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Freistaat bestätigt Störung im Klärwerk

Ein Schaumteppich auf der Elbe hatte bei Zeugen für Unruhe gesorgt. Nun informiert die Landesdirektion über die Hintergründe.

Klaus Langer hatte den Schaum-Vorfall öffentlich gemacht. Beim Angeln am Elbufer in Riesa-Gröba hatte er eine starke Schaumentwicklung bemerkt.
Klaus Langer hatte den Schaum-Vorfall öffentlich gemacht. Beim Angeln am Elbufer in Riesa-Gröba hatte er eine starke Schaumentwicklung bemerkt. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Der Schaumteppich, der Ende Juni von Anglern in Riesa-Gröba an einem Zulauf zur Elbe entdeckt wurde, ist wahrscheinlich durch eine Störung im Riesaer Klärwerk entstanden. Das hat die Landesdirektion Sachsen auf Anfrage der Sächsischen Zeitung bestätigt. „Der Betreiber der Kläranlage Riesa informierte die Landesdirektion Sachsen über eine Störung des Normalbetriebes der Anlage ab dem 21. Juni“, teilt Sprecher Ingolf Ulrich mit. 

„Der Meldung zufolge war der biologische Reinigungsprozess beeinträchtigt.“ Die Ursache dafür allerdings kam laut Landesdirektion von Außen. Wie der Sprecher weiter mitteilt, habe ein Betrieb Abwasser in die Kanalisation eingeleitet, das „die zugelassene Schadstofffracht deutlich überschritt“. Dieses Abwasser sei wohl ab 20. Juni ins Klärwerk gelangt. An jenem Tag sei dann noch das Wetter umgeschlagen: „Da es am 20. Juni in Riesa überdies geregnet hatte, kam das betriebliche Abwasser wahrscheinlich auch über den Regenüberlauf als Mischwasserabschlag in das Gewässer.“ Die von den Zeugen am Elbufer beobachtete Schaumbildung sei „sehr wahrscheinlich auf das genannte Ereignis zurückzuführen“.

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Um welches Unternehmen es sich handelt und welche Konsequenzen der Betrieb möglicherweise aufgrund der zu hohen Schadstoff-Einleitung zu befürchten hat, teilte die Landesdirektion nicht mit. Dafür sei die Untere Naturschutzbehörde zuständig, die beim Landratsamt in Meißen angesiedelt ist. Die Antwort auf eine am Freitag ans Landratsamt gestellte Anfrage steht derzeit noch aus. Denkbar ist auch, dass es sich um ein Unternehmen aus dem Riesaer Umland handelt: Ins Kärwerk Riesa wird beispielsweise auch Abwasser aus Strehla und Umgebung eingeleitet.

Die Bußgelder für Verstöße gegen das Wasserhaushaltsgesetz, sofern ein solcher festgestellt werden würde, schwanken je nach Art und Schwere sehr stark zwischen niedrigen zweistelligen bis hin zu niedrigen sechsstelligen Summen. Um welche Art von Schadstoff es sich bei den Einleitungen handelte, teilte die Landesdirektion nicht mit. Der Begriff der „Schadstofffracht“ gibt lediglich das Produkt aus der Abwassermenge und dessen Schädlichkeit an, ohne auf spezifische Stoffe einzugehen. 

Ob nun die festgelegten Mengen hinsichtlich gebundenen Kohlenstoffs, Stickstoffs und Phosphats, des Inhalts an gewässergefährdenden Metallen oder völlig andere Grenzwerte überschritten wurden, ist damit noch vollkommen offen. In einem Punkt zumindest konnte Sprecher Ingolf Ulrich für Entwarnung sorgen: „In Bezug auf die Kläranlage – beziehungsweise des Ablaufs aus der Kläranlage – kann ich mitteilen, dass es zu keinen Folgen für die Umwelt gekommen ist. Die nicht regelgerecht geklärten Abwässer wurden in der Kläranlage zurückgehalten und später dem Klärprozess zugeführt.“

Fälle wie dieser sind offenbar auch sachsenweit die Ausnahme. „Im Jahr 2018 wurden bei den in der Zuständigkeit der Landesdirektion Sachsen liegenden Klärwerken keine Schadensereignisse registriert“, teilt der Sprecher der Landesdirektion mit. Ob und wie viele derartige Meldungen es in diesem Jahr bisher gegeben hat, darüber lägen bislang noch keine Auswertungen vor.

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Bekannt wurde das Phänomen letztendlich nur, weil Angler die teils mehr als einen Meter hohen Schaumteppiche bemerkten. Einer von ihnen wandte sich zunächst ans Klärwerk, anschließend an die SZ. Vonseiten des Abwasserverbandes hatte es bereits Mitte der vergangenen Woche geheißen, es laufe ein Verfahren. Detaillierter könne man sich deshalb erst in einigen Wochen zu dem Vorgang äußern, so die technische Leiterin Kerstin Stöbel.

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