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Freimaurer kehren nach Bautzen zurück

Heute wird die Loge „Zur Goldenen Mauer“ nach fast 80Jahren neu gegründet.Dabei spielen auch geraubte Bücher eine Rolle.

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Von Christoph Scharf

Mozart und die Freimaurerei – so heißt eines der Bücher, die von den Nationalsozialisten geraubt wurden. Mit einem simplen Bleistift-Strich wurde nach 1933 der Besitzerstempel im Buch ungültig gemacht. „Loge z. goldenen Mauer Bautzen.“ – die gab es wenige Monate nach der Hitlers Machtergreifung nicht mehr. Ihre umfangreiche Bibliothek wurde von den Behörden quer über das deutsche Reich verstreut.

Ein kleiner Teil davon, insgesamt 26Bücher, tauchten in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster wieder auf. Dort forscht seit sechs Jahren eine Bibliothekarin, was für Raubgut in den Beständen des Hauses schlummert. Die Bücher der Bautzener Freimaurer sind nun die ersten, die an die Nachfahren der einstigen Besitzer zurück übereignet werden konnten.

Die Übergabe vor wenigen Tagen in Münster an Freimaurer-Großmeister Axel Pohlmann hätte zu keinem besseren Zeitpunkt erfolgen können: Denn am heutigen Sonnabend wird die Bautzener Loge „Zur Goldenen Mauer“ feierlich neu gegründet. Mit dem Akt der sogenannten Lichteinbringung schließen die Freimaurer an eine Tradition an, die vor 210Jahren in Bautzen begann – und 1933 abrupt endete. „Diese Tradition wollen wir in Bautzen fortsetzen“, sagt Steffen Reitzig. Der 57-Jährige, der zu den rund 20Brüdern der Bautzener Loge gehört, ist wie mehrere andere in Görlitz zur Freimaurerei gekommen: Die dortige Loge „Zur Gekrönten Schlange“ wurde bereits in den 90er Jahren wiedergegründet, nachdem das Freimaurertum in der DDR genauso unerwünscht war wie bei den Nationalsozialisten.

Nun wollen die Bautzener Freimaurer wieder in einer eigenen Loge ihre Rituale ausüben, geistigen Austausch betreiben und eine Freundschaft unter Männern pflegen. Frauen bleibt die Mitgliedschaft wie früher verwehrt – allerdings gibt es selbstverständlich auch Abende in Damenbegleitung.

Und ein Damenprogramm gibt es auch am heutigen Sonnabend, wenn aus ganz Deutschland Freimaurer in Bautzen erwartet werden. Die Gäste werden Bautzen und das Umland besichtigen. Anknüpfungspunkte für Freimaurer gibt es genug: Aus Kamenz stammt der berühmte Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing, aus Rammenau der Philosoph Johann Gottlieb Fichte. Und in Bautzen selbst hielt der Napoleon-Bezwinger Feldmarschall Blücher 1813 eine berühmte Rede – allesamt bekannte Freimaurer.

Damals war die Bautzener Loge noch in einem Raum in der Schloßstraße untergebracht. Später folgte ein eigenes Haus am Burglehn, bevor die Freimaurer an der Carolastraße, der heutigen Taucherstraße, 1885 ein prächtiges Haus errichteten. Heute haben die Nachfolger keine Ambitionen, das 1933 zwangsverkaufte Haus zurückzuerhalten. Stattdessen haben sie sich in einem Haus am Rand der Altstadt eingemietet. Dort feiern die Freimaurer heute in geschlossener Gesellschaft ihre Wiedergründung – und nehmen die geraubten Bücher wieder in Empfang.