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Hains bereitet die Zeit nach Corona vor

Freital lässt Schwimmbad und Sauna runderneuern. Doch es gibt Probleme, denn die Saunabauer sitzen in Österreich und die Fliesen sollen aus Italien kommen.

Saunameister Wilhelm Rudolph hat die Tätigkeit gewechselt und reißt lockere Fliesen aus dem Schwimmbecken.
Saunameister Wilhelm Rudolph hat die Tätigkeit gewechselt und reißt lockere Fliesen aus dem Schwimmbecken. © Egbert Kamprath

Mitten über den Tennisplatz führt eine Baustraße. Die Zufahrt ist nötig, damit Lkws den Bauschutt aus dem Hains abtransportieren können. Denn derzeit wird der Saunabreich nicht nur ein bisschen renoviert, sondern komplett umgebaut und gleichzeitig erweitert. "Im Innern sind wir mit den Abrissarbeiten voraussichtlich Mitte nächster Woche fertig", sagt Jörg Schneider, der als Geschäftsführer der Technischen Werke Freital (TWF) für das gesamte Projekt verantwortlich zeichnet.

1,95 Millionen Euro investieren die TWF in den Umbau der Saunalandschaft. Geplant ist das schon länger. Dass der Baubeginn nun in die Zeit der Corona-Schließung fällt, konnte vorher keiner ahnen. "Den Umbau hätten wir auch bei laufendem Betrieb im Schwimmbad gemacht", sagt Schneider. Allerdings könne man jetzt zusätzlich noch Arbeiten vorziehen, die eigentlich erst für den Sommer geplant waren.

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"Wir haben in der Schwimmhalle mit den jährlichen Ausbesserungsarbeiten begonnen", sagt Hains-Chef Daniel Wirth. Etwa 10.000 Euro fließen in die Erneuerung und Ausbesserung an verschiedenen Stellen. Die Decke hat neue Farbe bekommen, die Lüftungsklappen werden gewechselt.

Im Schwimmbecken, das derzeit ohne Wasser ist, werden die Fliesen gereinigt und einzelne ausgetauscht. Dichtungsfugen werden auch erneuert. Die Aufträge werden von lokalen Firmen erledigt. "Die sind zum Teil froh, weil ihnen an anderen Stellen Arbeit weggebrochen ist", sagt Wirth.

Kurzarbeit ist angemeldet

Die Hains-Mitarbeiter allerdings haben derzeit eher nicht so viel zu tun. "Wir haben Kurzarbeit angemeldet", sagt Jörg Schneider. Im Moment seien aber alle noch dabei Überstunden abzufeiern und alten Urlaub zu nehmen. Zudem sehe es das Zeitkonto vor, dass Mitarbeiter bis zu 250 Minusstunden haben können. "Wir sind ja immer ein Saisonbetrieb." Doch irgendwann lasse sich Kurzarbeit dann nicht mehr vermeiden.

Statt Bademeister sind nun die Baumeister zugange. Der alte Saunabereich ist kaum noch wiederzuerkennen. Der Whirlpool ist verschwunden, das Tauchbecken nur noch in Resten vorhanden. Auch der Fußboden ist zum Teil schon herausgerissen. "Hier haben wir eine etwas unschöne Überraschung erlebt", sagt Schneider. "Der Estrich ist 1998 quasi doppelt eingebaut worden. Einmal über und einmal unter der Dämmung." Das mache beim Rückbau natürlich mehr Arbeit.

Warum das damals gemacht wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. "Unsere alten Bauunterlagen hat das Hochwasser 2002 weggespült", berichtet Schneider. Und digital sei aus der Zeit noch nichts vorhanden. So müsse man nun damit leben, dass an der einen oder anderen Stelle zusätzlicher Aufwand entsteht, der vorher so nicht absehbar war.

Plötzlich mitten im Corona-Risikogebiet

Vorher auch nicht wissen konnten die Bauherren, dass ihre bevorzugten Saunabauer und Fliesenlieferanten plötzlich mitten in sogenannten Corona-Risikogebieten liegen. "Alle Bauarbeiten hier lassen wir von lokalen Firmen erledigen", sagt Jörg Schneider. "Die Saunakabinen aber werden in Österreich gebaut und dann hier montiert." Das seien Spezialfirmen, von denen es nicht so viele gebe.

"Die Österreicher haben uns zugesichert, dass sie die Zeitpläne einhalten können", sagt Schneider. Ende September, so der ehrgeizige Zeitplan, soll die neue Saunalandschaft im Hains fertig sein. Auf dem Weg dahin gibt es aber noch ein anderes Problem. Denn die Fliesen sind in Norditalien bestellt worden. Und von dort jetzt eine Lieferung zu bekommen, scheint fast unmöglich zu sein.

"Ich bin aber guter Hoffnung, dass es klappt", so Schneider. Denn er habe inzwischen eine sogenannte Tracking-Nummer für die Lieferung erhalten. "Das bedeutet, die Ware ist auf dem Lkw und zu uns unterwegs." Wann sie aber eintreffe, wisse derzeit niemand. "Wir haben noch ein bisschen Luft, aber wenn die Fliesen nicht rechtzeitig da sind, bleibt die Baustelle stehen, dann kommen wir nicht weiter."

Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg, TWF-Chef Jörg Schneider und Hains-Geschäftsführer Daniel Wirth (v.l.) zeigen die Pläne für die künftige Gestaltung der Saunalandschaft.
Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg, TWF-Chef Jörg Schneider und Hains-Geschäftsführer Daniel Wirth (v.l.) zeigen die Pläne für die künftige Gestaltung der Saunalandschaft. © Egbert Kamprath

Eine weitere Schwierigkeit stellt der Ausbau der Saunaterrasse auf der Rückseite des Hains dar. Dort müssen unter anderem 14 Meter lange Stahlträger eingebaut werden, die pro Stück etwa anderthalb Tonnen wiegen. "Die muss ein Kran dahin heben." Dieser könne nur vor dem Hains aufgebaut werden. Dafür wiederum müsse die Bushaltestelle verlegt werden. Die große Eiche vorm Hains wird während der Bauzeit entsprechend geschützt.

Der Saunabereich wird verbessert, verschönert und vergrößert. "Wir haben sehr viele Saunagänger in Freital", sagt Daniel Wirth. "Deshalb müssen wir vergrößern. Außerdem ist eine zeitgemäße Modernisierung nach 20 Jahren durchaus mal wieder an der Reihe." 

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Selbstverständlich hoffen alle Beteiligten, dass sich die Investition hinterher refinanzieren lässt. Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) sagt dazu: "Es kann ja nicht ewig so weitergehen, mit den Einschränkungen. Es gibt ein Leben nach Corona, davon bin ich überzeugt." Und dann werde man auch die Freizeit wieder gemeinsam verbringen. 

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