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Kamenz: Streit um freie Schule

Ein Verein will eine Alternativschule eröffnen. Er hat die Vorbereitungen bereits weit vorangetrieben - doch in einem Punkt bisher keine Einigkeit mit der Stadt erzielt.

Ein Verein will im Schloss im Kamenzer Ortsteil Brauna eine freie Grundschule etablieren. Doch die Stadt hat andere Vorstellungen für das Areal.
Ein Verein will im Schloss im Kamenzer Ortsteil Brauna eine freie Grundschule etablieren. Doch die Stadt hat andere Vorstellungen für das Areal. © Matthias Schumann

Kamenz. Derzeit knirscht es mächtig zwischen der Stadt Kamenz und dem Verein Freie Alternativschule (FAS). Der plant seit vorigem Oktober, in der Stadt eine freie Schule zu etablieren. Das ist nicht das Problem. Es ist eher der favorisierte Standort im Schloss Brauna. Die Vorbereitungen sind weit fortgeschritten, so Schulvorstand Frank Jank. Ein Bauantrag zur Umnutzung des Schlosses sei schon auf dem Weg - aber der Schulstart gefährdet.

Der Verein ging deshalb jetzt an die Öffentlichkeit und wandte sich mit einer Petition an den Landrat mit der dringenden Bitte um Unterstützung. Das Rathaus und Teile des Kamenzer Stadtrates würden das Vorhaben torpedieren. Eine knappe Mehrheitsentscheidung des Stadtrates könnte das generelle Aus für die geplante Schule bedeuten, so Jank. Der Verein wirft der Verwaltung vor, das Baurecht missbräuchlich anzuwenden, um die Schule zu verhindern. Er wisse aber ein breites Unterstützer-Bündnis  hinter sich.

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OB weist Vorwürfe zurück

Die Stadt Kamenz weist die Vorwürfe zurück. Eine freie Schule wäre eine Bereicherung,  so Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Geeignete Standorte sehe er jedoch eher in der Kernstadt. Er sei jederzeit bereit, über Gebäude zu sprechen.

Nach der Eingemeindung von Brauna im Vorjahr habe sich die Stadt bereits im Herbst mit dem Gesamt-Areal „Historischer Ortskern“ planerisch befasst. Dazu gehören noch weit mehr Anlagen wie Stallungen und ein Herrenhaus. Allerdings derzeit herrenlos. Im Januar habe der Verein die Stadt mit Tatsachen überrascht. Es wäre besser gewesen, zuvor das Gespräch zu suchen, so Dantz.

Der Knackpunkt ist wohl: In dem 300-Einwohner-Dorf gibt es bereits eine kommunale Grundschule. So lässt die Stadt kaum Zweifel daran, dass sie neben dieser für eine weitere kaum eine Möglichkeit sieht. Sie orientiert auf einen Wohnstandort.

Im Bauleitverfahren für den Ortskern von Brauna gehöre es jetzt dazu, mit allen Beteiligten zu sprechen, Interessen abzuwägen. Das werde die Stadt tun. Dabei sei zu klären, ob eine zweite Schule im Ort sinnvoll sei. Auch mit dem Schlosseigentümer seien Gespräche vorgesehen. Das ist die Louisenstift gGmbH aus Königsbrück. Die wolle das Schloss perspektivisch nicht mehr nutzen.

Geschäftsführerin Karina Wendlandt wäre  „froh, wenn das Schloss belebt wird“ und das Schulprojekt einzieht. Die Situation, eine neue Nutzung zu finden, verstehe er gut, so Dantz. Man könne gemeinsam nach Lösungen suchen.

Kreis soll Bauantrag auf Eis legen

Die Stadt wolle nichts übers Knie brechen. Weil das so sei, habe der Stadtrat das Vorhaben im Schloss nicht abgelehnt, sondern den Landkreis gebeten, den Bauantrag des Vereins bis zu zwölf Monate zurückzustellen.

Der Verein bezweifelt seinerseits den guten Willen der Stadt. In allen Diskussionen sei es nur um die Frage gegangen, ob Kamenz überhaupt eine freie Schule benötige. Der Verein habe von der Stadt keine angemessene Unterstützung erhalten, zum Beispiel bei der Suche nach geeigneten Objekten.

Die Stadt hält dagegen: Im Herbst 2019 habe der Stadtentwicklungsausschuss seine Unterstützung signalisiert. Auch seien Standort-Ideen offeriert worden. So könnte das Gebäude der Kamenzer Bildungsgesellschaft geeignet sein, freilich sei das mit dem Landkreis als Hausherrn zu besprechen.

Die Schulinitiative fürchtet nun, eine Verschiebung des Schulstarts könnte das Ende des Projekts bedeuten. Der Ball liegt nun bei der Kreisbehörde. Einerseits wegen der Petition, andererseits durch den Vorstoß der Stadt, den Bauantrag ruhen zu lassen. Der Kreis wolle nun den Sachverhalt prüfen, heißt es.  

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