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Freital im Karnevalsfieber

10 000 Besucher werden am Sonntag zur Parade erwartet. Sie dürfen sich nicht nur auf Originelles freuen.

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Von Matthias Weigel

Seit Wochen wird gewerkelt, in den Werkstätten, Zimmern und Garagen der hiesigen Faschingsvereine. Ob Kostüme oder Dekoration für den Wagen – am Sonntag muss alles fertig sein. Denn dann findet die nunmehr 14. Karnevalsparade in Freital statt. Ein unterhaltsames Straßen-Spektakel, was aller zwei Jahre mehr als zehntausend Menschen an den Rand der Dresdner Straße lockt. Gut 700 Narren – aus 15 Karnevalsvereinen im Ex-Weißeritzkreis sind auf Einladung des Präsidentenrats der Karnevalsvereine in Freital dabei; in diesem Jahr zum ersten Mal der Faschingsklub Pretzschendorf. Außerdem werden drei Musikvereinigungen der Parade den nötigen musikalischen Schwung verleihen: als traditioneller Gast aus Baden-Württemberg die Guggenband „Omsnomgugga“, natürlich der Freitaler Spielmannszug und das Feuerwehrblasorchester aus Wilsdruff. Ehrengäste vom Vorsitzenden des Präsidentenrates, Siegfried Wünschmann, sind Freitals OB Klaus Mättig und CDU-Bundestagsabgeordneter Klaus Brähmig. Die Bürgermeister aus Wilsdruff und Tharandt haben abgesagt.

Neu in diesem Jahr ist, dass es entlang der Dresdner Straße für die Besucher ein extra eingerichtetes gastronomisches Angebot gibt. Die unterschiedlichen Gastro-Inseln befinden sich beispielsweise ab 13.15 Uhr am Start Goetheplatz, an Poisental- und Wehrstraße, am Rathaus Deuben, am Technologiezentrum, an der Panschau-Galerie und am Kulturhaus, zum Teil beidseitig der Dresdner Straße. Am Capitol-Kino veranstaltet der Präsidentenrat zwischen 13 und 21 Uhr die „1. Straßenfaschingsparty mit Jux und Tollerei“. „Den Wunsch, die Parade gastronomisch aufzuwerten, haben wir schon länger und kam auch immer wieder von den Zuschauern“, sagt Peter Made, Vorstand im Präsidentenrat der Karnevalsvereine Freital.

Mit den Gastronomen und der Stadt sei man nun entsprechend überein gekommen. „Davon profitieren ja auch die Gastronomen und wir hätten das unmöglich selber stemmen können“, sagt Made, der zu den Urgesteinen der Organisatoren zählt, die noch heute im Karneval aktiv sind. „Die Fäden laufen zwar bei mir zusammen, aber mir ist es ganz wichtig zu sagen, dass es so viele fleißige Helfer und Mitstreiter gibt, ohne die das alles nicht machbar wäre“, sagt Made. Und auch Freital hat einen großen Anteil an der Parade, von finanzieller Unterstützung bis zur Organisation der Straßensperrung.

Anlass der ersten Parade war 30 Jahre Hühnerfasching der Rassegeflügel- und Taubenzüchter im damaligen Saal der HO Gaststätte Goldener Löwe – 1987. Das nahmen die Elferräte und die damalige Kreisarbeitsgemeinschaft Karneval Freital zum Anlass, eine Parade auf die Straße zu bringen, was trotz der politischen Unwägbarkeiten gelang. Trotz Mistwetter säumten 1987 dann 15000 Menschen die Straße. Die unerwartet große Resonanz bewegte die Organisatoren, die Parade künftig jährlich, wegen des großen Aufwands ab 1989 aber nur noch zweijährlich zu veranstalten. Bis heute hat die Tradition gehalten, allerdings in immer wieder neuen Schauwagen, Requisiten und Kostümen präsentiert. Die Vereine, die sich mit viel Klamauk präsentieren und allerhand Originelles für die Gestaltung ihrer Wagen haben einfallen lassen, ist der Aufwand enorm, alles ehrenamtlich, wohl gemerkt.

Für Made indes wird es die letzte Parade sein. Er will sich aus Altersgründen aus dem Karneval generell zurückziehen. „Von den Alten ist keiner mehr da und auch ich bin älter geworden – der nächste im Team ist mit 60 Jahren immerhin 14 Jahre jünger“, sagt der Potschappler. Es habe ihm immer viel Spaß gemacht, aber der Aufwand und die Belastung sei schon sehr groß gewesen – und jetzt müsse die Jugend mit zuweilen ganz anderen Ansichten ran. Dass die Parade deswegen in zwei Jahren gefährdet wäre, glaubt Made nicht. „Mit frischem Wind schaffen die das und ich stehe natürlich gern für Tipps und bei Fragen bereit, wenn Hilfe benötigt wird“, sagt Made. Seine Frau glaube noch nicht so recht, dass er mit der vielen Freizeit klarkommt, er müsse sich deshalb wohl was Neues suchen. Er sei sich da eh noch nicht so sicher – und wer weiß, vielleicht kommt die Lust am Karneval ja wieder.