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Freie Schule zieht in die alte AOK

Die Pläne fürs Areal an der Jakob-Böhme-Straße stehen. Anderswo wird gerätselt: Wie weiter mit dem Kahlbaumgelände?

Ministerpräsident Michael Kretschmer überreicht Mittwoch einen symbolischen Schlüssel an Cornelia Maiwald-Immer, Vorsitzende des Evangelischen Schulvereins Niesky/Görlitz. Architekt Michael Noack hat die Sanierungspläne dabei.
Ministerpräsident Michael Kretschmer überreicht Mittwoch einen symbolischen Schlüssel an Cornelia Maiwald-Immer, Vorsitzende des Evangelischen Schulvereins Niesky/Görlitz. Architekt Michael Noack hat die Sanierungspläne dabei. ©  Nikolai Schmidt

Es wird sportlich. Davon ist Cornelia-Mailwald-Immer überzeugt. „Sportlich“ sei der Zeitplan für die Planung, für die Finanzierung, für den Bau. Und sportlich nimmt die Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Schulvereins Niesky/Görlitz die Stufen in die zweite Etage des Hauses an der Jakob-Böhme-Straße 1.

Hier, wo einst AOK und Polizei ihren Sitz hatte, hängen sie, die Pläne für die Sanierung des Gebäudes. „Wir hoffen auf einen Baustart im Mai kommenden Jahres“, sagt Cornelia Maiwald-Immer. Wenn die sportlich angelegten Pläne aufgehen, soll ab Herbst 2021 bereits am neuen Ort unterrichtet werden. Es ist Platz für 150 Schüler der Klassen fünf bis zehn. Über sechs Millionen Euro kostet das Vorhaben wohl. Die Volksbank-Raiffeisenbank Niederschlesien ist mit der Finanzierung betraut, Fördermittel kommen von der Sächsischen Aufbaubank. Bisher unterrichtet die Evangelische Oberschule im Gewerbecenter am Klinikum.

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Am Mittwochvormittag schaut erst einmal Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vorbei. Er bringt den berühmten symbolischen Schlüssel mit, übergibt ihn der Vorstandschefin. Michael Kretschmer bescheinigt ein „sehr ausgewogenes pädagogisches Konzept“. Dabei hatten schon andere Interessenten ein Auge auf des Haus und das Gelände geworfen und bei ihm vorgesprochen, etwa die Staatsanwaltschaft. Die ist in Görlitz in unterschiedlichen Häusern untergebracht, wünscht sich ein zentrales Gebäude. „Aber die Schule hatte dann doch Priorität“, sagt Michael Kretschmer. Mit der Sanierung ist das Görlitzer Ingenieurbüro Noack & Noack betraut. Das hat Erfahrungen mit Schulen und Sporthallen in der Stadt. Insgesamt, sagt Michael Noack, wird das Haus, das einst der königlich-preußischen Bank als Sitz diente, einmal vier Etagen umfassen. Denn das Untergeschoss werde komplett ausgebaut. Geplant ist zudem unter anderem ein acht mal acht Meter großer Neubau für Treppen und Aufzug, ein „grünes Klassenzimmer“ auf dem Dach. Das Außengelände wird zum Schulhof umgestaltet. Wo welcher Baum stehenbleiben muss, was neu gepflanzt werden darf, steht fest.

Blick von der Querstraße auf ein Görlitzer Sorgenkind, das Kahlbaumgelände. Hier könnte die Hochschule einen neuen Campus bauen. Noch gibt es dazu aber keine Pläne.
Blick von der Querstraße auf ein Görlitzer Sorgenkind, das Kahlbaumgelände. Hier könnte die Hochschule einen neuen Campus bauen. Noch gibt es dazu aber keine Pläne. ©  Nikolai Schmidt

Es ist also eine Lösung für das Areal an der Jakob-Böhme Straße gefunden. Andere Immobilien harren derer noch, zum Beispiel das Kahlbaumgelände. Julia Kubis hat es sich erst vergangene Woche wieder angeschaut. Die Hamburger Immobilienmaklerin hatte das Gelände ersteigert. Was damit passieren soll, dazu möchte sie sich derzeit nicht im Detail äußern. „Wir sind gedanklich in unterschiedlichen Prüfungen“, sagt sie der SZ. Das heißt: Es gibt mehrere Ideen. Eine davon könnte ja Hochschule heißen. Denn die sucht ein Grundstück für den geplanten Gesundheits-Informatik-Campus. Gegenüber der SZ wollte sich Rektor Friedrich Albrecht jüngst nicht zu einem konkreten Wunschstandort festlegen. Die Görlitzer Grünen haben das Kahlbaumgelände allerdings im Programm. Ein Rückkauf sei zu prüfen, heißt es dort. Die Stadt solle eine eigene Entwicklung anstreben, das Gelände im Gespräch mit der Hochschule entwickeln. Joachim Schulze vom Vorstand des Stadtverbandes könnte sich einen Gesundheits-Informatik-Campus auf dem Gelände gut vorstellen. „Es wäre zumindest in der Nähe zum jetzigen Campus“, sagt er. Der Freistaat müsste das Areal kaufen, die Stadt könnte unterstützen. „Es war keine gute Idee, das Gelände überhaupt zu verkaufen“, so Joachim Schulze.

„Grundsätzlich möchte die Stadt natürlich, dass die Hochschule Zittau/Görlitz weiter wächst“, so Rathaus-Sprecherin Annegret Oberndorfer. Wie sich die Hochschule entwickele, liege jedoch in der Zuständigkeit des Freistaates und werde in Dresden entschieden. „Die Stadt hat großes Interesse daran, dass eine bauliche und funktionale Aufwertung des Kahlbaum-Geländes erfolgt und steht mit den Eigentümern im Kontakt“, teilt sie mit. Es gehe dabei zum jetzigen Zeitpunkt vor allem um den Stand der durch den vorherigen Eigentümer begonnenen und teilweise noch nicht vollständig abgeschlossenen Genehmigungsverfahren. Annegret Oberndorfer: „Weitere Pläne der Eigentümer sind der Stadt derzeit nicht bekannt.“

Zumindest der Evangelische Schulverein hat da konkrete Pläne in der Schublade. „Es wird nicht einfach, Baufirmen zu bekommen“, mutmaßt Architekt Michael Noack. Dennoch ist er optimistisch. Auch wenn der Umzug bis zum Herbst 2021 tatsächlich „sportlich“ wird. (mit SZ/sb)

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