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Freie Bahn für die Pließnitz

Das alte Kirchmühlwehr ist Geschichte. Stattdessen fließt der Fluss in einem neuen Bett – mit Extras für die Fische.

Von Anja Beutler

Hell leuchten die Ufer der Pließnitz. Dass hier alles neu glänzt, ist nicht zu übersehen. Junge Bäume stehen zur Rechten des Flusses. Seit vergangener Woche ist das alte Wehr der Seidelmühle in Schönau-Berzdorf endgültig Geschichte. Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) hat hier – wie entlang der Pließnitz generell – die alte Anlage entfernt und alles dafür getan, um das Gewässer möglichst natürlich fließen zu lassen. Damit genügt der Fluss nun auch an dieser Stelle der EU-Norm. Denn laut deren Richtlinie müssen die Flüsse durchgängig sein, also für Fische und Wasserlebewesen problemlos passierbar. Und das ist auf dem Eigen nun fast durchgehend der Fall.

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Bis Mitte November haben die Bauarbeiter hier nun nicht nur die alte Wehranlage vollständig aus dem Flussbett entfernt, sondern auch für die Zukunft gesichert. „Durch den Rückbau wird die Fließgeschwindigkeit am Standort erhöht“, erklärt Romi Reichow vom zuständigen LTV-Betrieb in Bautzen. Um die Stabilität in und um das Flussbett nun besser zu sichern, seien fünf Querriegel in das Flussbett eingebracht worden, die den Wasserlauf ein bisschen regulieren, sagt sie.

Auch das Ufer ist bei den Arbeiten komplett neu aufgebaut worden: „Für den Rückbau musste alles abgetragen und naturnah umgestaltet werden“, erklärt Frau Reichow. Damit füge sich der Teil der Pließnitz nahtlos in das Landschaftsbild ein, betont sie. Doch es ging nicht allein um gutes Aussehen: Die Böschung hat die Landestalsperrenverwaltung mit einer Steinschicht gesichert, die bis zu einer Höhe von etwa zwei Dritteln der Ufer aufgeschüttet worden ist. Die Steine pur sind aber nicht zu sehen. Im Gegenteil, das Ufer soll grün werden. Dabei helfen neben einer Schicht Erde, in die Gras gesät wird, auch Weidenstecklinge, die das Ufer natürlich befestigen sollen.

Ein großes Thema, vor allem an der Pließnitz, sind die Bedingungen für Fische: Derzeit läuft nach einer heftigen Diskussion zwischen lokalem Anglerverein und der LTV mit Vermittlung des Anglerverbandes Elbflorenz eine Untersuchung. Hierbei soll geprüft werden, ob die zahlreichen Wehr-umbauten im Fluss den Tieren eher schaden als ihnen nützen. Denn ein Ziel der Arbeiten ist es ja eigentlich, die Lebensbedingungen im Wasser zu verbessern. Das tue man auch, betont die LTV ihrerseits: In Abstimmung mit dem Fischsachverständigen, der das Vorhaben auch fachlich begleitet hat, sind 30 sogenannte Störsteine eingebaut worden. Außerdem sind zusätzlich Totholzelemente – also beispielsweise Wurzelstöcke – eingebaut worden, die den Tieren die Möglichkeit bieten, Schutz zu finden und sich auszuruhen.

Auch genug Schatten – für Forellen, die der Leitfisch in der Pließnitz sind, für die ideale Wassertemperatur ganz wichtig – wird es an der Stelle ausreichend geben. Zusätzlich zu den vorhandenen Bäumen sind 15 Schwarzerlen am rechten Ufer gepflanzt worden. Die Bäume ersetzen zum Teil einige Gehölze, die vor den Arbeiten gefällt werden mussten, weil Gefahr bestand, dass sie bei Hochwasser in den Fluss stürzen und so das Wasser zusätzlich anstauen könnten. Insgesamt hat der Freistaat 190 000 Euro in die Arbeiten investiert. Für das nächste Jahr stehen noch zwei Sohlstufen in Hagenwerder auf dem Plan. Ob es tatsächlich 2014 zum Rückbau kommt, ist aber noch nicht sicher.