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Freital bald ohne Pfarrer?

Zurzeit ist Matthias Koch der einzige Geistliche im Amt. Und der geht in wenigen Monaten in den Ruhestand.

Pfarrer Matthias Koch hat seine Stelle in Pesterwitz inne. Er ist momentan der letzte verbliebene Pfarrer in Freital.
Pfarrer Matthias Koch hat seine Stelle in Pesterwitz inne. Er ist momentan der letzte verbliebene Pfarrer in Freital. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Kirche schrumpft. Menschen treten aus, Gemeindeglieder sterben, nur wenige wachsen nach. Kirchen werden zusammengelegt, es gibt weniger Pfarrstellen und weniger junge Leute, die sich berufen fühlen, ein Theologiestudium zu absolvieren und ein Amt als Pfarrer zu übernehmen. So sieht es die Statistik.

Pfarrer Matthias Koch aus Pesterwitz zeichnet hingegen erst einmal ein positives Bild: „Mit unserem Blick auf Sachsen übersehen wir schnell, dass die christliche Kirche weltweit wächst“, sagt er. In Sachsen allerdings, das kann natürlich auch Koch nicht leugnen, schwinden seit Jahren die Mitglieder.

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Und auch die Pfarrer. Eigentlich gibt es in Freital mit seinen sechs Kirchen immerhin noch drei Pfarrstellen. Doch seit Langem ist eine davon vakant gewesen, die erst jetzt mit einer Pfarrerin wieder besetzt werden konnte. Wann die Theologin aber ihren Dienst antritt, ist noch nicht klar. „Bis zum Jahresende wird die Stelle besetzt sein“, teilt dazu Matthias Oelke mit, Pressesprecher der Landeskirche Sachsen.

Im Moment ergibt sich daraus die Situation, dass Pfarrer Koch in Bannewitz der einzige Seelsorger in der 40.000-Einwohner-Stadt Freital ist. Knapp 20 Prozent davon gehören noch einer der christlichen Kirchen an, die deutliche Mehrheit der evangelisch-lutherischen, zu der auch Koch gehört. Die katholische Gemeinde Freital wird von Dippoldiswalde aus betreut.

Ruheständler müssen aushelfen

Insgesamt ist das für die Gemeindemitglieder sicherlich kein befriedigender Zustand. Doch die evangelische Landeskirche versucht zu erklären: „Bei Pfarrstellenbesetzungen geht es nicht nur um Vakanz und dann Neubesetzung oder nicht, sondern auch um Strukturüberlegungen, die häufig eine Besetzung verzögern.“

Wenig hilfreich, wenn in der Familie gerade Taufe, Hochzeit oder auch eine Beerdigung ansteht. Verständlicherweise wollen die meisten Menschen da einen Geistlichen, den sie kennen und dem sie vertrauen. Da helfen dann natürlich auch die Pfarrer wie Christoph Singer aus, die schon im Ruhestand sind. Der Regelfall sollte das aber nicht sein. Wie also weiter?

„Superintendentin Hiltrud Anacker nimmt jetzt selbst Vertretungen wahr“, heißt es dazu aus dem Landeskirchenamt. Ebenso würden Ruheständler und Prädikanten Dienste übernehmen. „Da ist bis Ende des Jahres die Vertretung in verschiedenen Bereichen abgesichert.“

Landeskirche setzt auf das Prinzip Hoffnung

Doch im neuen Jahr wird das Problem nicht kleiner, ganz im Gegenteil. Denn im Februar wird Matthias Koch ebenfalls in den Ruhestand wechseln. Dann steht die neue Kollegin, die dieses Jahr noch anfangen soll, wieder alleine da.

Es bleibt also eine schwierige Lage. Pfarrer Koch sieht es aber weniger dramatisch. „Entscheidend ist ja, was die Gemeinden daraus machen“, sagt der Theologe. Der Pfarrer sei zwar wichtig und für viele Handlungen im Zusammenhang mit der Ausübung des Glaubens letztlich auch unersetzlich, „aber das Leben in der Gemeinde hängt vor allem davon ab, wie die Menschen mitmachen.“ 

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Die Landeskirche setzt derweil auf das Prinzip Hoffnung: „Vielleicht kommt ein wenig Ruhe in die Stellenplanung, wenn die größere Strukturplanung für die Region jetzt abgeschlossen wird.“ Es sei zu hoffen, dass sich die Situation dann wieder entspannt.

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