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Eklat bei Schüler-Notbetreuung in Freital

Der Hort der Lessingschule sollte die Grundschüler am Vormittag aufnehmen. Doch ein Kind wurde nach Hause geschickt. Die Eltern sind erbost.

Trotz eindeutiger Regelung verweigerte die Kita Willi die Notbetreuung eines Kindes.
Trotz eindeutiger Regelung verweigerte die Kita Willi die Notbetreuung eines Kindes. © Archiv/Karl-Ludwig Oberthuer

Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Hort der Freitaler Lessingschule - die Kita Willi - in den Schlagzeilen. Und das nicht gerade positiv. Denn im vergangenen Winter waren wegen Krankheit und Beschäftigungsverboten so viele Mitarbeiterinnen ausgefallen, dass eine Hortbetreuung wochenlang nicht mehr aufrecht zu erhalten war: Die Kinder mussten nach dem Unterricht nach Hause gehen. 

Inzwischen sind die Erzieher gesund zurück, doch auch jetzt ist die Stimmung offenbar nicht gerade die beste. Zumindest seit diesem Mittwoch nicht mehr. Was im Hort vorfiel, könnte man diplomatisch als Missverständnis formulieren. Oder als bürokratischen Nonsens. Diesen Begriff würde Bianca Köhler wählen.

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Ihr Sohn besucht in der Lessingschule die dritte Klasse und sitzt wie viele andere Kinder seit Wochen zu Hause. Jetzt aber müssen beide Köhlers wieder arbeiten, in systemrelevanten Berufen. Bianca Köhler meldete deshalb ihren Sohn ab dieser Woche bei der Notbetreuung der Lessingschule an und legte die entsprechenden Bescheinigungen der Arbeitgeber vor. Der Drittklässler ging vom Montag an in die Schule. Es wurde unter der Aufsicht der Lehrer gespielt, Schulaufgaben wurden erledigt und mittags gab es einen Snack in der Kantine.

Ab dem Mittwoch sollte der Schulhort die Notbetreuung übernehmen, weil die Viertklässler wieder zum Unterricht gehen. "Die Verordnung des Kultusministeriums habe ich rechtzeitig an die Hortleiterin weitergereicht", sagt Schulleiterin Manuela Lehmann. Zudem informierte die Schule über ihre Homepage die Eltern. "Die Notbetreuung für Kinder der Klassen 1-3 erfolgt nach Vorlage der Bestätigung vom Arbeitgeber in der Zeit von 8 bis 16 Uhr ausschließlich in den Räumen der Kita Willi", steht da geschrieben. Die Kita Willi befindet sich an der Wilsdruffer Straße und ist eine gemischte Einrichtung für Kindergartenkinder und die Hortkinder der Lessing-Grundschule. 

Streit mit Hortleitung

Bianca Köhler brachte also ihren Sohn zur Kita Willi und fuhr auf Arbeit. Gut eine Stunde später klingelte ihr Handy. Die Kita-Leiterin verlangte, dass die Familie sofort den Sohn abholen sollte. Umgehend! Er sei schließlich gar kein Hortkind. "Ich war perplex", berichtet die Mutter. Auf ihr Argument, dass dies doch eine Notbetreuung sei und sie die notwendigen Belege eingereicht habe, wollte die Kita-Leiterin nicht eingehen. Sie argumentierte, es liege kein Vertrag der Köhlers für eine Hortbetreuung vor.

"Ich telefonierte mit der Schulleitung, mit der Stadtverwaltung und mein Chef wandte sich ans Kultusministerium. Aber es half erst einmal nichts - wir mussten das Kind abholen." Der Großvater sprang in die Bresche und sammelte den Drittklässler ein, nachdem auch Vermittlungsversuche der Schulleiterin an der resoluten Hortfrau gescheitert waren.

Das Kultusministerium vertritt dazu einen klaren Standpunkt. "Für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 3 der Grundschulen wird am Standort des Hortes durch den Hortträger eine Notbetreuung während der üblichen Unterrichts- und Hortzeiten gesichert", steht in der entsprechenden Allgemeinverfügung, gültig ab 4. Mai. Die Regelung soll zunächst bis zum 22. Mai gelten. Der Versicherungsschutz sei gegeben, ein Elternbeitrag für die Vormittagsstunden werde nicht erhoben, heißt es weiter. Die Betreuung werde mit dem Hort- und Kitapersonal abgedeckt, welches ohnehin zur Verfügung stehe.

Soweit, so klar. Aber wo klemmte es in der Kommunikation zwischen Hort, Eltern und Schule? Die Kita Willi untersteht der Stadt Freital. Direkte Anfragen an die Angestellten, also auch die Hortleiterin, sind dort nicht erwünscht. Stellvertretend spricht der Pressesprecher, Matthias Weigel: "Alle Einrichtungen der Stadt Freital sind nach Veröffentlichung über die Allgemeinverfügung und deren Inhalte informiert worden. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass es in Anbetracht der Abstimmung zwischen Kommunen und Freistaat fortlaufend und kurzfristig konkretisierende Regelungen geben kann." Mit anderen Worten: Das ist alles neu, es gibt ständig Änderungen, Missverständnisse nicht ausgeschlossen.

Bürokratie, wo keine sein muss

Doch die Sache ist damit noch nicht vom Tisch. Die Stadt besteht auch im Falle der Notbetreuung auf einen Vertrag. "Im konkreten Fall lag kein von den Eltern unterschriebener Vertrag für ihr Kind vor. Warum seitens der Eltern kein Vertragsabschluss herbeigeführt wurde, ist uns nicht bekannt", teilt der Stadtsprecher mit. Sind also die Eltern schuld? Beim Freistaat sieht man das ganz anders - und vor allem nicht so bürokratisch. Dort heißt es aus dem zuständigen Referat: "Ein Betreuungsvertrag für den Vormittag im Hort ist nicht nötig. Die Betreuung basiert auf dem Antrag auf Notbetreuung."

Doch die Stadt blieb hart: Bevor Familie Köhler ihren Sohn am Donnerstagmorgen im Hort abgeben durfte, mussten sie erst ein entsprechendes Papier ausfüllen und unterschreiben. Ordnung muss schließlich sein. "Das ist doch total verrückt", kommentiert Bianca Köhler.

Immerhin, für das energische Vorgehen der Hortleiterin entschuldigt man sich bei der Familie: "Die Stadtverwaltung bedauert die entstandene Situation und möchte sich bei den betroffenen Eltern für die Unannehmlichkeiten entschuldigen", heißt es aus dem Rathaus. Man habe die Situation mit der Hortleitung ausgewertet und künftig einen sensiblen und lösungsorientierten Umgang mit derartigen Fällen besprochen. Vielleicht führt das ja schon bald zu besseren Schlagzeilen.

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