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Freital sichert Tagesmütter

Auch bei Krankheit und Urlaub gibt es nun Geld. Das ist umstritten.

Von Matthias Weigel

Die Not ist groß in Freital, was die Kapazität der Kinderbetreuung anbelangt. Da ist jeder verfügbare Platz willkommen. Immerhin 135 davon sichern derzeit allein die 27 Tagesmütter in Freital ab. Verzichtbar sind sie aufgrund der Situation kaum. Logisch also, dass die Stadt ein Abwandern in andere Orte des Umlandes, wo die Bedingungen besser sind, verhindern will. Derzeit rangiert Freital im Mittelfeld der Umlandkommunen, wie eine Ermittlung der Stadtverwaltung ergeben hat.

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Deswegen kam das Ansinnen der FDP im Stadtrat wohl gerade recht, der die Tagesmütter besser stellen soll als bisher; die Stadt klinkte sich in die Idee ein. Ab 1. Januar gibt es für die Tagesmütter auch für bis zu fünf Arbeitstage Fortbildung, bis zu 20 Arbeitstage Urlaub und bis zu fünf Arbeitstage krankheitsbedingten Ausfall Geld für die Betreuung von der Stadt. Rund 50 000 lässt sich das Freital das im Jahr kosten. Doch es bleiben Bauchschmerzen mit der Entscheidung, – und ein Restrisiko bis zu 1,5 Millionen Euro. Das zumindest hat die Fraktion Bürger für Freital (BfF) errechnet. Soviel müsste Freital nämlich zahlen, wenn sich die Beschäftigung als „scheinselbstständig“ herausstellte. Eigentlich sind die Tagesmütter nämlich wirtschaftliche selbstständige Unternehmer. Mit dem Urlaubs- und Krankheitsgeld könnte sich aber das unternehmerische Risiko zu sehr auf den Auftraggeber verlagern, in dem Fall die Stadt. Bislang erstattete Freital auch schon zu den regulären 500 Euro je Betreuungsplatz den Tagespflegern Beiträge zur Unfallversicherung, Alterssicherung und Kranken- und Pflegeversicherung. Maximal fünf Plätze je Tagesmutter sind möglich. Im Einzelfall könnte eine Klage dazu führen, dass Freital die Sozialversicherungsbeiträge, auf die vergangenen vier Jahre rückwirkend zahlen muss – sollte nachgewiesen sein, dass die Tätigkeit doch eher die eines Arbeit statt Auftragnehmers war. Die Stadträte sind sich aber auch einig, dass man auf die Tagesmütter kaum verzichten kann – und ihre Leistung besser würdigen sollte. Hohe Anforderungen an Leistung und Qualität würden gestellt. Dazu seien Weiterbildungen nötig, die bislang wirtschaftliche Einbußen bedeutete. Zudem will man mit dem gängigen Vorurteil Schluss machen, dass die Tagesmütter wegen ihrer zuweilen geringeren Ausbildung, gegenüber den Kitaerziehern nur eine Betreuung zweiter Klasse böten.

Die Stadt sieht bei dem Ganzen das Risiko als überschaubar an. Das habe auch ein in Auftrag gegebenes Gutachten gezeigt. Mit der Regelung stünde Freital zudem nicht allein unter den Kommunen da. Um wirklich sicherzugehen, würden die Zahlungen nur geleistet, wenn die betroffenen Eltern keine Ersatzbetreuung für die Zeit in Anspruch nehmen. So bleibt Freital unabhängig – und fördert zugleich das unternehmerische Tun der Tagesmütter, um sich beispielsweise abzustimmen.