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Frei und trotzdem von Haft bedroht

Ein 22-jähriger Pole hat jetzt wegen Diebstahls in der Lackiererei an der Chopinstraße vor Gericht gestanden.

Marcin G. aus dem polnischen Nachbarkreis Boleslawiec hat am 30. Mai 2013 mit einer Hacke das Gitter vor einem Fenster zu einer Lagerhalle an der Zittauer Chopinstraße herausgebrochen, das Fenster eingeschlagen und war in die Halle eingestiegen. Er suchte – wie er vor Gericht gestand – nach möglicher Diebesbeute. „Ich wollte nachsehen, ob ich was finde, das ich zu Geld machen könnte“. Er fand ein Auto und darin ein Autoradio, das er mitnehmen und später verkaufen wollte. Als er sich mit dem Ausbau des Radios beschäftigte, ging die Alarmanlage der Halle los. G. hörte, wie sich vor der Halle Männer versammelten. Er kletterte aus dem Fenster, wurde von den Männern festgehalten und wenige Augenblicke später der Polizei übergeben. Die fand beim Beschuldigten ein Klappmesser, weshalb der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft „Einbruchdiebstahl mit Waffen“ lautete. Dafür sind im Strafgesetzbuch drei bis fünf Jahre Haft vorgesehen. Marcin G. sagte dazu, dass er dieses Messer immer dabei habe, weil es ein gutes Werkzeug sei. Der Staatsanwalt wollte von G. wissen, ob er es tatsächlich nur auf das Autoradio abgesehen hatte oder nicht vielleicht auf das Auto selbst? Für die Frage hatte er einen guten Grund, denn der Angeklagte war nur neun Tage nach seiner Festnahme an der Chopinstraße erneut eingebrochen – dieses Mal in eine Autowerkstatt an der Ziegelstraße, wo er Werkzeug und einen Peugeot stahl. Marcin G. schüttelte zu der Nachfrage den Kopf. Er habe nicht gewusst, wo er aus der Lagerhalle hätte rausfahren können. Deshalb wollte er nur das Radio.

Im Bundeszentralregister hat Marcin G. zwei Vorstrafen-Eintragungen, beide wegen Diebstahls. Im polnischen Register gibt es ebenfalls zwei Eintragungen wegen Diebstahls. Offen ist in Polen eine Haftstrafe von zwei Jahren Haft, ausgesetzt auf fünf Jahre Bewährung. Die Staatsanwaltschaft beantragte nun für einen minderschweren Diebstahl eine Haftstrafe von drei Monaten. Der Richter folgte dem Antrag und verurteilte Marcin G. zu drei Monaten Haft ohne Bewährung. Trotzdem kam G. frei. Weil er im Dezember 2013 nicht zur damals angesetzten Verhandlung erschien, wurde gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Am 30. April nahm die polnische Polizei den 22-Jährigen fest und brachte ihn in die Justizvollzugsanstalt Görlitz. Dort blieb er bis zur jetzigen Verhandlung. Die Haftzeit wurde nun auf das Urteil angerechnet. Marcin G. nahm das Urteil an. Da er jedoch in der Bewährungszeit seiner polnischen Verurteilung eine Straftat begangen hat (wenn auch in Deutschland), kann das dazu führen, das er demnächst in Polen seine zweijährige Haftstrafe absitzen muss. (jz)

Die gesunde Drittelstunde
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