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Freifunk für alle

An öffentlichen Plätzen kostenlos ins Internet gehen, das wünschen sich viele. In Radeberg startet dazu eine Initiative.

Von Sylvia Gebauer

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Sie sind technikbegeistert, sozial eingestellt. Und wollen ungenutzte Kapazitäten ihrer Internetverbindung teilen. Klingt nach Gutmenschen und auf den ersten Blick nicht gerade seriös. Doch den Freifunkern, um Initiator Stephan Enderlein, geht es um mehr. Sie wollen dafür sorgen, dass auch im Rödertal an allen öffentlichen Plätzen der Zugriff aufs Internet möglich ist. Wo mitunter Funkmasten scheitern, könnte das Freifunknetz die Lösung sein. Von Radeberg aus wollen sie Knoten knüpfen.

Schnell noch E-Mails abrufen. Antworten. Schauen, wo die Straße oder das nächste Eiscafé liegt. Nicht am heimischen Computer, sondern mit dem Handy. In puncto schnelles Internet hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Der Landkreis Bautzen hat in den Breitbandnetz-Ausbau kräftig investiert. 14 Millionen Euro, knapp 12,5 Millionen Euro kamen aus dem EU-Fördertopf für die ländliche Entwicklung. Von Arnsdorf bis Wachau sind die Bürger jetzt schneller im Internet unterwegs. Was für zu Hause gilt, soll auch draußen möglich sein. Doch beim mobilen Surfen im World Wide Web gibt es zahlreiche weiße Flecken. Kein Netz, fehlende Datenverbindung wird angezeigt. Von der Pillnitzer Straße 2 in Radeberg soll sich das jetzt ändern.

Hier befindet sich das Café Panjabi. Wer vorm Gebäude oder drin sitzt, das W-Lan seines Smartphones einschaltet, stößt auf die Freifunkverbindung. Kostenlos ist surfen möglich. „Bereits auf der anderen Straßenseite endet das, denn einen weiteren Knoten gibt es hier noch nicht“, sagt Stephan Enderlein, Initiator des Projektes. Bisher ist er dran, das Freifunknetz in Dresden auszubauen. Über die Internetgemeinde – irgendwie logisch – Freifunk Dresden kam er in Kontakt mit technikbegeisterten Radebergern. Deshalb schwappte die Freifunkwelle in die Bierstadt. „Freifunk hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen möglichst flächendeckend mit freiem W-Lan zu versorgen. Freier Zugang zu Informationen ist nicht nur eine Quelle für Wissen, sondern kann sich auch positiv auf die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung einer Stadt, Region und Land auswirken, da das Internet in der heutigen Zeit sicher ein fester Bestandteil des täglichen Lebens geworden ist“, heißt es dazu. Wie ein Fischernetz soll sich der Freifunk quasi übers Rödertal legen. Dazu werden eben die sogenannten Knoten benötigt. „Das Radeberger Café soll erst der Anfang sein, wir planen ein großes Freifunknetz, doch dazu braucht es Freiwillige, die mitmachen“, sagt Stephan Enderlein. Einer von ihnen ist Mirko Thomaschek. Ihn überzeugt die Idee, so rüstete er zu Hause um. „Ich besorgte mir einen freifunkfähigen Router, dieser sendet das Signal nach außen, so ist ein weiterer Knoten geschaffen“, sagt er. Wird jetzt in der Nähe ein weiterer Router aufgestellt, verbinden sich die beiden. So würde die Lücke geschlossen werden. Initiator Stephan Enderlein erklärt das vom Café Panjabi aus. „Wird auf der anderen Straßenseite solch ein Router im Haus aufgestellt, ist die Verbindung da. Kommt in 50 Metern ein zweiter und dann so weiter dazu, wird so die Schillerstraße vernetzt. In anderer Richtung kann so der Radeberger Bahnhof erschlossen werden“, sagt der Initiator der Bewegung. Skeptisch sind viele trotzdem.

Vor allem in Zeiten von Ausspähen heimischer Computer. Das ist bei Freifunk aber ausgeschlossen. Zwar bietet Freifunk die Möglichkeit, Internet per W-Lan frei zu nutzen – ohne Zugangssperren aber sicher. Grund: Die Internetverbindung wird via verschlüsselten Internettunnel (VPN) ins Ausland geroutet. Heißt, von Radeberg aus wähle ich mich ins Netz ein, werde beispielsweise über einen Server in den Niederlanden geschickt und von dort geht es zurück ins Internet. Klingt umständlich, doch das Ganze hat einen triftigen Grund.

Die sogenannte Störerhaftung wird ausgehebelt. Heißt, ermögliche ich jemanden sich über mein W-Lan ins Internet einzuwählen, bin ich dran, wenn er etwas Illegales tut. Beispielsweise illegal Musik oder Filme aus dem Netz herunterlädt. Dadurch, dass er sich übers Ausland einwählt, ist der Anbieter des W-Lan nicht in dem Fall haftbar. Er kann nicht identifiziert werden. „Der gesamte Datenverkehr läuft in strickt getrennten Adressbereichen. So sind sensible Daten vor Zugriff Fremder geschützt“, betonen die Freifunker. Zu illegalen Handlungen wollen sie aber nicht aufrufen. Sie glauben an die gute Sache. „Schließlich lädt sich ja nicht jeder illegale Dinge aus dem Netz runter “, sagt Stephan Enderlein. Vielmehr wollen sie helfen, dass überall die Rödertaler ins Internet können.

Weitere Informationen über den Freifunk und welche Route geeignet sind im www.freifunk-dresden.de

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