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Sexueller Missbrauch erfunden?

Ein Mann aus der Gemeinde Kottmar soll ein Mädchen unsittlich berührt haben. Der Richter in Zittau kann dafür keine Belege finden.

Ein Mann aus der Gemeinde Kottmar wurde vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen.
Ein Mann aus der Gemeinde Kottmar wurde vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen. © Symbolfoto: dpa

Als freier Mann hat ein 37-Jähriger aus der Gemeinde Kottmar nach einstündiger Hauptverhandlung am Donnerstag das Amtsgericht Zittau verlassen. Er sah sich schwerer Vorwürfe wegen des sexuellen Missbrauchs eines Mädchens ausgesetzt. Doch Belege dafür fanden sich nicht.

Tatsache ist, dass ein Großteil sexueller Übergriffe oder Fälle des Missbrauchs an Minderjährigen innerhalb der Familie passieren. Bekannt ist ebenfalls, dass dabei in der Mehrzahl Väter beteiligt sind. So schien es nach Aktenlage auch in diesem Fall zu sein. Während der inzwischen geschiedenen Ehe – in der Zeit von 2015 bis 2018 – habe der Angeklagte die älteste, heute 15-jährige Stieftochter in der gemeinsamen Wohnung in Ebersbach-Neugersdorf mindestens dreimal sexuell missbraucht, sagte der Staatsanwalt sinngemäß. Die Rede war vom wiederholten Streicheln der Brüste des Mädchens.

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Sein Mandant sei von diesen Vorwürfen völlig überrascht worden, erklärte an dessen Stelle sein Verteidiger. Das galt umso mehr, da ihn diese Beschuldigungen erst erreichten, nachdem sich die Eheleute bereits ein halbes Jahr getrennt hatten. 

Das Mädchen hatte damals offensichtlich mit mehreren, für Heranwachsende typischen Problemen zu kämpfen. Sie vertraute sich der Mutter an. Natürlich sei es zwischen ihm und den drei Kindern seiner Ehefrau auch immer wieder mal zu gegenseitigen Spielereien, Neckereien, Scheinkämpfen und ähnlichem gekommen, sagte der Angeklagte. Man habe sich auch richtig durchgekitzelt, unter den Armen zum Beispiel. Und da sei des durchaus möglich gewesen, dass er versehentlich die Brüste der Stieftochter streifte. Das sei aber nie seine Absicht gewesen.

Besondere Besorgnis der Mutter und der Oma rief hervor, dass das Mädchen die Frage verneinte, ob sie der Stiefvater nur im Vorbeigehen berührte. Alarmiert suchten alle drei das Krankenhaus auf, um nach Anzeichen für eine Vergewaltigung suchen zu lassen. Das war nicht der Fall. Sie habe ihrer Tochter mehrfach erklärt, welche Konsequenzen es habe, wenn sie die Beschuldigung aufrechterhält, versicherte die Mutter als Zeugin. 

Dann rief der Vorsitzende, Richter Holger Maaß, das vermeintlich geschädigte Mädchen in den Zeugenstand. Nach der entsprechenden Belehrung erklärte sie sofort, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen. Damit wurde sie entlassen und die Beweisaufnahme abgeschlossen. Für den Staatsanwalt war klar, dass hier nur ein Freispruch in Frage kam. Mit den Worten, er habe noch nie ein solch kurzes Plädoyer erlebt, schloss sich der Verteidiger an.      

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