sind aus München, Berlin oder auch Hamburg angereist. Am Sonnabend wird die Konferenz fortgesetzt.