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Frauen und Geld – eine ungleiche Geschichte

Die deutschen Fußballerinnen bekommen verdammt wenig für ihre Siege. In anderen Sportarten ist das längst anders.

Dzsenifer Marozsan gehört zu den bekanntesten deutschen Fußballerinnen. An den Lohn ihrer männlichen Kollegen kommt sie trotzdem bei Weitem nicht heran.
Dzsenifer Marozsan gehört zu den bekanntesten deutschen Fußballerinnen. An den Lohn ihrer männlichen Kollegen kommt sie trotzdem bei Weitem nicht heran. © dpa/Sebastian Gollnow

Von Nils Bastek

Die Geschichte ist nicht neu, aber sie klingt immer noch grotesk. Das Kaffee-Service „Mariposa“ mit blauen und roten Blüten auf weißem Porzellan würde man heutzutage am ehesten noch im Schrank der Eltern oder Großeltern finden. Vor 30 Jahren dagegen belohnte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit der feinen Ware aus dem Haus Villeroy & Boch die Nationalspielerinnen für den Gewinn der Europameisterschaft 1989. Ein Jahr später bekamen die Männer um Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann für den WM-Titel in Italien umgerechnet 64.100 Euro pro Person.

Viele Jahre sind diese Zahlen alt. Große Debatten gab es damals nicht. Umso mehr Fahrt nimmt die Diskussion bei der derzeitigen Frauen-WM in Frankreich auf. Sie dreht sich um eine große Frage, die nicht nur den Fußball, sondern die Gleich- oder Ungleichbehandlung in allen Sportarten berührt. Warum bekommen Frauen und Männer für beinahe gleiche Leistungen nicht grundsätzlich den gleichen Lohn?

Schritt für Schritt
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Zwar würden die Spielerinnen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die 1989 auch noch ein Kaffee-Service erhalten hatte, für einen Gewinn der WM heute kein Porzellan mehr bekommen, sondern jeweils 75.000 Euro. Doch das wären immer noch 275.000 Euro weniger, als die Männer für den goldenen WM-Pokal 2018 in Russland bekommen hätten. „Man kann nur Gleiches gleich behandeln“, betont DFB-Interimspräsident Rainer Koch.

Dieses Kaffee-Service haben die Fußballfrauen für den Gewinn der EM 1989 bekommen. 
Dieses Kaffee-Service haben die Fußballfrauen für den Gewinn der EM 1989 bekommen.  © dpa/Rolf Vennenbernd

Mit der Frauen-Auswahl würden „bei Weitem nicht die Erlöse erzielt werden können, die im Männerfußball realisiert werden“, erklärt der 60-Jährige. Das ist sicherlich richtig. Allein die Fernseh-Einschaltquoten und dadurch auch die Einnahmen der Verbände fallen deutlich geringer aus als bei Endrunden mit Cristiano Ronaldo, Neymar oder Lionel Messi. Das dürfte im Tennis zwar ähnlich sein, wenn auch in geringerem Ausmaß. Dort werden aber zumindest bei den vier bedeutendsten Turnieren gleiche Prämien an Frauen und Männer ausgeschüttet. Beispielsweise kassieren in Wimbledon die Einzel-Sieger im Juli gut 2,5 Millionen Euro.

Auch im Biathlon oder der Leichtathletik herrscht Gleichberechtigung. 15.000 Euro gab es bei den Skijägern im vergangenen Winter für jeden Weltcuperfolg und 25.000 Euro für einen WM-Titel – egal, ob für einen Mann oder eine Frau. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF verteilt Bargeld seit der WM 1997 in Athen: Für jeden Einzeltitel gibt es gut 53.000 Euro und pro Weltrekord beinahe 89.000 Euro. 

Auch bei den Skiprofis gibt es keine Unterschiede. Laut Regularien wird gleich viel Geld an Frauen und Männer verteilt und pro Rennen etwa 107.000 Euro an Prämien ausgezahlt. Einzelne Veranstalter wie in Österreich Kitzbühel bei den Männern oder Flachau bei den Frauen stocken den Betrag noch auf. „Ich bin extrem stolz auf meinen Sport, bei dem es keinen Gender Gap gibt“, sagt Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin war in den vergangenen Jahren die beste Verdienerin und gewann sogar mehr Preisgeld als der österreichische Ausnahmeathlet Marcel Hirscher.

Mikaela Shiffrin mit der Kristallkugel für ihren Gesamtsieg im Slalom-Weltcup im März dieses Jahres.
Mikaela Shiffrin mit der Kristallkugel für ihren Gesamtsieg im Slalom-Weltcup im März dieses Jahres. © Helmut Fohringer/APA/dpa

So ungerecht geht es in vielen Sportarten also nicht zu. Oder? Die größten Differenzen scheinen sich da etabliert zu haben, wo es deutliche Unterschiede im allgemeinen Interesse gibt, etwa bei der aktuellen Frauen-Fußball-WM. Geringere TV-Marktanteile bedeuten niedrigere Fernseh-Einnahmen, worauf wiederum ein Großteil der Argumentation von Koch basiert. Ähnlich scheint es auch im Golf zu sein. Bei der US Open 2019 der Männer in Kalifornien strich der Gewinner etwa zwei Millionen Euro ein. Die Südkoreanerin Jeongeun Lee kassierte 2019 für ihren Erfolg bei der US Open in Charleston die Hälfte.

Besonders krass ist es im nordamerikanischen Eishockey. Bei Männern und Frauen gelten die Ligen jeweils als die besten der Welt. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Anfang Mai drohten rund 200 NWHL-Spielerinnen mit einem Streik zur neuen Saison. Sie fordern eine ordentliche Entschädigung. Eine Krankenversicherung gibt es nicht. Teils sind Spielerinnen für 1.780 Euro beschäftigt – pro Saison. „Da ist es schwierig, das professionell zu betreiben“, sagte der deutsche Nationalspieler Markus Eisenschmid, dessen Schwester in der NWHL spielt. Ein Kaffee-Service wurde ihr aber noch nicht angeboten. (dpa)

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