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BMW-Erbin investiert in Freital

Das Freitaler Start-up Watttron entwickelt Heizsysteme für die Verpackungsindustrie. Beim Sprung ins internationale Geschäft helfen nun namhafte Geldgeber.

Michaela Wachtel, Sascha Bach, Marcus Stein und Ronald Claus von Nordheim führen bei Watttron die Geschäfte.
Michaela Wachtel, Sascha Bach, Marcus Stein und Ronald Claus von Nordheim führen bei Watttron die Geschäfte. © Egbert Kamprath

Diese Schlagzeile gab es noch für kein Unternehmen aus der Region: "Deutschlands reichste Frau steigt bei Freitaler Start-up ein". Der Name der Frau dürfte bekannt sein - Susanne Klatten, BMW-Erbin. Den Namen des Startups muss man sich erst noch einprägen: Watttron. Mit drei t. Eine drei steht auch an der Spitze der Summe, um die es jetzt geht. Das Unternehmen erhält 3,4 Millionen Euro, um sein Geschäft auszubauen.

Das Geld kommt nicht nur von Klatten, die über eine Beteiligungsgesellschaft in Freital investiert. Auch zwei weitere Investoren aus der Technologiebranche sowie der Technologiegründerfonds Sachsen geben Watttron Kapital für die weitere Entwicklung. Dort ist man stolz auf den Vertrauensvorschuss. "Wir werden Freital treu bleiben und wollen von hier aus ein internationales Unternehmen werden", sagt Watttron-Geschäftsführer Marcus Stein.

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Noch ist Watttron eine kleine Firma. 20 Mitarbeiter groß, belegt sie einige Räume im Technologie- und Gründerzentrum. Doch woran hier seit gut fünf Jahren getüftelt und gebaut wird, ist so clever wie zukunftsträchtig. Stein und seine Mitstreiter haben an der TU Dresden und dem Fraunhofer-Institut intensiv an Kunststoffverpackungen und deren Herstellung geforscht. Mit Watttron haben sie ein Heizsystem entwickelt, welches es ermöglicht, solche Verpackungen unterschiedlich dick zu formen.

Der ideale Joghurtbecher

Sehr anschaulich hat Marcus Stein für Laien das Prinzip immer wieder am Beispiel des Joghurtbechers erklärt. Vereinfacht gesagt wird eine Kunststofffolie mittels eines Heizsystems - ähnlich einer Herdplatte - erhitzt. Dadurch wird es heiß und kann mithilfe von Druckluft in die gewünschte Form gebracht werden. Das Problem: Der Formungsprozess kann mit dieser Methode nicht gezielt gesteuert werden, weil das Plastik ziemlich gleichmäßig erhitzt wird. Der fertige Joghurtbecher hat an einigen Stellen also mehr Kunststoff, als er eigentlich bräuchte. Das Heizsystem von Watttron ermöglicht es, solche Kunststoffe gezielter zu formen.

Die Heizfelder aus Freital bestehen aus Hunderten jeweils fünf mal fünf Millimeter großen Quadrate. Diese können einzeln auf die jeweils gewünschte Temperatur gebracht werden. Ein Computerprogramm - auch das haben die Unternehmer entwickelt - kann nun genau berechnen, an welchen Stellen der Kunststoff auf welche Temperatur gebracht werden muss, um den idealen Joghurtbecher herzustellen. Damit lassen sich Energie und Material in Größenordnungen einsparen. Die Rede ist von bis zu 60 Prozent.

Weltweite Präsenz mit Serienproduktion

Doch es geht nicht nur um Becher. Mittlerweile hat Watttron das Prinzip auf die Produktion von Kunststoffbeuteln ausgedehnt. Nun will das Unternehmen mit der Idee die Welt erobern. Firmen wie Procter & Gamble sowie der britische Putzmittelhersteller Reckitt Benckiser setzen bereits die Watttron-Technologie ein. "Nun wollen wir unsere Produktionskapazitäten erweitern und eine weltweite Präsenz schaffen", kündigt Marcus Stein an. Dabei sollen die 3,4 Millionen Euro helfen.

Zum einen möchte Watttron am Standort Freital erweitern, zunächst um 500 Quadratmeter. "Das dürfte für die nächsten drei Jahre ausreichen", schätzt Stein. Noch in diesem Jahr sollen auch neue Mitarbeiter eingestellt werden, vornehmlich aus dem Bereich Elektrotechnik. Um 60 bis 70 Köpfe wolle man in den kommenden Jahren wachsen und eine Serienproduktion starten, stellt der Geschäftsführer in Aussicht. Zudem mache man sich bereits jetzt Gedanken, innerhalb Freitals eine eigene Bleibe zu errichten, eventuell in einem städtischen Gewerbegebiet.

Die Heizsysteme werden teilweise in Handarbeit zusammengesetzt.
Die Heizsysteme werden teilweise in Handarbeit zusammengesetzt. © Andreas Weihs

Zum anderen sollen ein weltweiter Vertrieb und Service aufgebaut werden. Dafür möchte man Kooperationspartner vor Ort finden. Denn auch bei der Suche nach Kunststoffalternativen hat Watttron mit seinem Heizsystem die Nase vorn. "Recyclingfähiges Kunststoffmaterial lässt sich mit herkömmlichen Heizsystemen schlechter verarbeiten als mit unserem Heizsystem", erklärt Stein. Für die Zukunft ist man also schon gerüstet.

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Und das ist noch nicht alles. Watttron will in weitere Geschäftsfelder vordringen. Details kann Marcus Stein nicht verraten. Nur soviel: "Wir forschen im Bereich der Chemie und Biotechnologie. Da laufen derzeit Patentverfahren." Es bleibt also spannend bei Watttron. 

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