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Freitaler wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt

Christian S. soll mit einer 13-Jährigen geschlafen haben. Der 21-Jährige sagt, es sei einvernehmlich gewesen.

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Von Andrea Schawe

Was er sich damals genau gedacht habe, daran kann sich Christian S. nicht mehr erinnern. „Es ist einfach passiert“, sagte der 21-Jährige. Der Freitaler musste sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf Christian S. vor, im Juli 2013 Sex mit einer 13-Jährigen gehabt zu haben.

„Das stimmt auch“, sagte der Dachdeckerlehrling. „Allerdings dachte ich, sie wäre 14 oder 15.“ Der damals 19-Jährige habe Natalie im Juni 2013 im Internet kennengelernt. Im Chatraum eines Onlinespiels hätten sie sich unterhalten. „Wir fanden uns sympathisch und haben uns getroffen.“ Weil sie nicht wussten, was sie sonst tun sollten, seien sie in seine Wohnung gegangen und haben einen Film geschaut. „Ich habe ihr gesagt, wenn sie was will, muss sie den ersten Schritt machen“, erzählte S. vor Gericht. „Dann kam eins zum anderen und wir hatten Sex.“ Der sei einvernehmlich gewesen. Auch danach haben sie sich weiter getroffen, „wir waren ein Paar“. Das änderte sich erst auf der Geburtstagsfeier des Angeklagten im Juli 2013. Dort habe er sich mit seiner Freundin gestritten, mit der er schon seit mehreren Jahren zusammen war. „Sie hat das mit Natalie herausgefunden und mir gesagt, dass sie erst 13 ist“, sagte Christian S. Er trennte sich daraufhin von Natalie. „Ich wollte mit meiner Freundin zusammenbleiben.“ Mittlerweile ist er mit der 25-Jährigen verlobt.

„Wieso sind Sie dann noch einmal zu Natalie gegangen?“, fragte Xaver Seitz, der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts. Sie sei mit der Trennung nicht einverstanden gewesen und habe ihn noch einmal treffen wollen, „um mir ein Geburtstagsgeschenk zu geben“, so der Angeklagte. In der Wohnung ihrer Eltern habe er erneut mit ihr geschlafen. Das ist auch der Tatbestand der Anklage. „Da wussten Sie aber schon, wie alt sie ist“, fragte der Richter. „Ja“, sagte S. „Ich habe nicht darüber nachgedacht.“ „Wussten Sie über die gesetzlichen Bestimmungen Bescheid?“ „Nein, das habe ich erst im Nachhinein erfahren, als ich bei der Polizei war.“

In der über 1 000 Seiten füllenden Akte ist auch davon die Rede, dass Christian S. massiv Gewalt angewendet haben soll, damit es zum Sex kommt, so der Richter. Natalie habe bei der Polizei ausgesagt, sie habe blaue Flecken gehabt. Eine ärztliche Untersuchung, die der Richter in der Verhandlung verlas, bestätigte das nicht. Auch die Staatsanwaltschaft hatte darauf verzichtet, das anzuklagen. Der Mitschnitt eines Chats, den Natalie am gleichen Tag mit einer Freundin führte, ließ den Richter ebenfalls nicht daran zweifeln, dass der Sex einvernehmlich geschah. „Chris war gerade da!! Kreisch Kreisch“, schrieb Natalie. „Mein Sofa riecht nach seinem Deo. Wir haben es wieder getan!! Es war geil!“

Die Staatsanwaltschaft sah den Tatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern bestätigt. „Der Angeklagte hat die Tat eingeräumt“, sagte die Staatsanwältin. „Es bleibt dabei, er war 20 Jahre alt und sie war 13, also ein Kind.“ Sie beantragte den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu einer Geldstrafe von 800 Euro zu verurteilen, weil „der Sachverhalt gewisse Reifedefizite bei ihm zeigt“.

Das Jugendschöffengericht folgte dem nicht. „Ich kann diese Defizite nicht feststellen“, sagte Richter Xaver Seitz. „Sie treten wie ein Erwachsener auf und verhalten sich auch so. Das muss ich deutlich sagen.“ Allerdings ging das Gericht von einem minderschweren Fall aus. Das allgemeine Strafrecht sieht für schweren sexuellen Missbrauch von Kindern Strafe zwischen zwölf Monaten und zehn Jahren vor. Der Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt ist. Außerdem muss er 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.