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Freie Grundschule zieht ins Gersdorfer Schloss

Die Schkola will den Leerstand des Gebäudes 2019 beenden. Kinderlachen an diesem Ort ist den Gersdorfern nicht fremd.

© SZ/Steffen Gerhardt

Von Anja Gail

Gersdorf. Schnell hat sich die Nachricht im Dorf verbreitet: Im August 2019 will die freie Schule Schkola im Gersdorfer Schloss starten. Vorerst mit 30 Kindern der Klassenstufen eins bis fünf. Zwei Lerngruppen mit jeweils zwei Lernbegleitern soll es anfangs geben. Das sind jeweils ein ausgebildeter Lehrer und ein Erzieher, Sozialpädagoge oder Heilerziehungspfleger. Sie begleiten die Kinder beim Lernen in offenen Formen ohne Frontalunterricht. Auf Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Achtsamkeit wird viel Wert gelegt, ebenso auf die Nähe zur Natur und Praxis.

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Ute Wunderlich ist die Geschäftsführerin der Schkola gGmbH.
Ute Wunderlich ist die Geschäftsführerin der Schkola gGmbH. © Thomas Eichler

Die Idee für eine Schkola im Görlitzer Raum nimmt seit einem knappen Jahr Gestalt an. Familien aus dem Umfeld des Waldkindergartens suchten nach einem passenden Schulkonzept und kamen dabei mit der Schkola in Kontakt, die im Dreiländereck seit vielen Jahren mehrere Schulen und einen Kindergarten betreibt.

„Erstaunt war ich nicht, als sich eine Elterninitiative aus Görlitz bei uns mit dem Wunsch meldete, einen eigenen Standort aufzubauen“, sagt Ute Wunderlich, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft Schkola. „Gefreut über das Interesse habe ich mich sehr.“ Um die Trägerschaft für eine neue Schule zu übernehmen, muss die Schkola engagierte Eltern und Partner vor Ort an ihrer Seite wissen, erklärt Ute Wunderlich. Familien dürfen dabei nicht nur Interesse daran hegen, ihre Kinder in so eine freie Schule zu schicken. Vielmehr müssten sie sich einbringen, einen Förderverein gründen, um die Schule inhaltlich mit auszurichten und finanzielle Unterstützung zu organisieren.

Freie Schulen erhalten in den ersten vier Jahren 40 Prozent der Kosten vom Freistaat. Wenn das Konzept stimmig ist und nach dieser Anlaufzeit funktioniert, fließen weitere 40 Prozent an den Schulträger zurück. Unabhängig davon ist die Elterninitiative für Gersdorf längst dabei, nach Partnern zu suchen. Es gibt bereits Ideen und Anknüpfungspunkte mit der Hochschule Zittau/Görlitz, dem Naturkundemuseum und dem Pfaffendorfer Lindenhof. Bei der Suche nach einem Gebäude war die Gemeinde Markersdorf schon seit einiger Zeit im Spiel. Die Elterninitiative hatte sich erst für den frei gewordenen Kindergarten am Schlesischen Weg interessiert. Die Gemeinde konnte darüber hinaus aber auch das Gersdorfer Schloss samt Park anbieten. Inzwischen ist die Entscheidung für Gersdorf gefallen. Der Park ist als großer grüner Schulhof ideal, erzählen die Eltern. Zwischen Görlitz und Löbau fahren Züge. Der kleine Gersdorfer Haltepunkt liegt nur wenige Schritte vom Schloss entfernt. Im Ort gibt es mehrere Vereine und Sportanlagen.

Die Freude auf die neuen Schlossherren ist rundum groß, zumal sich bis zum Sommer vor elf Jahren im Gebäude ein Kindergarten befand. „Ich bin begeistert“, sagt Kerstin Frenzel, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. „Endlich wird wieder Leben einziehen.“ Auch Bürgermeister Thomas Knack bestätigt den großen Zuspruch seitens der Gemeinde und vor Ort. Angestrebt sei ein langfristiger Erbpachtvertrag mit der Schkola. Damit übernimmt der Pächter alle Kosten für den Umbau. Sollten Fördermittel beantragt und bewilligt werden, sei es üblich, dass die Gemeinde einen Sitzanteil trägt, erklärt der Bürgermeister. Das seien um die fünf Prozent vom Eigenanteil. Zu tun gibt es im Schloss viel. Denn nach der Sanierung der Außenhülle, die bis 2008 abgeschlossen war, ging es im Gebäude nicht mehr weiter. Dem Seniorenverein, dem Ortschaftsrat, dem ehemaligen Jugendclub und den Chronisten ist es zu verdanken, dass wenige Räume nutzbar sind. Der Auszug der bisherigen Nutzer aus dem Schloss wird kein Problem sein. Sie sind schon seit Längerem darauf vorbereitet.

Für die Schkola wiederum ist es keine Schwierigkeit, den Schulbetrieb mit wenigen Räumen zu starten. Vielmehr gehöre es zum Konzept des Schulträgers. Die Kinder erleben mit, wie ihre Schule Gestalt annimmt und wächst. Der Start der neuen Ganztagsschule steht nun so gut wie fest. Sie soll künftig bis zur Oberstufe reichen und verschiedene Schulabschlüsse anbieten. Eltern können ihre Kinder über die Internetseite anmelden. Dort finden sich auch weitere Informationen zur Schkola und Kontaktdaten für Unterstützer.

Interessenten können sich den öffentlichen Verwaltungsausschuss am 7. Juni um 18.30 Uhr im Schloss Gersdorf vormerken, wo sich die Schkola vorstellt. Am 18. August ist in Gersdorf ein Informationsnachmittag geplant.

https://schkola.de