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Freiberg ist nicht abgeschrieben

Die mittelsächsische Kreisstadt Freiberg ist 452 Millionen Euro wert. Die in vierjähriger Arbeit erstellte Eröffnungsbilanz für den künftigen Haushalt füllt 150 Aktenordner. Teuerster Einzelposten ist das Schloss Freudenstein mit 30 Millionen Euro.

Von Siggi Grohmann

Die mittelsächsische Kreisstadt Freiberg ist 452 Millionen Euro wert. Die in vierjähriger Arbeit erstellte Eröffnungsbilanz für den künftigen Haushalt füllt 150 Aktenordner. Teuerster Einzelposten ist das Schloss Freudenstein mit 30 Millionen Euro. Jeder der aufgelisteten Sachen hat eine festgelegte Abschreibungsdauer, bei Gebäude beträgt diese 80 Jahre. Die 150 Ordner wird man wohl eher abschreiben müssen, weil sich in Sachen Gebäuden in Freiberg demnächst wieder einiges ändert.

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Was es heißt, wenn freiberufliche Hebammen am Juli 2015 keine Versicherungen mehr abschließen dürfen, ist klar. Das Geburtenhaus in Freiberg müsste schließen, selbst im Krankenhaus bekäme man Schwierigkeiten, von den Problemen der Schwangeren, die dann nach Chemnitz oder Dresden fahren müssten, ganz abgesehen. Hoffentlich bleibt das nur Theorie.

Am Ende des Lebens sieht es auch nicht viel anders aus. Wegen des Pflegenotstandes in den mittelsächsischen Altenheimen will Landrat Volker Uhlig auf seiner Reise durch Südostasien vietnamesische Pflegekräfte anheuern. Experten sehen das allerdings sehr kritisch. Theoretisch ist das zwar eine Lösungsmöglichkeit, aber in der Praxis drohen nicht nur Sprachprobleme. Die Pfleger müssen ihre Arbeit Schritt für Schritt dokumentieren, und das so, dass die Aufzeichnungen juristisch unanfechtbar sind. Und das schafft praktisch nicht mal jeder, der schon sein ganzes Leben in Sachsen zuhause ist.

„Zu Hause sein in Sachsen“, so lautete der Titel einer Veranstaltung mit dem Theologen Friedrich Schorlemmer, die kürzlich in Freiberg über die Bühne ging. Er sprach über das Leben in Sachsen. Er hat zwar nie hier gewohnt, aber das ist nur theoretisch ein Problem. Erstens ist er schon wegen seines Berufs als Pfarrer gewohnt, über etwas zu sprechen, dass er nicht kennt. Und zweitens war auch der Sachse Karl May erst in Amerika, als er seine Bücher über Winnetou und Co. längst geschrieben hatte. Ob Karl Mays Werke 150 Ordner füllen würden, weiß ich nicht – aber abgeschrieben sind sie auch heute noch lange nicht.