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Zittau

Frauenarzt spricht großes Tabu-Thema an

Warum Milan Sedlak für die Inkontinenz-Behandlung bei den Schönheits-Chirurgen abguckt und auch Männer in seine Großschönauer Praxis kommen.

Dr. Milan Sedlak aus Liberec ist Facharzt für Frauenheilkunde und praktiziert seit einem Jahr in Großschönau.
Dr. Milan Sedlak aus Liberec ist Facharzt für Frauenheilkunde und praktiziert seit einem Jahr in Großschönau. © Matthias Weber/photoweber.de

Das hat sich Dr. Milan Sedlak wirklich einfacher vorgestellt. Vor einem Jahr gab der Gynäkologe aus Liberec seine Stelle als Oberarzt im Zittauer Krankenhaus auf und übernahm die Frauenarztpraxis von Dr. Ingrid Friedrich in Großschönau. Ingrid Friedrich wollte in den Ruhestand gehen und suchte händeringend einen Nachfolger.

Er habe damals schon geahnt, dass da auch viel Bürokratie auf ihn zukommen würde, sagt er heute rückblickend, aber dass es ein niedergelassener Facharzt in Deutschland mit so einem enormen Verwaltungsaufwand zu tun hat, nein, damit habe er wirklich nicht gerechnet. "Ich hatte wirklich gehofft, mit den geregelten Sprechzeiten mehr Zeit für meine Familie zu haben", sagt der 45-Jährige, "aber das ist mir bisher noch nicht gelungen."

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Dafür aber ist Dr. Sedlak etwas anderes gelungen. Schon seit Jahren hat der Gynäkologe  ein Spezialgebiet: die Urogynäkologie, die sich mit Beckenbodenbeschwerden und Inkontinenz beschäftigt. "Das ist leider immer noch ein großes Tabu-Thema", weiß er. "Es betrifft aber sehr viele Frauen, viel mehr, als mit diesen Beschwerden wirklich zum Arzt kommen."

Jeden Dienstag OP-Tag in der Klinik

Milan Sedlak hat sich deswegen lange damit beschäftigt, wie er bei Inkontinenz auch als niedergelassener Arzt ambulamt helfen kann. Er hat sich also noch einmal neu mit dem Thema beschäftigt und ist auf eine neue Behandlungsmethode gekommen, mit der er seines Wissens der einzige Gynäkologe in ganz Ostsachsen ist - eine Laserbehandlung, die sich die Urogynäkologen bei den Schönheitschirurgen abgeschaut haben. 

"In der ästhetischen Medizin regt die thermische Behandlung mit dem Laser die Hautstaffung an", erklärt Dr. Sedlak, "in unserem Fall verhelfen die mikrofeinen Impulse dem Bindegewebe wieder zu mehr Festigkeit, indem sie die Durchblutung fördern und das Zellwachstum anregen." 

Mit dem neuen Laser-Gerät, das Sedlak für seine Praxis angeschafft hat, gehört er zu den Vorreitern in der Behandlung von Inkontinenz und Intimbeschwerden, die so viele Frauen lieber für sich behalten. "Ich möchte damit eigentlich auch Mut machen und erreichen, dass wir über das Thema sprechen wie über andere Krankheiten auch", sagt Sedlak.

Er weiß aus seiner Erfahrung als Klinikarzt, wie wichtig das ist. Neben seiner Arbeit in der Praxis steht Milan Sedlak immer noch jeden Dienstag im OP-Saal des Zittauer Krankenhauses und operiert vor allem auf seinem Spezialgebiet. "Für mich ist das sehr wichtig", sagt er, "und ich denke, auch für meine Patientinnen."

Die Lasertechnik ist bisher keine Kassenleistung. Milan Sedlak ist aber überzeugt, dass damit die urogynäkologischen Beschwerden schon im Anfangsstadium behandelt werden könnten, noch ehe eine Operation überhaupt notwendig ist.

Was Männer in die Praxis führt

Und noch ein Spezialgebiet hat der Arzt aus Tschechien - eines, dass er als Oberarzt im Klinikum nicht anwenden konnte, und für das jetzt auch Männer in seine Praxis kommen: die Akkupunktur. Im Krankenhaus ist man ja eher der Schulmedizin verpflichtet, sagt er. Auch Dr. Ingrid Friedrich hatte in der Praxis die Akkupunktur als alternative Heilmethode angeboten. 

"Die Methode ist fast 2.000 Jahre alt, und ich bin überzeugt davon, dass sie funktioniert", sagt Dr. Sedlak. Und so ergibt es sich, dass er in seiner Frauenarztpraxis  auch Tinitus, Allergien oder Rückenschmerzen behandelt.

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Bisher rechnet sich das alles noch nicht, gibt Milan Sedlak unumwunden zu. Aber er habe den Schritt in die eigene Niederlassung nicht bereut - trotz des ganzen bürokratischen Aufwands, sagt er. Dabei helfe ihm ja auch das Großschönauer Praxisteam, das er gleich mit übernommen hat. Und wenn er mal nicht ganz sicher ist, was und wie viel er verschreiben darf, so schmunzelt er, dann ruft er seine Vorgängerin, Frau Dr. Friedrich, an, die ihm beim Start in die eigene Praxis sehr geholfen hat.

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