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Freitaler Fusion beschäftigt die Sportszene

Die Meinungen der anderen Klubs der Weißeritzregion zum Vereins-Großprojekt schwanken.

„Man sollte große Ziele haben, aber mit einem geduldigen Plan“, sagt Kai Starke, Spielertrainer der SG Wurgwitz.
„Man sollte große Ziele haben, aber mit einem geduldigen Plan“, sagt Kai Starke, Spielertrainer der SG Wurgwitz. © Andreas Weihs

Mit viel Aufmerksamkeit nahm die regionale Sportgemeinde das jüngste SZ-Interview mit Jörg Schneider, dem designierten Präsidenten des ab 1. Juli neu entstehenden Mehrspartenvereins SC Freital (SCF), zur Kenntnis. Allein durch die zu erwartende Anzahl an Mitgliedern und die nun gemeinsame Fangemeinde von Hainsberger SV, Motor Freital und FV Blau-Weiß Stahl Freital liegt es nahe, dass vor allem der Weg der SC-Fußballer wohl unter besonderer öffentlicher Beobachtung stehen wird.

Erstaunlich konkret und mutig formulierte Schneider im Interview die Ziele der Vereinsführung in puncto Fußball für die kommenden Jahre. Gemessen an der Einwohnerzahl gehört Freital schon längere Zeit zu den zehn größten Städten Sachsens, nun will man auch in Deutschlands beliebtester Sportart eine größere Rolle im Freistaat spielen. Die Pläne für die erste SCF-Mannschaft, die ab der neuen Saison als Aufsteiger in der Landesliga startet, gehen dabei laut Jörg Schneider über die sechste Liga hinaus. Das Fernziel lautet Regionalliga, auch wenn der zukünftige SCF-Präsident zu bedenken gibt, das hierfür „nicht nur Wollen, sondern auch Glück“ von Nöten sein werden.

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Doch was bedeutet die Neugründung für die kleinen Nachbarvereine im Weißeritzumfeld? Immerhin fusionieren durch Stahl und Hainsberg die beiden bis dato ohnehin schon sportlich besten Freitaler Herren-Teams. Darüber hinaus hat der SCF künftig dank seiner Zweiten Mannschaft in der Landesklasse, der Dritten in der Kreisoberliga und der Vierten in der Kreisklasse noch ein gehöriges Spielerpotenzial im Schlepptau.

Die Leistungsschere zwischen den Freitaler Fußball-Abteilungen, zumindest im Herren-Bereich, droht damit noch weiter auseinanderzugehen. Diese Ansicht teilt auch Jörg Schneider, der am Rande des Interviews die Frage, ob es zumindest in näherer Zukunft seinen Fußballern in der Großen Kreisstadt an Konkurrenz mangeln würde, bejahte.

Er würde es auch aus diesem Grund befürworten, wenn mehr Vereine den Weg einer Fusion gehen würden. Doch bis dahin dürfte es ein langer Weg sein – selbst die letztlich überraschend reibungslos verlaufene Hochzeit von Hainsberg, Motor und Stahl kostete weit über ein Jahr an Planungszeit.

Die SZ hat sich unter den Klubs aus Freital und der Weißeritzregion umgehört, wie sie die aktuellen und mögliche künftige Entwicklungen im hiesigen Fußballsport einschätzen. Kai Starke, Spielertrainer der SG Wurgwitz, sagt: „Ich finde, man sollte große Ziele haben, aber mit einem geduldigen Plan. Fünf Jahre wären aus meiner Sicht ein realistischer Zeitraum.“ Der Wechsel von Sebastian Null aus Hainsberg nach Wurgwitz, eventuell laut Starke nicht die einzige SG-Neuverpflichtung aus dieser Richtung, zeigt, das man durchaus auch extern von der Fusion profitieren kann.

Steffen Schütz, Vorsitzender des SV Pesterwitz, erklärt: „Als Sportinteressierter und ehemaliger Fußballer bin ich natürlich auf den Weg des SCF gespannt. Alle Voraussetzungen für positive Entwicklung sind vorhanden. Ich wünsche mir allerdings, das die kleinen Freitaler Vereine in Zukunft in der Stadt nicht hintenanstehen und auch weiterhin ihre eigenen Ziele verwirklichen können.“ Marcus Oddoy, Spielertrainer aus Kesselsdorf, spricht mit Blick zum SCF von einer „Mammutaufgabe, alles organisatorisch zu händeln. Vier Männermannschaften sind auch außergewöhnlich, die wollen erstmal über das erste Jahr hinaus bei der Stange gehalten werden. Grundsätzlich jedoch ist die Fusion mit ihren sportlichen Möglichkeiten eine gute Sache für die Region.“

Leicht kritische und mahnende Worte kommen aus Dippoldiswalde von Mirko Gietzelt, dem Mannschaftsleiter des FSV: „In Sachen Fußball sind so eine Fusion und die formulierten Ziele auf jeden Fall mutig. Wird auf jeden Fall eine spannende Geschichte, die für Freital meiner Meinung nach aber zehn Jahre zu spät vollzogen wurde. Heidenau, Bischofswerda oder aktuell Nordhausen sind Beispiele, dass ein solches Konstrukt bei ausbleibenden Geld aber auch schnell zusammenstürzen kann.“

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Erstaunlicherweise werden die kritischen Töne mit zunehmender Distanz nach Freital immer größer, wie die Aussage vom Altenberger Mannschaftsleiter Martin Bachmann verdeutlicht: „Erstmal in der Landesliga etablieren finde ich schon ambitioniert. Die zu erwartenden Kollateralschäden bei den umliegenden Vereinen, Bannewitz verliert zum Beispiel drei Stammspieler, finde ich bedauerlich.“ (SZ)

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