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Freie Schulwahl? War einmal

Claudia Schade über die Neuverteilung von Schulplätzen

Schwer verständlich war die Schulpolitik in Dresden schon häufig. Schulen mussten schließen, obwohl der Bedarf wieder wuchs. Marode Gebäude blieben trotz Sicherheitsgefahren ohne Sanierung. Und die Erkenntnis, dass die Schülerzahlen wieder wachsen, brauchte eine Weile, bis sie sich in Plänen für neue Schulen niederschlug. Doch jetzt macht die Stadt ihre Arbeit. 105 Millionen Euro sollen dieses Jahr in den Ausbau fließen. Im Herbst eröffnen zwei neue Schulen.

Unverständlich, dass jetzt ausgerechnet der Freistaat das wieder wachsende Vertrauen in die Bildungspolitik dermaßen erschüttert. Mit einem Federstrich sind Schulleiter vor den Kopf gestoßen, deren Vorarbeit zunichte gemacht und Eltern verunsichert worden.

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Betroffen sind alle Familien mit schulpflichtigen Kindern. Das Recht auf freie Schulwahl besteht nur noch auf dem Papier. Besuche zu Tagen der offenen Tür und Gespräche mit Lehrern können sich die Eltern künftig sparen. Geht es nach dem Finanzminister, werden Kinder einfach dorthin geschoben, wo gerade ein Platz frei ist. Pädagogische Konzepte, Wohnortnähe oder Schulprofile sind unwichtig. Das betrifft nicht nur die Fünftklässler. Auch andere Klassenstufen werden aufgeteilt und neu zusammengelegt. Wer sitzen bleibt, muss schon jetzt in vielen Fällen die Schule wechseln, da die Klassen an der eigenen Schule bis zum Anschlag voll sind. Zuzügler darf man in so einem Fall schon gar nicht sein.

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