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Freital tut sich mit Unternehmen schwer

Die Stadt profitiert enorm von den Gewerbesteuern. Aber sie engagiert sich offenbar nicht genug, um Firmen anzusiedeln.

Von Matthias Weigel

Wenn Unternehmen in Freital wegen einer möglichen Ansiedlung anklopfen, sollten ihnen eigentlich alle Türen offen stehen. Schließlich fließt die Gewerbesteuer komplett in die Stadtkasse. Das sind derzeit um die zehn Millionen Euro im Jahr. Mehr dürfte es immer sein: Nicht nur wegen der langen Liste an nötigen Investitionen – Freital ist auch hinter Städten wie Meißen, Bautzen oder Freiberg zurück.

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Doch ganz offensichtlich liegt in Sachen Wirtschaftsförderung einiges im Argen. Größere Neuansiedlungen sind kaum zu verzeichnen. In den letzten Jahren wanderten vereinzelt Firmen ab. Von Unternehmern wird gar hinter vorgehaltener Hand berichtet, dass sich eine Kontaktaufnahme zu Entscheidern zuweilen schwierig gestalte. Und stimmiges Stadtmarketing – auch im Sinne von Standortwerbung – ist für Freital im Gegensatz zu anderen Kommunen bisher ein Fremdwort.

Wozu das führt, zeigt sich gerade am neuen Technologiezentrum. Erkannt hatten es Stadtspitze und Stadträte dabei sehr wohl, dass Freital ein paar neue, gut ausgestattete und preiswerte Gewerbeflächen brauchen könnte. Für die 25 Millionen Euro Baukosten, gut 19 Millionen davon vom Freistaat, gab es obendrauf noch den Technologiepark auf dem Areal der einstigen Windbergarena. Was nützt aber ein schicker Bau, wenn er nicht aktiv beworben und vermarktet wird? Man muss kein Experte sein, um zu wissen, dass das bei der Konkurrenz zu den umliegenden Städten kein Selbstläufer ist. Im Gründerzentrum konnten zwar mit viel Anstrengung der städtischen Betreiberfirma TGZ GmbH bereits gut 20 Prozent ausgelastet werden. Um endlich zu den gewünschten Erfolgen zu kommen, ist aber mehr nötig. Das haben inzwischen auch die ersten Stadträte begriffen. So fordern Linke und „Bürger für Freital“, dass nachgebessert wird. Konkrete Ideen bleiben sie aber noch schuldig.

Dabei wäre eine einheitliche Linie dringend nötig. Stattdessen blockt die Stadtspitze nun plötzlich noch weitere Investitionen in das Technologiezentrum, die ihm zu mehr Attraktivität verhelfen sollten. Auch personell ist man nicht auf einem stringenten Weg in ausreichender Besetzung. Da stellt die SPD nun ob der Lage noch den Posten des TGZ-Geschäftsführers zur Debatte, den derzeit Freitals Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz (parteilos) parallel mit inne hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass Projektmanager Alexander Karrei – neben der Sekretärin der einzige Angestellte der TGZ GmbH – im Herbst auch noch Chef der Projektentwicklung FPE wird. Damit gehen dem Technologiezentrum weitere Erfahrung und Kräfte verloren. Wobei: Die städtische FPE ist rein formal auch mit Wirtschaftsförderung betraut. Personal für diese Sparte gibt es aber auch dort keins.

Die Verantwortung für die Defizite in der Wirtschaftsförderung sieht die FDP vor allem bei OB Klaus Mättig (CDU), der auch dem Aufsichtsrat der TGZ GmbH wie auch dem der FPE vorsitzt. Mättig bremse Entscheidungen und Mitarbeiter aus, räume dem Thema keinen hinreichenden Stellenwert ein. Gerade einmal 45 000 Euro im Jahr stünden zur Verfügung. Das sage alles.

Allein Geld wird nicht reichen

Dass sich immer was verbessern lässt, sagt auch der OB. Er sehe sich aber nicht in der Kritik, schließlich habe man mit Kitas, Schulen, Infrastruktur und Bauplätzen gute Rahmenbedingungen geschaffen sowie Handwerk und Mittelstand gefördert, äußerte er bereits früher. Illusionen, nur mit Geld für Wirtschaftsförderung die großen Würfe zu machen, sieht Mättig nicht.

Zuletzt hatte das Rathaus aber einen wirtschaftlichen Referenten eingestellt, nachdem vor Jahren die Strukturen zerschlagen worden waren. Doch der Mitarbeiter kümmert sich nicht, wie es der Name vermuten ließe, rein um Wirtschaftsförderung – sondern vor allem um die kommunalen Beteiligungen und Firmen. Im Herbst soll das Thema nun samt personeller Entscheidungen im neuen Stadtrat behandelt werden. Dann steht sowieso die weitere Umstrukturierung für die städtischen Firmen auf der Agenda. In dem Zuge könnte man auch die Probleme lösen.