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Frauen-Power in der Chef-Etage

Andrea Radtke zählt die Stunden nicht, die sie auf ihrer Arbeitsstelle verbringt. Ein üppiges Frühstück gönnt sie sich in der Woche nicht. Umso mehr freut sie sich jedesmal auf die Wochenenden. Denn da ist dann auch ihr Mann Uwe zu Hause, der in Hessen arbeitet.

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Von Carmen Schumann

Andrea Radtke zählt die Stunden nicht, die sie auf ihrer Arbeitsstelle verbringt. Ein üppiges Frühstück gönnt sie sich in der Woche nicht. Umso mehr freut sie sich jedesmal auf die Wochenenden. Denn da ist dann auch ihr Mann Uwe zu Hause, der in Hessen arbeitet. Das gemütliche Frühstück bietet dann die Gelegenheit, ausführlich die Woche Revue passieren zu lassen. Die beiden Töchter des Ehepaars kommen, seitdem sie studieren, auch nur selten nach Hause.

Erst vor Kurzem hat sich Andrea Radtke der Herausforderung gestellt, die Führung des Unternehmens Regio-Bus zu übernehmen. Vieles sprach dafür: Als Mitarbeiterin der ersten Stunde kennt sie den Betrieb aus dem Effeff. Lange Jahre war sie schon die „Rechte Hand“ des früheren Geschäftsführers Roland Albrecht. Da die Kinder flügge sind, kann Andrea Radtke ihre ganze Kraft dem Unternehmen zur Verfügung stellen. „Und letztlich hat mir Anfang Februar auch der Kreistag als Mitgesellschafter das Vertrauen ausgesprochen“, sagt sie.

„Mit unseren derzeit 206 Beschäftigten und 118 Bussen sind wir ein Wirtschaftsfaktor in der Region“, unterstreicht die neue Geschäftsführerin. Die Entscheidung, diesen Posten zu übernehmen, sei ihr auch schon deshalb leicht gefallen, weil sie sich auf eine breite Führungsebene verlassen könne. Bei Regio-Bus besteht diese übrigens aus geballter Frauen-Power. Bis auf den Verkehrsleiter sitzen in der Chef-Etage ausschließlich weibliche Führungskräfte. „Wir sind ein gut funktionierendes Team, in dem jeder selbstständig arbeitet“, unterstreicht Andrea Radtke.

Eigentlich habe sich für sie nicht so grundlegend viel geändert. Wie auch schon vorher hat sich die studierte Juristin mit Grundstücksangelegenheiten, Arbeits- und Versicherungsrecht sowie Controlling zu beschäftigen. Anhand der monatlichen Auswertung der Fahrgastzahlen hat sie zu entscheiden, wo noch geworben werden muss. Mithilfe der Fahrzeugeinzelabrechnung bewertet sie unter anderem den Spritverbrauch, was auch ein gewichtiges Argument bei Neuanschaffungen sei. „Ich versuche meine Entscheidungen stets mit einer gehörigen Portion gesundem Menschenverstand zu treffen“, sagt Andrea Radtke.

„Unternehmensführung heißt Menschenführung“, so die neue Geschäftsführerin. Deshalb hat sie sich vorgenommen, in der kommenden Zeit neben der Sacharbeit auch viele Gespräche mit den Mitarbeitern zu führen. Wichtig sei ihr auch die Zusammenarbeit mit den anderen Verkehrsunternehmen in der Region. Dieses Jahr laufen wichtige Konzessionen aus. Um den öffentlichen Personennahverkehr in gewohntem Umfang weiterzuführen, sei es wichtig, die Ausschreibungen für die Verkehrsverträge zu gewinnen. Das sei nicht nur für Regio-Bus, sondern auch die 14 vertraglich mit der Firma verbundenen Verkehrsbetriebe wichtig.

Rückhalt in der Familie

Natürlich habe sie sich vor der Übernahme des Chefsessels mit ihrer Familie beraten, von der sie viel Rückhalt verspürt habe. Überhaupt legt Andrea Radtke viel Wert darauf, Freundschaften und eine gute Nachbarschaft zu pflegen. „Zwischen den umliegenden Häusern bei uns in Oberkaina gibt es keine Zäune“, sagt sie. „Man hilft sich ohne große Worte.“

Da ihr der Beruf wenig Zeit für die Familie lässt, nutzt sie die Wochenenden und den Urlaub umso intensiver. „Wir lieben es, weit weg zu verreisen“, sagt Andrea Radtke. Denn Weltanschauung resultiere schließlich daraus, sich die Welt anzuschauen. Außerdem geht sie gerne tanzen, radeln und Ski fahren.