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Freifahrschein für Urlauber

Mit einer Gästekarte können Touristen Bus und Bahn kostenlos nutzen. Ihre Einführung ist aber schwieriger als gedacht.

Von Ines Mallek-Klein

Vier von fünf Urlaubern, die die Sächsische Schweiz besuchen, kommen mit dem Auto. Das wird auch so bleiben. Allerdings sollen die Gäste ihren Pkw künftig auf dem Hotelparkplatz stehenlassen und die öffentlichen Verkehrsmittel für ihre Ausflüge nutzen, so die Vision von Tino Richter. Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz plant die Einführung einer Gästekarte.Der Vorstand des Verbands hat dazu jetzt beraten.

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Die Gästekarte soll den Urlaubern die kostenfreie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel während ihres Aufenthalts erlauben. Die Idee ist nicht neu, ihre Umsetzung aber weit komplizierter als gedacht.

Frühestens 2015 ist eine Einführung denkbar, sagt Tino Richter. Vorher ist vieles zu klären, vor allem die Finanzierung. Richter lässt sich zu keiner Prognose hinreißen. Ein Blick in den Schwarzwald gibt indes einen groben Anhaltspunkt. Dort gibt es seit 2005 die „kostenfreie Nutzung des ÖPNV für Schwarzwaldurlauber“, auch Konus genannt. Zweieinhalb Jahre habe man für die Einführung benötigt, sagt Karen Hannemann von der zuständigen Schwarzwald Tourismus GmbH. Organisiert wird das System über die Kommunen.

Genauso möchte man es auch in der Sächsischen Schweiz handhaben, sagt Tino Richter. Das erhöht zwar den Organisationsaufwand beträchtlich, macht den Erfolg des Projektes aber nicht von der teilnehmenden Zahl der Hotels anhängig.

Die haben seit 2008 hierzulande die Möglichkeit, Hoteltickets für ihre Gäste anzubieten. Nur die wenigsten Herbergen rund um Pirna tun das bis heute. Insofern sieht Tino Richter in der neuen Gästekarte keine echte Konkurrenz. Fest steht bislang nur, dass das kostenlose Mobilitätsangebot für Urlauber aus einer Umlage für jeden Übernachtsgast finanziert werden soll. Im Schwarzwald stellt man den Kommunen für jeden Übernachtungsgast 36 Cent zuzüglich sieben Prozent Mehrwertsteuer in Rechnung. 33 Cent davon werden an die insgesamt neun beteiligten Verkehrsverbünde weitergereicht. Die Betreibung und Bewerbung des Konus-Systems finanziert der Schwarzwälder Tourismusverband aus einer Umlage von einem Cent je Übernachtung. Bei 10,8 Millionen Schlafgästen kamen so im vorigen Jahr stattliche 108 000 Euro zusammen. Zur Umlagenhöhe in der Sächsischen Schweiz möchte Tino Richter in dem jetzigen, sehr frühen Planungsstadium keine Angaben machen.

Karen Hannemann versichert, dass seit Einführung des Konus-Systems die Gästezahl deutlich gesteigen ist. Das erhoffen sich auch die hiesigen Tourismusmacher von der Gästekarte. Offen lassen sie indes, ob das aktuelle Linienangebot von Bussen und Bahnen mit den Wünschen der Touristen überhaupt zusammenpasst. „Das muss im Detail mit den Verantwortlichen diskutiert werden“, so Tino Richter. Die Gästekarte soll künftig jeder Urlauber bei Anreise erhalten. Sie enthält den Namen des Gastes, sein An- und Abreisedatum und die Anzahl der mitreisenden Personen. Im Schwarzwald werden die Nummer des Meldescheins und der Stempel des Gastgebers ergänzt. Neue Technik brauchten die Hoteliers dort nicht anzuschaffen. Es reichen ein Computer und ein Drucker.

In Pirna wird jetzt auch darüber diskutiert, ob die Karte ebenso im Verkehrsraum von Dresden und Meißen gelten soll. Das sei, so Tino Richter, Verhandlungssache mit den Verkehrsträgern.