SZ +
Merken

Freitaler Porzelline gerettet

Kölner Unternehmen kauft Traditionsbetrieb. Neuer Eigentümer will die bekannte Marke zumErblühen bringen.

Teilen
Folgen

Von Peter Hilbert

Für Peter Nicolai war Montag ein Freudentag. Der Porzellanmaler kann wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken. Die Dresdner Porzellan-Manufaktur in Freital ist nach dreijähriger Insolvenzphase verkauft, teilt Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde mit. „Das Porzellan und die Manufaktur sind ein wesentlicher Teil meines Lebens“, bekennt Nicolai, der seit 31 Jahren im Betrieb arbeitet. Sein Engagement während der zurückliegenden Zeit der Ungewissheit hat sich ausgezahlt.

„Die Porzelliner haben meine Aufforderung, die Insolvenz als Chance und nicht als Ende zu begreifen, engagiert umgesetzt und damit einen wesentlichen Anteil zum Erhalt ihrer Manufaktur beigetragen“, lobt die Insolvenzverwalterin die Belegschaft. Angebote zur Übernahme hat es mehrere gegeben. Erst Anfang 2005 waren ziemlich weit fortgeschrittene Verkaufsverhandlungen gescheitert.

Geschäfte laufen gut

Nun gibt es einen neuen Eigentümer: die Geschwister Hillebrand GmbH aus Köln-Bergheim. Die international tätige, renommierte Bau- und Investmentgruppe plane, die Märkte der Porzelline kräftig auszubauen. Zudem werden besonders beim Absatz Synergieeffekte mit den anderen keramischen Unternehmen der Gruppe erwartet. „Das schlüssige Zukunftskonzept mit der notwendigen Investitionsbereitschaft waren es schließlich, die den Ausschlag für diese Entscheidung gaben“, erläutert Schmudde. Gemeinsam mit ihren Rechtsanwaltskollegen Martin Heidrich und Andreas Hiecke hat sie es geschafft, den Betrieb bis zum Verkauf durch die Insolvenz zu führen. Ihr Büro, die bundesweit agierende White & Case Insolvenz GbR, hat sich auf Sanierungen von insolventen Betrieben spezialisiert. Nun kann sie einen weiteren erfolgreichen Fall verbuchen. Überglücklich ist auch Porzelline-Geschäftsführer Gunther Seifert. Zuerst natürlich über den geglückten Verkauf. Aber auch sonst laufen die Geschäfte gut. Er ist gerade erst von einer Geschäftsreise aus Japan zurückgekommen. Im Tokioter Nobelkaufhaus Wako konnte der Traditionsbetrieb seine Kunst bei einer Verkaufsausstellung präsentieren. Unterm Strich war die Aktion ein Erfolg. Er freue sich nicht nur über den guten Absatz, sondern auch über neue Geschäftskontakte.

Umso optimistischer blickt er nun auf die Zukunft der Porzelline. „Es ist alles in trockenen Tüchern. Wir sind zuversichtlich, dass es jetzt aufwärts geht“, sagt er. Die neue Eigentümerin Katharina Hillebrand sei fest entschlossen, der 133-jährigen Freitaler Porzellan-Tradition über innovatives Marketing und globalen Vertrieb neue Impulse zu geben. So soll trotz der schwierigen Marktbedingungen das meisterliche Freitaler Kunsthandwerk wieder richtig zum Erblühen gebracht werden.

Der Porzellangestalter Peter Nicolai will seinen Teil dazu beitragen, genau wie die anderen 18 Mitarbeiter. Sie werden alle übernommen. „Jedes gefertigte Stück Porzellan ist auch ein Teil meiner selbst“, schwärmt Nicolai.