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Freie Platzwahl

Der Bus zwischen Herrnhut und Görlitz fährt auch nach der Probezeit weiter. Die Zahl der Fahrgäste soll aber noch steigen.

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© SZ Thomas Eichler

Von David Berndt

Genauso wie Eckhard Nothnick in Herrnhut ankommt, wird er die Stadt auch wieder verlassen – allein. Der Busfahrer bedient die Strecke zwischen Herrnhut und Görlitz. Doch auf der Linie 147 bleiben am jenem Mittwochmittag die Plätze leer, zumindest an der Haltestelle Bahnhof Herrnhut. „Das liegt vor allem an den Ferien. Sonst fahren hier Schüler mit und einige Leute zur Arbeit. Manchmal bis zu 15 auf ein Mal“, sagt Nothnick. Doch frei Plätze gibt es immer.

Mit den durchschnittlichen Fahrgastzahlen auf der 147 ist Andrea Radtke, Geschäftsführerin bei Regio Bus, trotzdem ganz zufrieden. Seit dem 1. Januar 2013 betreibt das Bautzener Unternehmen die Buslinie. Und nach der einjährigen Testphase wird die auch unverändert weitergeführt. „Neben den 14 Schülertickets verkaufen wir hier auch viele Einzelfahrten und 4er-Karten. Das hätte ich so nicht erwartet. Es ist sogar eine Fahrradmonatskarte dabei.“

Etwa 1 400 Fahrgäste steigen pro Monat in den Bus, der zwischen Herrnhut und Görlitz pendelt. Trotz des guten Verlaufs sollten die Zahlen aber noch weiter steigen. So sieht es Angelika Voigt. Die Leiterin des Straßenverkehrsamtes des Landkreises Görlitz war für die Ausschreibung der Linie verantwortlich und wünscht sich mehr Fahrgäste. „Wir überlegen, wie wir das noch besser machen können. Vielleicht werden wir bei den Haltestellen noch etwas verändern, um mehr Fahrgäste anzulocken.“ Über konkrete Maßnahmen will die Amtsleiterin jetzt noch nicht sprechen.

Zufrieden ist aber auch sie erst mal, jedenfalls für den Moment. „Ich habe ja selber gestaunt. Nach einem sehr verhaltenen Start haben sich die Zahlen der Fahrgäste dann recht schnell verdreifacht.“ Und sie steigen laut der Amtsleiterin weiter. Das sorgt wiederum dafür, dass die Linie so schnell nicht wieder verschwindet. Aber das wäre auch gar nicht so einfach, sagt Angelika Voigt. „Im Nahverkehrsplan wurde ja die bessere Anbindung Herrnhuts an Görlitz ausgewiesen. Deshalb haben wir die Strecke ja ausgeschrieben und freuen uns, dass die Menschen seitdem nicht mehr umsteigen müssen, wenn sie nach Görlitz wollen.“

Natürlich kann die Linie auch wieder eingestellt werden, aber dazu müsste sie praktisch überhaupt nicht funktionieren. Das sei zum Glück nicht der Fall. „Wie der gesamte Verkehrsvertrag ist die Linie für zehn Jahre ausgeschrieben. Wir gehen momentan davon aus, dass die auch erfüllt werden.“

Viermal täglich von Montag bis Freitag fährt der Bus von Herrnhut über Bernstadt und Schönau-Berzdorf und wieder zurück. Zwischen den beiden Endhaltestellen, den jeweiligen Bahnhöfen, hält der Bus 16 Mal. Laut Fahrplan benötigt er für die rund 30 Kilometer 44 Minuten. Michael Cleve, Vertreter für den Bahnkundenverband und Herrnhuter Verkehrsexperte, findet das sehr gut. „Für regionalen Busverkehr ist das sehr schnell. Und man kommt ohne Umsteigen nach Görlitz.“

Cleve hatte die einjährige Testphase anfangs kritisiert. „Normalerweise dauert es etwa zwei Jahre, bis eine gewisse Menge an Leuten solche Umstellungen richtig wahrnimmt. Das passiert meist über Mundpropaganda und weniger über Fahrplanaushänge.“ Deswegen ist auch er positiv überrascht und freut sich über die Entwicklung. Allerdings sieht Cleve auch noch Entwicklungspotenzial. „An den Wochenenden fährt er leider nicht, da muss man sich kümmern. Außerdem wird zu wenig dafür geworben. Manche Leute wissen gar nicht, dass es den Bus gibt. Aber im Großen und Ganzen ist die Linie eine Verbesserung.“

Zu verbessern wäre etwa, dass die Linie 147 am Bahnhof Herrnhut zwar im Fahrplanaushang, aber nicht am Haltestellenschild auftaucht, wie jeder Fahrgast vor Ort feststellen kann. Andrea Radtke von Regio Bus will das nun ändern. „Wir machen das bei unseren Haltestellen prinzipiell nicht. Laut Vorschrift müssen wir nur den Fahrplan aushängen. Aber ich werde mich darum kümmern.“Auf ein Wort