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Freies W-Lan noch in den Startlöchern

Viele Kommunen halten sich mit kostenlosen Internetzugängen zurück, obwohl es gefördert wird. Das sind die Vorreiter.

Von Peter Redlich & Jörg Richter & Peggy Zill & Thomas Riemer
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Der Großenhainer Oberbürgermeister Sven Mißbach und Angelika Pietzsch von der Händlerinitiative „Großenhain aktiv“ drücken am 12. April auf den roten Knopf, mit dem der Hotspot am Rathaus gestartet wurde.
Der Großenhainer Oberbürgermeister Sven Mißbach und Angelika Pietzsch von der Händlerinitiative „Großenhain aktiv“ drücken am 12. April auf den roten Knopf, mit dem der Hotspot am Rathaus gestartet wurde. © Archivfoto: Kristin Richter

Region. In Nünchritz hat jetzt die SPD-Fraktion einen Vorstoß gewagt. Sie möchte, dass sich die Gemeinde für kostenloses W-Lan stark macht und eigene sogenannte Hotspots einrichtet. Die Sozialdemokraten schlagen dafür drei besondere Orte vor: das Haus des Gastes in Diesbar-Seußlitz sowie das Dorfgemeinschaftshaus und den Ubstadt-Weiher-Platz in Nünchritz. Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) hat prinzipiell nichts dagegen. Doch er fragt, wer soll es bezahlen, und wo macht kostenloses W-Lan überhaupt Sinn. „Denn so viele Möglichkeiten haben wir nicht“, sagt der Verwaltungschef. Der Gemeinderat soll sich frühestens in Februar mit diesem Thema beschäftigen.

Die Nünchritzer dürften damit eine der ersten Kommunen im Landkreis Meißen sein, die sich mit dem Angebot für kostenlose Internetzugänge beschäftigen. Aber sie sind nicht die Vorreiter. Drei Städte des Landkreises sind da um einiges weiter.

Großenhain

Allen voran ist Großenhain. Auf dem hiesigen Hauptmarkt wurde bereits am 12. April dieses Jahres der Startschuss für freies W-Lan gegeben. Wer sich unter dem Namen „OpenSpotGRH.net“ anmeldet, kann seitdem auf dem Marktplatz vorm Rathaus kostenfrei im Internet surfen.

„Es soll auf dem gesamten Hauptmarkt nutzbar sein“, sagte Oberbürgermeister Sven Mißbach, als er gemeinsam mit Angelika Pietzsch von Händlerinitiative „Großenhain aktiv“ symbolisch den roten Knopf drückte. Zeitliche Einschränkungen, wie man sie zum Beispiel von privaten Anbietern kennt, gibt es nicht. Zum Beispiel ist bei Mc Donalds in Riesa, Thiendorf und Meißen das kostenlose Surfen nur eine Stunde möglich. Auf dem Großenhainer Hauptmarkt dagegen rund um die Uhr.

Zu Beginn der Badesaison legte die Stadtverwaltung Großenhain nach. Denn auch im neu gebauten Naturerlebnisbad gab ein halbes Jahr freies W-Lan. Insgesamt hat Großenhain rund 1 500 Euro für die Anschaffung der beiden Hotspots ausgegeben.

Riesa

In der Stahlwerkerstadt wird freies W-Lan bisher nur von privaten Unternehmen angeboten und in Verbindung mit Konsum. Viele Hotspots befinden sich daher auch auf der Hauptstraße, also der Einkaufsmeile in der Riesaer Innenstadt.

In der Elbegalerie bieten Mediamarkt, Kaufland und die Bäckerei Steinecke den Internet-Service an. „Man sieht es ja ganz deutlich, wer das freie W-Lan nutzt“, sagt Centermanager Andree Schittko. Es seien hauptsächlich Jugendliche. Dass sich jemand dadurch belästigt fühlen könnte, findet er nicht. „Nein, es ist alles im grünen Bereich“, so Schittko.

Trotz der insgesamt positiven Erfahrungen gibt es z. B. in Nünchritz Bedenken, dass durch freies W-Lan ein „gewisses Klientel“ angezogen würde.

Außerhalb der Riesaer Innenstadt finden sich weitere kostenlose Hotspots, z.B. im Real, bei Burger King, Subway und in der Sachsenarena.

Coswig

Die Stadt Coswig nutzt die Möglichkeit, mithilfe von EU-Fördermittel einen eigenes kostenloses W-Lan-Netz aufzubauen. Vor anderthalb Jahren hat sich die Verwaltung dafür beworben. In diesem Jahr erhielt sie einen Gutschein über 15.000 Euro. Für wie viele Hotspots das reicht, ist unklar. Eine Ausschreibung der Leistung ist nicht notwendig. Dafür ist die Stadt an bestimmte Installationsfirmen gebunden. Auch in Coswig haben sich die Ratsherren noch keine abschließende Meinung gebildet, an welchen Orten Hotspots installiert werden sollen.

Radebeul

Auch Radebeul will ein offenes Netz errichten und hat sich bereits um Fördermittel gekümmert. Planer hatten errechnet, dass für die neun Standorte insgesamt 165.000 Euro notwendig sind. Im April gab es die Zusage, dass 80 Prozent der Kosten bezuschusst werden.

Die Lößnitzstadt will mit dem kostenlosen Internet vor allem ihr touristisches Zentrum Altkötzschenbroda aufwerten. Das Netz soll hier so angelegt werden, dass sich bis zu 2.000 Nutzer zugleich einloggen können.

Sachsen

Die Fördermittel für freies W-Lan sind Teil der Digitalen Offensive Sachsen, die alle sächsischen Kommunen, Verwaltungsgemeinschaften, Landkreise und Zweckverbände beantragen können. Die Landesdirektion Sachsen gibt dafür pro Projekt bis zu 1,5 Millionen Euro bzw. mindestens 5.000 Euro aus. Der Eigenanteil beträgt 20 Prozent.