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Freie Schulen hoffen auf mehr Geld

Privatschulen sollen staatlichen gleichgestellt werden. Doch Jubelrufe gibt es bisher nicht.

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Von Jenny Thümmler

Es gibt neue Hoffnung für Privatschulen. In Sachsen läuft derzeit ein Vorstoß, die freien Schulen endlich den staatlichen gleichzustellen. Eine Diskussion, die in den vergangenen Jahren immer wieder aufkam, die bisherigen Kultusminister und Landtage aber zu keinen Zugeständnissen trieb. Im Gegenteil. Sachkostenzuschüsse für Privatschulen wurden auf dem Stand von 2007 eingefroren, Schulgeldzuschüsse für sozial Schwache gestrichen. Zudem wurde die Wartefrist für neu gegründete freie Schulen – eine Art Probezeit, bis die Schulen offiziell anerkannt und unterstützt werden – auf vier Jahre erhöht.

Das wollen die Träger privater Schulen nicht länger hinnehmen – und überzeugten Oppositionspolitiker von einer Klage. Tatsächlich hat der Verfassungsgerichtshof im November des vergangenen Jahres Teile des geltenden Gesetzes als verfassungswidrig erklärt und Änderungen gefordert. Seither legt sich Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) ins Zeug, um eine Neuregelung schnell auf den Weg zu bringen. Zur großen Begeisterung der freien Schulen in Görlitz?

Regenbogenschule: Möbel und Bücher sollen erneuert werden

An der Regenbogenschule der DPFA in Weinhübel ist die Freude über Sachsens Pläne verhalten. „Das kommt 15 Jahre zu spät“, sagt Schulleiterin Kathrin Fiedler. Somit hätte auch ihr Kollegium das Ganze mit gedämpfter Freude aufgenommen.

Pläne für das künftige Geld gibt es indes schon: Stühle, Tische, Schränke fürs Haus und mehr Spielgeräte für das Außengelände. „Die Schule gibt es nun schon seit einigen Jahren. Da müssen ein paar Dinge erneuert werden“, sagt die Schulleiterin. Finanziell sei man vom Land ja bislang recht kurz gehalten worden.

Genauso in Sachen Lehrkräfte. Von 7 bis 16 Uhr arbeiten alle normalerweise an der Regenbogenschule für die derzeit 72 Schüler. Das sei mit manchen Kollegen an staatlichen Schulen nicht zu vergleichen. „Da ist es für uns manchmal schon schwierig, geeignete Lehrer zu finden.“ Wenn man hier durch mehr Finanzen nachbessern könnte, sei das ideal.

Dietrich-Heise-Schule: Außengelände und Unterrichtsmaterial brauchen Geld

Ähnlich sehen die Ziele an der evangelischen Dietrich-Heise-Schule in der Innenstadt aus. Auch deren Schulleiterin Cornelia Weckwerth will für die 75 Grundschüler Unterrichtsmaterialien und Lernspiele anschaffen. „Dinge, die sonst aus finanziellen Gründen hinten herunterfallen.“ Auch technisch sollen die Unterrichtsräume aufgerüstet werden.

Zudem könne das Musical, das die Schüler seit einigen Jahren jährlich aufführen, besser ausgestattet werden – gerade zum zehnjährigen Jubiläum, das die Schule in diesem Herbst feiert.

Neißegrundschule: Erst einmal abwarten, was wirklich kommt

Kerstin Wilke, Leiterin der Neißegrundschule des Tüv in der Innenstadt, wartet erst einmal ab. „Wir freuen uns über die laufende Diskussion, planen jetzt aber nicht mit Geld, das wir noch gar nicht haben.“ Sie ist vorerst gespannt, wie die von Kultusministerin Brunhilde Kurth angekündigte Übergangslösung aussehen wird, die bis zum neuen Gesetz im August 2015 gelten soll.

Bis dahin wollen sie und ihr Team für die 70 Kinder weitermachen wie bisher: Die Ressourcen nutzen, die da sind und sich mit etwaigen Engpässen arrangieren. „Wichtiger ist uns, dass jetzt in Ruhe überlegt wird, wie die geplante Gleichstellung freier und staatlicher Schulen aussehen soll“, so Wilke. Da müsse eine Grundsatzentscheidung her. „Wir alle als freie Schulen bereichern die Schullandschaft Sachsens.“ Das solle endlich anerkannt werden.

Waldorfschule: Ein Jahr weniger im Probebetrieb wäre sehr erfreulich

Etwas anders ist die Situation in der Waldorfschule „Jacob Böhme“ in Zodel. Da sie erst zum Schuljahr 2011/12 ihren Betrieb aufnahm, befindet sie sich noch in der Probezeit, arbeitet also ohne staatliche Zuschüsse. „Wir sind völlig frei finanziert“, sagt Anja Fiedler vom Vorstand des Trägervereins, „bestreiten also alle Kosten aus Schulgeld, Spenden und einem Vorausdarlehen.“ Da das entsprechend schwierig sei, wäre beim Trägerverein die Freude riesig, wenn die Wartefrist für freie Schulen wieder auf die früher geltenden drei Jahre verkürzt würde – und zwar schon in der geplanten Übergangszeit. Dann käme die Waldorfschule mit ihren derzeit 39 Schülern schon im kommenden Schuljahr in den Genuss staatlicher Zuschüsse und nicht erst 2015/16. „Das wäre für uns eine riesige finanzielle Erleichterung“, so Anja Fiedler.