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Freital bekommt sein eigenes Bier

Unternehmer Alexander Frenzel will in Niederhäslich eine Brauerei einrichten. Schon bald geht es los.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Alexander Frenzel hat einen Plan. „Wenn es Schwierigkeiten gibt, müssen Lösungen gefunden werden“, sagt er. Eines steht für den 32-jährigen Unternehmer, der für die Bürger für Freital im Stadtrat sitzt, aber fest: Am 1. Mai 2016 wird das erste Bier aus seiner eigenen Brauerei ausgeschenkt. Den Namen dafür hat er schon: die Windberg-Brauerei.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Dass dieses Ziel durchaus ambitioniert ist, lässt sich auf dem Gelände von Getränke Mierisch am Niederhäslicher Dorfplatz erahnen. 1963 gründete der Großvater hier ein Gütertaxi-Unternehmen und rettete es über die SED-Verstaatlichungswellen hinweg. Nach der Wende wurde aus den drei Garagen ein Getränkehandel. Bis vor zwei Jahren führte der Senior selbst die Geschäfte, dann übernahm der Enkel, Alexander Frenzel. Der Name ist aus alter Verbundenheit geblieben.

Jetzt ist der Hof eine Baustelle. Dort, wo der Großvater früher in Volieren Eulen und Käuze hielt, gibt es jetzt eine leere Fläche. Die Vögel sind auf das Privatgrundstück von Frenzel umgezogen. Auf der leeren Fläche entsteht ein neuer Getränkeladen als Flachbau. Statt 130 Quadratmeter wie heute gibt es künftig 180. Für die Kunden soll das Einkaufen bequemer werden. Außerdem will Frenzel das Angebot an handgemachten Bieren aus aller Welt erweitern. Der Unternehmer hofft, dass der Flachbau noch vor Wintereinbruch fertig wird – zumindest als Provisorium. Dann zieht der Getränkemarkt, der noch immer in den drei Garagen untergebracht ist, dorthin um. Die Garagen werden zur Brauerei mit Sudhaus, Kühlraum, einem Zimmer für die offene Gärung des Bieres und einer manuellen Abfüllanlage.

Es ist schon eine Weile her, dass in Freital professionell Bier gebraut wurde. Die Freitaler Brauerei in Döhlen machte 1991 dicht. Geblieben ist nur die Sorte Schwarzer Steiger, die seit 1983 hier hergestellt und nach der Schließung der Brauerei von der Feldschlösschen AG weiter produziert wurde.

Die Idee dafür, diese Tradition fortzusetzen, entstand vor etwa einem Jahr, sagt Frenzel. „Wir wollten hier etwas Einzigartiges machen.“ Im Internet suchte er nach ähnlichen Konzepten und fand Hilfe bei Christian Schwingenheuer, der in der Dresdner Neustadt schon seit mehreren Jahren die Neustädter Hausbrauerei betreibt. Zusammen mit einem Mitarbeiter ließ sich Frenzel die Technik vor Ort erklären und machte einen Braukurs bei dem Dresdner. „Ich will, dass die Leute wieder schmecken, wie richtiges Bier eigentlich schmeckt“, sagt Frenzel.

Nun wird Schwingenheuer auch die Anlage für Frenzel konzipieren. Die Kosten seien dadurch deutlich geringer. Rund 180 000 Euro will der 32-Jährige für den Gesamtumbau ausgeben. Ohne die Hilfe Schwingenheuers wäre wohl eine halbe Million Euro nötig gewesen. „Ich will lieber klein anfangen, als mich dann mit einer großen Anlage zu übernehmen.“

Frenzel hat aber schon Pläne, wie er das Geschäft Stück für Stück ausbauen kann. Will er anfangs zunächst selbst brauen, soll möglichst schnell ein ausgebildeter Brauer eingestellt werden. Anfangen will er zunächst mit einer Produktion von 750 Litern pro Woche. Die Anlage ist aber auf bis zu 3 000 Liter ausgelegt. Ist der Verkauf gut angelaufen, will sich Frenzel auch eine halbautomatische Abfüllanlage beschaffen. Das unbehandelte Bier wäre dann statt 40 bis 60 Tage – dank des eingefüllten Stickstoffs – zwei bis drei Monate haltbar.

Außerdem will der Getränkehändler einen neuen Gastraum einrichten. Dieser kann dann von größeren Gruppen für Schankabende angemietet werden. Ein eigenes Gasthaus mit dem selbst gebrauten Bier könnte einmal im Freitaler Stadtzentrum entstehen. Diese Pläne seien aber noch in weiter Ferne, sagt Frenzel.

Fest steht aber, welche Sorten zum Start gebraut werden: ein Pils mit dem Namen „Freitaler Stadtbier“ und ein rotes Bier mit Namen „Rotkopf Görg“. Verkaufen will Frenzel das Bier in seinem Laden in Flaschen, in größeren Krügen und in Fässern. Auch zwei Restaurants in Freital werden das Freitaler Bier mit ausschenken. Konkrete Namen will Frenzel noch nicht nennen.

Zum ersten Mal ausgeschenkt werden soll das Bier zum Maibaumsetzen am 1. Mai in Niederhäslich. Eine Woche später will Frenzel ein Frühlingsfest in dem Freitaler Ortsteil feiern – ebenfalls mit Bierausschank. Ein Designer bastelt derzeit an dem Wappen, das die Windberg-Brauerei einmal in der Region bekannt machen soll. Aus dem alten Wappen von Niederhäslich will Frenzel das Herz übernehmen. Außerdem, so verrät er, werden auch die Eulen des Großvaters eine Rolle spielen.