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Freie Fahrt zwischen Jessen und Liebethal

Die neue Brücke über den Bonnewitzer Bach in Pirna ist fertig. Tonnage-Beschränkung, Tempolimit und Umleitung sind damit Geschichte.

Pirnas OB Klaus-Peter Hanke (M.), Liebethals Ortswehrleiter Uwe Gebauer (3.v.r.) Liebethaler Einwohner: Erleichtert, dass die Straße wieder frei ist.
Pirnas OB Klaus-Peter Hanke (M.), Liebethals Ortswehrleiter Uwe Gebauer (3.v.r.) Liebethaler Einwohner: Erleichtert, dass die Straße wieder frei ist. © Karl-Ludwig Oberthuer

Wenn Uwe Gebauer, CDU-Stadtrat und Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Liebethal, mit dem Auto von seinem Wohnort nach Pirna unterwegs war, musste er 20 Jahre lang ein Nadelöhr passieren: die Brücke über den Bonnewitzer Bach an der Straße "Altjessen", gelegen zwischen den Pirnaer Ortsteilen Jessen und Liebethal. 

Früher rollte der Verkehr normal auf zwei Fahrspuren über das Viadukt, seit 1999 allerdings nur noch eingeschränkt. Die Stadt hatte die Fahrbahn damals mit Leitplanken derart eingeengt, dass gerade noch so ein Linienbus über die Brücke passte. Die Tonnage war auf sechs Tonnen beschränkt, das Höchsttempo auf zehn Stundenkilometer begrenzt. Der Grund: Das Bauwerk sollte nicht über Gebühr belastet werden, weil es nur noch bedingt tragfähig war. Zu viele Schäden hafteten der Brücke an. 

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Müllautos, Busse und Rettungsfahrzeuge konnten den Übergang zwar mit Sondergenehmigung passieren. Erwarteten allerdings Betriebe oder Einwohner in Liebethal größere Lieferungen, mussten die Transporte extra angemeldet werden. "Das war ein aufwendiges Prozedere", sagt Gebauer, "daher sind wir nun alle froh und erleichtert, dass dieser Zustand vorbei ist."

Busse fahren wieder bis zum Liebethaler Grund

Anlass der kollektiven Freude: die Brücke über den Bonnewitzer Bach ist jetzt fertig saniert. Das Bauwerk wurde am Donnerstag für den Verkehr freigegeben. Ab sofort rollt der Verkehr hindernisfrei, Gegenverkehr auf der Brücke ist wieder möglich. Die Tragfähigkeit ist jetzt unbeschränkt, das frühere Tempolimit aufgehoben. 

Die Linienbusse fahren wieder bis zum Wendeplatz am Liebethaler Grund. Während der Bauzeit war eine provisorische Haltestelle vor der Brückenbaustelle eingerichtet worden. 

Die Bauzeit war straff, drei Monate waren ursprünglich geplant. Die Bauleute verfehlten das Ziel auch nur knapp, weil einige unvorhergesehene Dinge hinzukamen. So waren beispielsweise zusätzliche Arbeiten im Bachbett und an den Flügelmauern notwendig, die das Bauende um einen knappen Monat hinausschoben. 

Großer Aufwand für eine kleine Brücke

Generell war das Vorhaben nicht einfach. "Für eine eher kleine Brücke über einen kleinen Bach war es viel Aufwand", sagt der Pirnaer Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos). Aus Sicht der Stadt wäre es leichter gewesen, zwei neue Widerlager zu betonieren und darauf eine Fertigteilbrücke zu montieren. 

Allerdings erteilte der Denkmalschutz einige Auflagen. So galt es unter anderem, den Gewölbebogen aus Sandstein sowie die bisherigen Widerlager zu erhalten. 

Die Fachleute brachen zunächst die alte Brücke ab und legten den Gewölbebogen frei. Dieser Bogen wurde anschließend mit Ankern und Stahlbeton verstärkt. Zudem sanierten die Handwerker die Flügelwände und dichteten den Unterbau ab, damit keine Nässe mehr ins Bauwerk eindringen kann. Auf dem verstärkten Gewölbebogen errichteten die Fachleute die neue Brücke. 

Anfang dieser Woche bauten die Arbeiter den finalen Asphalt ein. Die Fahrbahn ist jetzt sechs Meter breit, breit genug, damit entgegenkommende Fahrzeuge die Brücke gleichzeitig passieren können. Auf der Brücke gibt es 15 Zentimeter hohe sogenannte Schrammborde, damit die Autos nicht von der Brücke abkommen. Radfahrer werden über die Straße geleitet. 

Geländer fehlt noch

Ganz fertig ist das Vorhaben allerdings noch nicht: in Kürze installieren die Handwerker noch auf jeder Brückenseite ein Geländer, damit niemand in den Bach stürzt. 

Zwar gibt es auf der Brücke offiziell keine gesonderten Gehwege. Weil aber die Fahrbahn leicht schräg zur Brücke verläuft, ist zwischen Straße und Geländer etwas Platz, sodass Fußgänger die Brücke abseits der Straße passieren können. 

Die steilen Hänge neben der Brücke werden zum Teil noch mit Matten verstärkt, um das Erdreich zu stabilisieren. Anschließend werden die Flächen begrünt. Die provisorische Brücke neben dem neuen Bauwerk, die bislang als Fußweg und Baustraße diente, wird demnächst abgebaut. 

Das Vorhaben kostete insgesamt 440.000 Euro. Der Freistaat Sachsen förderte das Projekt mit 336.000 Euro aus dem Förderprogramm "Kommunaler Straßen- und Brückenbau". 

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