SZ +
Merken

Frauenkirche ist ein gutes Vorbild

Tagesgesprächmit Jürgen Rojahn

Teilen
Folgen

Herr Rojahn, war die große Konferenz zum Umgang mit der Görlitzer Synagoge überflüssig?

Als im Dezember bekannt wurde, dass ein israelischer Geschäftsmann die Synagoge für den Verein Jüdische Gemeinde kaufen wolle, hatten wir mal dieses Gefühl. Längere Zeit war unklar, ob Avi Goldreich und die Vorsitzende jenes Vereins Mira Gelehrter an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert wären. Erst im Februar haben sie diese Frage eindeutig bejaht.

Jetzt aber haben Sie ziemlich gallig reagiert, als Goldreich wegen des Sabbats nicht an Ihrer Konferenz teilgenommen hat.

Das ist vielleicht so angekommen. Aber ich kann Goldreichs Haltung akzeptieren. Was mich wirklich ärgert, ist die fast vollständige Abwesenheit des Stadtrates und anderer Vertreter des öffentlichen Lebens.

Warum?

Es sind doch die Stadtpolitiker, die vor der wichtigen Entscheidung stehen, was mit der ehemaligen Synagoge, die der Stadt gehört, geschehen soll. In dieser Phase sollte man annehmen, dass die Entscheidungsträger auch intensiv die dazugehörigen Debatten verfolgen. Das scheint nicht so zu sein.

Welches Konzept bevorzugen Sie nach der Konferenz für die Görlitzer Synagoge?

Mir gefällt das Modell der Stiftung Frauenkirche in Dresden besonders gut. Michael Guggenheimer hat es die Verbindung von Kultus und Kultur genannt: In der Frauenkirche finden Gottesdienste ebenso statt wie Konzerte.

Mit einer orhodoxen jüdischen Gemeinde wäre das Modell womöglich schwer umsetzbar.

Das ist die Frage. Sicherlich ist es richtig, dass sich die Gemeinde um Frau Gelehrter und Herrn Goldreich eher aufs spirituelle Leben konzentriert und an kulturellen Veranstaltungen nicht so interessiert ist.

Muss man das dann nicht schlichtweg akzeptieren?

Wir würden es begrüßen, wenn die Synagoge ihre ursprüngliche Funktion zurückerhielte. Aber die Stadt kann den Verkauf mit Auflagen verbinden. Zunächst hat Frau Gelehrter erklärt, dass kulturelle Veranstaltungen auch in einer Synagoge möglich wären. Jetzt ist davon keine Rede mehr. Für die Integration der neu entstehenden jüdischen Gemeinde ist es wichtig, dass die Synagoge auch im Falle eines Verkaufs für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Auch die nichtjüdischen Bürger sich mit dem Gebäude verbunden fühlen können.

Wird es denn tatsächlich zum Verkauf kommen?

Es scheint alles darauf zu zu laufen.

Gespräch: Frank Seibel