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Freie Fahrt für Knirpse

In der Jeschkenregion fahren Kita-Kinder unbegrenzt Bus und Bahn. Das Angebot gilt auch für Kids aus Deutschland.

Von Katja Zimmermann

Hunderte kleine Kinder wuseln regelmäßig durch den Liberecer Zoo. Vor allem, wenn dort Bastelnachmittage oder ähnliche Aktionen anstehen. Die eine Gruppe hat gelbe Mützen auf, die nächste grüne. So sind sie für ihre Betreuer schon von Weitem auseinanderzuhalten. Auffällig: Viele junge Gäste scheinen noch nicht mal die Schulbank zu drücken.

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Der Grund für die häufigen Kita-Ausflüge im tschechischen Nachbarland ist einfach: Kinder unter sechs Jahren nutzen Bus, Zug und Straßenbahn kostenlos im Liberecer Bezirk. Egal, wie viele Gruppen zum selben Zeitpunkt davon Gebrauch machen. Das soll sich bis auf Weiteres auch nicht ändern. Jiri Hrubon, der Chef der dem Liberecer Bezirk gehörenden Verkehrs-Gesellschaft Korid, erklärt: In der Liberecer Region schränkt man die Anzahl der Kinder nicht ein, die in Erwachsenenbegleitung die Nahverkehrsmittel kostenlos nutzen können. In anderen Gegenden sei man nicht so großzügig. Um die Sicherheit der Gäste zu garantieren – die Kapazität der Busse und Züge ist schließlich begrenzt – müssten sich alle Gruppen über zehn Personen (egal ob Familie oder Kita-Gruppe) einfach mindestens 24 Stunden vor ihrem geplanten Ausflug in einem Kontrollzentrum anmelden. Im Bedarfsfall würden dann beispielsweise längere Wagen eingesetzt.

Hilfe auch auf Deutsch

Das kostenlose Kinderangebot gilt auch für Deutsche. Jiri Hrubon bestätigt auf SZ-Nachfrage: „Die Verkehrsbetriebe unterscheiden nicht nach Nationalität, wesentlich ist, dass die Erwachsenenbegleitung eine gekaufte Fahrkarte hat.“ Die Tickets heißen übrigens „Idol“, kurz für Integratives Verkehrssystem der Liberecer Region.

Bei Fragen zum Ticket gibt es Hilfe teilweise auch auf Deutsch. „Auf den „Trilex“-Strecken ist das eine Selbstverständlichkeit“, sagt Jiri Hrubon. Er meint damit die Linie Seifhennersdorf – Varnsdorf – Großschönau – Zittau – Liberec, die von der Vogtlandbahn bedient wird. Sollte es an den anderen Service-Schaltern im Liberecer Bezirk Sprachbarrieren geben, regt der Verkehrschef an, sich direkt an Korid zu wenden. Die Anfrage würde dann übersetzt. Schon seit einem Jahr gibt es die unbegrenzte freie Fahrt für Knirpse. Das habe sich aber immer noch nicht richtig herumgesprochen, bedauert Hrubon.

Das Projekt „ist der Versuch, mit Werbung für öffentlichen Verkehr bei den Kleinsten anzufangen“. Wenn es bei denen in der Kindheit zur Gewohnheit werde, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, würden sie das auch später im Schüler- oder Studentenalter tun. „Wir wissen auch, dass ein Großteil der Familien für ihre Reisen mit den Kindern nur das Auto nutzt. Kinder im Vorschulalter haben praktisch keine Möglichkeit, Reisen mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erleben“, sagt der Korid-Chef. Die Reglungen gelten im gesamten Idol-Bereich. Jiri Hrubon nennt Beispiele, die vor allem aus Richtung Deutschland interessant sind: die Trilex-Strecke zwischen Liberec und Hradek nad Nisou, die Zugstrecke Liberec – Tanvald – Harrachov oder im Liberecer Stadtgebiet beispielsweise die Straßenbahn zum Zoo. „Wir nehmen an, dass tschechische und deutsche Kinder ähnlich sind und ähnliche Ziele haben“, sagt der Nahverkehrsfachmann. Abgesehen vom Zoo denkt er dabei beispielsweise an das Freilichtmuseum in Jindrichovice pod Smrkem (Heinersdorf an der Tafelfichte) sowie an die Felsenburg Sloup und die Burgruine Trosky im Böhmischen Paradies. Oder eben auch an den am 29. März neu eröffneten interaktiven Wissenstempel „iQLandia“. Gegenüber vom Centrum Babylon in Liberec können schon Vorschulkinder erfahren, wie Alltagsgegenstände funktionieren.

Kontakt: [email protected]