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Die Auferstehung der Christuskirche

Am 1. Advent 1869 geweiht, feiert die Kirche jetzt das 150-jährige Jubiläum. Doch dass sie heute überhaupt noch steht, ist fast schon ein Wunder.

Die Deubener Christuskirche wird 150.
Die Deubener Christuskirche wird 150. © Andreas Weihs

Zwei Jahrhundertfluten setzten der Christuskirche zu, genauso wie die zwei Weltkriege. Mehrfach schlugen Blitze in den Turm ein und die Verhältnisse in der DDR gaben dem Kirchgebäude fast den Rest. Pfarrer Christoph Singer, der seit 1997 in der Gemeinde ist, erinnert sich: "Als ich hier anfing, dachte ich: vergiss die Kirche. Wir haben einen schönen Gemeindesaal nebenan, der ist für uns genau richtig."

Aber natürlich kann ein Pfarrer seine Kirche nicht einfach vergammeln lassen und zusehen, wie sie nach und nach zusammenfällt. Deshalb entwickelte sich in den vergangenen 22 Jahren seiner Dienstzeit eben doch nicht nur der Wille, sondern auch die Kraft für eine umfassende Sanierung. Die Flut 2002 erwies sich dabei gar nicht als Fluch, wie zunächst alle dachten, sondern vielmehr als Segen. Doch dazu später.

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Deuben entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasant. Genau wie in den umliegenden Dörfern wuchsen die Bevölkerungszahlen schnell an. Befeuert wurde das durch den Kohlebergbau und die damit einhergehende Ansiedlung vieler Industriebetriebe. Um 1830 lebten in Deuben kaum mehr als 250 Menschen. Nur 20 Jahre später waren es schon fast zehnmal so viele und 1869, als die Kirche geweiht wurde, zählte man bereits über 4.000 Einwohner. Heute sind es etwa 5.500.

Der Bau der Kirche war also eine logische Folge. Interessant dabei ist, dass sich die Menschen für den Entwurf von August Pieper entschieden. Denn der Drittplatzierte im Wettbewerb hatte einen Bau vorgestellt, wie es ihn damals in der Region noch nicht gab. Es war also ein für die damalige Zeit modernes Bauwerk. "Einen gewissen Einfluss darauf hatte sicher Freiherr Dathe von Burgk", sagt Christiane Boden von der Christuskirchgemeinde. Die Rentnerin hat sich intensiv mit der Geschichte der Kirche beschäftigt. "Der Kohlebaron, wie ihn viele nannten, versprach, ordentlich Geld dazuzugegeben, wenn Pieper den Zuschlag bekäme." Und so war es dann auch.

Die erste Katastrophe

Heute gilt die Christuskirche in Deuben als erster eigenständiger neogotischer Kirchenbau im Raum Dresden. Und die Bauleute - bis zu 100 sollen es zur selben Zeit auf der Baustelle gewesen sein - erschufen dieses Gebäude in nur gut anderthalb Jahren. 47 Meter lang und 20 Meter hoch, der Turm ragt sogar 61 Meter in den Himmel.

1897 erlebt diese große Kirche mit immerhin 1.600 Plätzen ihren ersten Schicksalsschlag. Eine Jahrhundertflut überschwemmt das Weißeritztal und beschädigt auch die Kirche erheblich. "Das war damals natürlich eine Katastrophe für die Gemeinde", sagt Pfarrer Singer heute. "Man kann sich kaum vorstellen unter welchen Bedingungen die Menschen damals gelebt haben. Und dann dieses Hochwasser." Dennoch: Die Kirche wird repariert.

Nicht das letzte Mal. In beiden Weltkriegen werden ihr die Glocken genommen, eingeschmolzen und zu Kriegsgerät verarbeitet. Auch die meisten Pfeifen der großen Jehmlichorgel müssen dran glauben. Blitzeinschläge lassen den Wetterhahn abknicken und beschädigen die Kirche. Doch immer wieder schafft es die Gemeinde zu reparieren und Ersatz zu besorgen. Nicht nur Spenden werden gesammelt. Nach dem ersten Weltkrieg zeigt man sich erfinderisch und holt Geld auch über eine Lotterie herein.

DDR stellt Gotteshaus unter Denkmalschutz

Nach dem zweiten Weltkrieg gelingt es zunächst, neue Glocken zu bekommen und den Kirchenraum zu erneuern. Doch die Verhältnisse in der DDR machen es der Gemeinde immer schwerer, ihr Haus zu erhalten. Immerhin: 1980 wird das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Genützt hat das nicht viel. Denn 1986 kommt der absolute Tiefpunkt. Die Christuskirche wird wegen Baufälligkeit gesperrt. Viel Hoffnung, dass sich daran jemals wieder etwas ändert, hatten die Deubener damals nicht, auch wenn es wenigstens Sicherungsarbeiten gab, die den Verfall aufhielten.

"Mit der Wende wurde es erst einmal gar nicht besser", sagt Christoph Singer. "Denn viele verloren ihre Arbeit, zogen weg." Es sei in der Zeit keinem zu verübeln gewesen, dass an Spenden für die Kirche kaum zu denken war. Dennoch machte sich die Gemeinde auf den Weg zur Sanierung. "Ein Anstoß für mich waren zwei junge Paare, die Ende der Neunziger unbedingt in der Kirche getraut werden wollten", erzählt der Pfarrer. Obwohl diese damals trist und leer war, der Putz bröckelte. "Das hat mich tief beeindruckt."

Nun wurde das große Ornamentfenster im Altarraum, das in den 60er-Jahren zugesetzt worden war, wieder geöffnet. "Es war erstaunlich gut erhalten", sagt Singer. Eine Heizung wurde eingebaut. Die Kirche blühte auf, um direkt wieder in der Flut zu versinken. Doch das Hochwasser brachte dieses Mal die große Chance. "Was zunächst keiner ahnen konnte: Hinterher gab es genügend  Fördermittel für eine ordentliche Sanierung." So gelang es, die Kirche wieder erstrahlen zu lassen. Auch die Orgel ist seit 2017 komplett saniert, und selbstverständlich muss die Gemeinde nicht im Kalten sitzen, eine neue Heizung wurde installiert.

Uraufführung zum Kirchweihfest

So ist es nun, am 1. Advent 2019, für die Gemeinde eine unwahrscheinliche Freude, das 150-jährige Kirchweihjubiläum zu feiern. Das besondere Ereignis wird unterstrichen durch die Uraufführung einer Kantate von Sebastian Paul Rehnert, die der Absolvent der Musikhochschule Dresden eigens dafür komponiert hat. Kantor Gottfried Nestler studiert seit dem Sommer das Stück mit den gut 80 Sängern seines Kirchenchors ein. 

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Der erste Teil der Kantate "Jesu Einzug in Jerusalem" erklingt bereits am Sonnabend in der Christuskirche Freital-Deuben im Rahmen eines Konzertes mit der Elblandphilharmonie. Die Teile zwei bis vier sind dann Bestandteil des Festgottesdienstes am Sonntag. "Kommen darf da jeder, nicht nur unsere Gemeindemitglieder", spricht Pfarrer Christoph Singer eine Einladung an alle Freitaler aus. 

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