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Frauenfreundliches Klima

Das Radisson Parkhotel ist nicht nur mit flexiblen Arbeitszeiten familienfreundlich. Es gibt auch weitere Angebote.

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© Arvid Müller

Von Wolf Dieter Liebschner

Wenn Katrin Bormann in einigen Tagen aus dem Mutterschaftsurlaub zurückkehrt, dann wird sich an ihrem Arbeitsalltag einiges geändert haben. Die 31-jährige Radebeulerin arbeitet als Empfangssekretärin im Radisson Blu Hotel. Sie muss sich jetzt nicht nur um ihre fünfjährige Tochter Lena Sophie, sondern auch um Sara Marie kümmern. Die Jüngste in der Familie ist inzwischen ein Jahr alt. „Ich wollte einfach etwas weniger als zuvor arbeiten“, sagt Katrin Bormann. „Lena Sophie kommt außerdem in diesem Jahr in die Schule.“

Bei der Hotelleitung fand sie mit ihrem Wunsch offene Ohren. Mit Personalchefin Gabriele Uhlitzsch vereinbarte sie eine Vier-Tage-Woche mit einer täglichen Arbeitszeit von acht Stunden. „Ich bin entweder von früh bis nachmittags oder von nachmittags bis in den späten Abend hinein im Dienst, habe drei Tage frei.“ Wobei sich diese Tage regelmäßig ändern, denn in der Hotel- und Gastronomiebranche ist der Wochenenddienst obligatorisch.

„Ich freue mich sehr über diese Regelung“, sagt die Empfangssekretärin. „Ich kann mich gut um die Kinder kümmern, und die Arbeit macht mir sowieso Spaß.“

105 Mitarbeiter hat das Radebeuler Hotel. Rund 50 Prozent davon sind Frauen, acht davon mit Kindern die noch oder noch nicht die Schule besuchen. „Das scheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein“, sagt Personalchefin Uhlitzsch. „Aber das ist schon eine große Herausforderung, wenn die Dienstpläne geschrieben werden müssen. Schließlich wollen wir, dass sich sowohl unsere Gäste wohl fühlen als auch, dass sich für unsere Mitarbeiter Beruf und Familie möglichst gut miteinander verbinden lassen.“

Diese Philosophie scheint im Radisson Blu tatsächlich gelebt zu werden. Denn nicht nur Empfangssekretärin Bormann hat eine maßgeschneiderte Arbeitszeitregelung. Auch für den Servicebereich – hier beginnt die Arbeit beispielsweise schon ab 5 Uhr früh mit der Vorbereitung für das Frühstück – wurden spezielle Arbeitszeitmodelle entwickelt.

„Die Kolleginnen im Service arbeiten je nach Wunsch täglich zwischen fünf und acht Stunden und kommen so auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 25, 30 oder 40 Stunden“, erklärt Gabriele Uhlitzsch. Eine der Servicekräfte, die das nutzt, ist die Frühstückskellnerin Iris Kaden. Sie arbeitet bereits seit 15 Jahren im Radisson. Die Personalchefin nennt dies „eine durchaus ungewöhnlich lange Zeit“, gemessen an den Durchschnittswerten in der Hotellerie.

In einem Hotel kennt man keine Fünf-Tage-Woche. Es gibt keine Schließzeiten, dafür Schichtdienst. Und die Urlaubspläne sind immer auch ein Kompromiss zwischen den Wünschen der Mitarbeiter und den Ansprüchen der Gäste. Für die Personalchefin sind das alles Gründe dafür, warum es schwer ist, gute Mitarbeiterinnen zu bekommen. So ist sie aktuell auf der Suche nach einer weiteren Frühstückskellnerin. „Wir setzen zwar alles in Bewegung, aber gefunden haben wir noch niemanden. Dabei wäre eine Tätigkeit mit flexiblen Arbeitszeiten wie bei uns gerade eine gute Chance für junge Mütter.“

Für den Fachkräftemangel ist einerseits der demografische Wandel verantwortlich, andererseits die hohe Beschäftigungsquote bei Frauen im Landkreis. Sie beträgt hier 57,6 Prozent. Zum Vergleich: Die Quote in Sachsen erreicht 56,3 Prozent. Bundesweit sind es nur 49,4 Prozent. Angesichts dieser Zahlen werden familienfreundliche Arbeitsbedingungen immer wichtiger. Im Radisson zählt dazu nicht nur die Arbeitszeit. Noch in diesem Monat wird es einen Gesundheitstag mit insgesamt 14 Angeboten für die Mitarbeiter geben.

Natürlich weiß Gabriele Uhlitzsch auch, dass ein frauenfreundliches Klima nur dann etwas bringt, wenn die Mitarbeiterinnen vorbehaltlos von ihren Familien unterstützt werden. Katrin Bormann bestätigt das. „Ohne meinen Mann würde das überhaupt nicht gehen“, sagt sie. „Er bringt beispielsweise die Kinder in die Kita, wenn ich Frühdienst habe.“