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Freitals Halden halten

Wolkenbrüche hatten die frisch sanierten Deponien verwüstet. Die Sanierung kostete die Stadt Freital 275 000 Euro.

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© Andreas Weihs

Von Jane Jannke

Kahl ist sie noch, die Paul-Berndt-Halde in Döhlen. Und genau das wurde dem frisch sanierten Wismut-Erbstück im letzten Jahr zum Verhängnis. Als es im Mai 2014 mitten im Sanierungsprozess gleich mehrfach zu sintflutartigem Platzregen kam, gab es weder Gras noch Bäume, die den frisch aufgeschütteten Erdmassen hätten Halt geben können. Schäden in sechsstelliger Höhe allein im Bereich der Altablagerung der Paul-Berndt- sowie der Kettenberghalde, die in städtischer Hand liegen, waren die Folge.

Um weitere Schäden zu vermeiden, musste das Rathaus handeln. Im März hatten die Arbeiten zur Reparatur der Halden und zum teilweisen Neubau der Entwässerungsanlagen begonnen. 275 000 Euro musste die Stadt dafür in die Hand nehmen; 75 Prozent davon trägt der Freistaat, den die aufwendige Altlastensanierung der Paul-Berndt- und der Kettenberghalde bereits über drei Millionen Euro gekostet hatte. Seit Ende Mai sind nun beide städtischen Haldenabschnitte fit für Regenmengen, die statistisch alle 50 Jahre auftreten.

14 Liter in einer Viertelstunde waren am 13. Mai 2014 einfach zu viel für die Haldenentwässerung, die hinter dem Edelstahlwerk in den Hüttengrundbach führt. Hinzu kam, dass es in den folgenden beiden Wochen zwei weitere Wolkenbrüche gab, die dem Haldenboden den Rest gaben. „Die vorhandenen Gräben und Wälle hatten dem nichts entgegenzusetzen“, sagt Jens Knopsmeier vom städtischen Bauamt. Tonnen von Geröll hatten die Sturzfluten von den Hängen in die Entwässerungssysteme am Fuße der Halden gespült, die binnen kürzester Zeit völlig zu waren. Weil diese die Wassermassen nun nicht mehr aufnehmen konnten, suchten die sich ihren Weg in nahe gelegene Gartengrundstücke und auf das Werksgelände der Firma Metallbau Weiß.

Derartige Unbilden sollen künftig der Vergangenheit angehören. Entstanden ist ein komplett neues Haldenentwässerungssystem. „Die alte Anlage war lediglich auf ein fünfjähriges Starkregenereignis ausgelegt“, erklärt André Baumann vom Ingenieurbüro Geos. Stellt sich angesichts der zurückliegenden beiden schweren Hochwasserereignisse die Frage, warum man die Latte in Sachen Regenschutz nicht von vornherein höher legte. Just diese Frage hatte auch im Stadtrat für Argwohn gesorgt, nachdem der kräftige Nachbesserungsbedarf bekannt geworden war.

„Die ursprüngliche Haldenentwässerung war eigentlich nur temporär für die Dauer der Sanierung angedacht“, erklärt Jens Knopsmeier von der Stadt. Unter normalen Umständen reiche die völlig aus. Allerdings habe zuletzt das Verhältnis nicht mehr gestimmt: „Wir hatten in den letzten Jahren zwei 100-jährige Starkregenereignisse, mit denen so keiner gerechnet hatte. Dem wurde nun Rechnung getragen.“

In insgesamt vier Bauabschnitten wurde zunächst das beschädigte Material entfernt. Mit einer einen Meter dicken Schicht aus Dichtungsmaterial und Rekultivierungsboden wurden Altablagerung und Kettenberghalde zudem frisch gedeckt und abgedichtet; zerstörte Wege neu instand gesetzt. Erhaben angelegte Jutematten wirken über den Hang verteilt wie kleine Wälle, die dem Oberflächenwasser die Energie nehmen. „Sie machen das Gelände zudem erosionssicher, bis sich eine feste Grünschicht gebildet hat“, so Knopsmeier.

Zu Tal stürzende Wassermassen sammeln sich künftig in einem erweiterten Grabensystem, das nun größere Wassermengen aufnehmen und auch ableiten kann. Vorher waren die Gräben in den natürlichen Untergrund eingelassen, jetzt wurden sie mit Mörtel und Steinen befestigt, um schnelle Erosion zu verhindern. Einzelne Störsteine und ein Riegelsystem wirken zu hohen Fließgeschwindigkeiten entgegen. Ein Regenrückhaltebecken am Langen Rain fängt die Wassermassen auf und leitet sie kontrolliert ab. Damit habe man im Bereich der Halden einen guten Sicherheitsstand erreicht, so Knopsmeier. Wenn nun noch der gerade erst angesäte Haldenwald wächst, wird sich die Erosionsproblematik in wenigen Jahren auf natürliche Weise erledigt haben.