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Freitaler AfD-Stadtrat wieder vor Gericht

Thomas Prinz soll Straftaten vorgetäuscht und Menschen falsch verdächtigt haben. Am Urteil ist auch eine Versicherung interessiert.

Angeklagter Prinz (l.): „Von Russen und Arabern überfallen.“
Angeklagter Prinz (l.): „Von Russen und Arabern überfallen.“ © Annett Heyse

Der Mann scheint am Tag nach der Landtagswahl noch voll im Wahlkampfmodus zu sein: Vor Gericht sitzt Thomas Prinz in einer blauen Jacke mit nicht zu übersehendem AfD-Parteilogo. 

Doch vor dem Amtsgericht in Dippoldiswalde geht es nicht um Politik, sondern um gemeine Kriminalität. Der Freitaler Stadtrat ist angeklagt, weil er Straftaten vorgetäuscht und mit seiner Lebensgefährtin eine Versicherung betrogen haben soll. Wie kam es dazu?

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Prinz, der im Mai dieses Jahres für die AfD in den Freitaler Stadtrat einzog, erscheint am 15. Oktober 2014 auf dem Freitaler Polizeirevier. Er gibt zu Protokoll, dass er an jenem Abend zur Total-Tankstelle an der Poisentalstraße zu Fuß unterwegs war. An zwei Krückstöcken, denn er hat eine Wirbelsäulenverletzung und sitzt zeitweise im Rollstuhl. Nahe der Hinterstraße soll er von zwei Männern angesprochen worden sein, angeblich Russen. Die hätten ihn nach dem Weg zum Bahnhof gefragt. Plötzlich habe ihn einer mit der Hand ins Gesicht geschlagen, sodass er rückwärts gegen einen Zaun getaumelt sei. Dann habe man ihm sein Tablet weggenommen. 

Warum er das Gerät überhaupt dabei hatte, das sich angeblich schon seit Juni 2014 nicht mehr starten ließ, bleibt sein Geheimnis. Fakt ist, seine Lebensgefährtin, die nun wegen Betrugs mitangeklagt ist, zeigt gleich am nächsten Tag das Tablet als gestohlen bei der Versicherung an. Die Assekuranz ist fix und erklärt sich noch am selben Tag bereit, den Schaden von knapp 300 Euro zu begleichen. Die Ermittlungen zu den angeblichen Räubern allerdings verlaufen ergebnislos.

Verwirrung um die Tablets

Fall Nummer zwei verläuft ähnlich. Am 7. November 2016 fährt Thomas Prinz mit seinem Mercedes spätabends zum Parkplatz an der Kegelbahn „Alle Neune“ nahe dem Stadion des Friedens. Er will dort seine beiden Hunde Gassi führen. Nein, er habe zu dem Zeitpunkt dort niemanden wahrgenommen, sagt er später der Polizei. „Wenn da jemand gewesen wäre, hätten sich die Hunde gemeldet“, steht im Protokoll, welches er unterschrieben hat und das vor Gericht gegen den Willen der Verteidigerin vorgelesen wird. Gerade aus dem Auto raus, sei Prinz plötzlich von zwei Männern, augenscheinlich Araber, angesprochen worden. 

Dann geht alles ganz schnell: Einer der beiden soll ihn vor die Brust gestoßen haben. Der Körperbehinderte geht zu Boden, die Araber entreißen ihm den Beutel mit dem Tablet und fliehen zu Fuß . So erzählt er es auf dem Polizeirevier, wo er kurz darauf in Tränen aufgelöst und leicht verwirrt erscheint. Immerhin schafft er es mit dem eigenen Auto bis dorthin. Das Tablet wird wiederum von seiner Lebensgefährtin als gestohlen gemeldet und von der Versicherung ersetzt. Wieder geht es um 300 Euro. Aber war es wirklich so? Einer der Tat bezichtigten Männer, den Prinz auf einem Foto „zu 100 Prozent wiedererkannt hat“, wird in Haft genommen. Er bestreitet die Tat, hat jedoch ein dünnes Alibi. Zur Aufklärung des Falls kann er aber nichts mehr beitragen – 2017 wird der Asylbewerber in sein Heimatland abgeschoben.

Doch auch ohne seine Aussage ist man bei der Versicherung skeptisch geworden, ebenso bei der Polizei. Denn beide Tablets fand die Polizei bei einer Hausdurchsuchung nach Anzeige Nummer zwei. Die Geräte sind nun beschlagnahmt. Prinz gab an, nach dem Überfall an der Kegelbahn zunächst vermutet zu haben, das Tablet sei ihm geklaut worden. Erst später habe er es dann zu Hause gefunden.

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