SZ +
Merken

Freital stürzt ins Stau-Chaos

Bis zu 20 Baustellen treiben Autofahrer in Freital zur Weißglut. Im Berufsverkehr dreht sich kein Rad. Das Rathaus ist mit der Situation offenbar überfordert, verspricht aber, auf der Dresdner Straße die Ampelschaltzeiten zu optimieren. Jetzt wird auch noch die Verkehrsader Poisentalstraße aufgerissen.

Teilen
Folgen

Von Sebastian Schöbel undGunnar KlehmKOMMENTAR

Die Ampel lässt schon zum dritten Mal das grüne Lämpchen leuchten, doch die Autos rücken nur Zentimeter vor. Die Kreuzung ist von entnervten Kraftfahrern zugestellt. Ein Trabant pafft grauen Wolken in die Luft und aus einem getunten Ford dröhnen ohrenbetäubende Bässe. Der alltägliche Feierabendverkehr wird in Freital zum Horrortrip. Ab 15.30 Uhr geht auf Freitals Hauptverkehrsadern fast nichts mehr.

An fast 20 Stellen werden gleichzeitig die Straßen aufgerissen. Hochwasserschäden werden beseitigt, Gas- und Wasserleitungen verlegt. Das geht schon am Stadtrand los. In Potschappel zwängen Dutzende rot-weiße Baken die Kraftfahrer in eine enge Spur. Eine Alternative gibt es nicht. Die größten Bewährungsproben für die Nerven steht den Autofahrern aber noch bevor.

Die Kreuzung Poisentalstraße entpuppt sich fast als unüberwindliches Hindernis. Ausweichen ist zwecklos. Die Bahnunterführung Hüttenstraße ist voll gesperrt. Auch aus dem Poisental drücken die Fahrzeuge in die Engstelle. Die Abkürzung nach Tharandt über die Krönertstraße ist zurzeit passé. Auch dort eine Vollsperrung.

Das dicke Ende kommt dann in Hainsberg. Nunmehr seit einem Jahr braust dort der Schwerlastverkehr von der Autobahn kommend entlang, weil die Bundesstraße 173 in Kesselsdorf gesperrt ist. Die Dauerbaustelle an der Dresdner Straße in Hainsberg nervt nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Gewerbetreibenden. Sie kämpfen um jeden Kunden. Doch statt Parkplätzen haben sie Baustellen und Halteverbotsschilder vor der Tür. „Wenn das schon unausweichlich ist, dann sollte doch wenigstens in zwei Schichten gearbeitet werden, damit schnell Besserung eintritt“, sagt Stadtrat Reinhard Nagel (Bürger für Freital). Doch davon merkt er leider nichts. „Wir haben die Baufirmen eindringlichst aufgefordert, so schnell wie möglich zu arbeiten“, sagt Inge Nestler, Referentin des Oberbürgermeisters. Täglich würden Beauftragte den Fortschritt der Bauarbeiten überprüfen.

Freitals Baubürgermeister Ulrich Kretzschmar (CDU) ist sich bewusst, dass die Vielzahl der Baustellen für die angespannte Verkehrssituation in der Stadt verantwortlich ist. Doch er sieht sich in der Zwickmühle. „Hauptsächlich sind es Versorgungsleitungen, die noch in Folge des Hochwassers verlegt werden müssen“, sagt Kretzschmar. Sämtliche Unternehmen wollen das noch bis zum ersten Frost erledigt haben. Parallel dazu soll ab Dienstag auch noch die Fahrbahndecke der Poisentalstraße erneuert werden. Zwei Wochen lang droht eine halbseitige Sperrung mit Ampelregelung.

Mit den Baustellen ist auch die grüne Welle in Freital im Sande verlaufen. Die Ampelschaltungen ständig anzupassen, dafür hat keiner das Geld. „Wir werden in den nächsten Tagen die Schaltzeiten an der Dresdner Straße aber noch etwas optimieren“, sagt Kretzschmar. Grundsätzlich werde sich bis Mitte November an der gegenwärtigen Verkehrssituation in der Stadt aber nichts ändern, meint der Baubürgermeister hilflos. Mit einer ausgeklügelten Koordination sämtlicher Baumaßnahmen ist das Rathauspersonal wohl überfordert.

Oberbürgermeister Klaus Mättig (CDU) hat jetzt ein Licht am Ende des Tunnels angezündet und eine zusätzliche Stelle für einen Bauingenieur ausgeschrieben, der für die Planung und Koordination der Baustellen verantwortlich gemacht werden soll. Selten zuvor wurde jemand so sehnsüchtig in Freital erwartet.