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Freude am gezielten Sammeln weitergeben

15. Lausitzer Mineralienbörse vereint am Sonnabend in der Energiefabrik Knappenrode 40 Teilnehmer aus fünf Ländern

Die Lausitzer Mineralienbörse findet in diesem Jahr zum 15. Mal statt. Sie gibt Einblicke in die vielfältige Entstehungs-, Farben- und Formenwelt der Mineralien. Wilfrid Sauer zeigt hier einen Amethyst aus dem Erzgebirge.
Die Lausitzer Mineralienbörse findet in diesem Jahr zum 15. Mal statt. Sie gibt Einblicke in die vielfältige Entstehungs-, Farben- und Formenwelt der Mineralien. Wilfrid Sauer zeigt hier einen Amethyst aus dem Erzgebirge. © Foto: Andreas Kirschke

Knappenrode. Minerale sind zu Stein gewordene Schönheiten – und Raritäten. „Weltweit gibt es 5 500 Mineral-Arten (laut aktuellem Stand 2019). Mindestens 1 000 davon sind erst in den vergangenen zehn Jahren von Sammlern und Forschern entdeckt worden. Jedes Jahr kommen neue Minerale hinzu“, weiß Wilfrid Sauer. Er war viele Jahre, bis 2015, Vorsitzender der Bezirksgruppe Ostsachsen der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie (VdFMG). Diese lädt für den jetzigen Sonnabend zur 15. Lausitzer Mineralienbörse ein. Über Motivationen und Inhalte sprachen wir mit dem Lohsaer.

Herr Sauer, welche Tradition hat die Lausitzer Mineralienbörse?

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Von 1991 bis 1999 bestand eine Mineralienbörse in Cottbus. Sie wurde aus Kostengründen eingestellt. Es war die einzige große Mineralienbörse in der Lausitz. Unsere Bezirksgruppe, sie besteht seit 1964, sagte sich: „Versuchen wir es. Übernehmen wir doch die Mineralienbörse.“ 2005 fand sie erstmals statt. Wir wollen damit das Vereinsleben aktivieren. Wir ermöglichen den Erfahrungsaustausch.

Was motiviert Sie?

Ursprünglich ging es uns vor allem um den Austausch von Mineralien. Damals nahmen fast nur Vereinsmitglieder teil. Das ist heute anders. Über die Hälfte der Teilnehmer kommen von anderen Vereinen. Wichtig ist uns heute vor allem der Erfahrungsaustausch. Wir wollen zudem bei Jugendlichen Freude und Begeisterung für das Hobby „Mineraliensammeln“ wecken; wir wollen Anerkennung und Wertschätzung für das Hobby wecken; wollen von der Freude am gezielten, jahrelangen Sammeln anderen etwas weitergeben.

Wie viele Teilnehmer sind dabei?

2019 sind es 40 Aussteller. Sie kommen aus Deutschland, Polen, Tschechien und sogar bis aus Pakistan und China. 15 Aussteller gehören zu unserem Verein. 25 Aussteller kommen aus anderen Vereinen und Gruppen, unter anderem aus Potsdam, Strausberg, Pirna, Aue, Suhl, Lahntal im Sauerland; ja, sogar aus Prag.

Worauf können sich die Besucher der Mineralienbörse freuen?

Sie können edle Steine und Fossilien aus aller Welt näher betrachten, bestaunen, tauschen und kaufen. Unter fachkundiger Anleitung können die Besucher symbolisch Gold waschen. Sie können zudem Steine schneiden und Steine schleifen. Für die Besucher lohnt außer der Mineralienbörse der Besuch der Ausstellungen „Schätze der Erde“ (in der Waschkaue), „Feuerstätten“ (in Fabrik 3) und „Braunkohlen-Tiefbau“ (hinter dem Tertiärwald).

Wie wichtig ist der Erfahrungsaustausch für die Teilnehmer?

Sehr wichtig. Die Teilnehmer können sich austauschen über Fundstellen, über Kaufmöglichkeiten, über die verschiedensten und vielfältigsten Arten der Mineralien und über die Bearbeitung. Wer kann schon von sich aus sagen, wie zum Beispiel eine Achat-Geode von innen aussieht? Diese Erfahrung lernt man nur durch Börsen und im Verein kennen.

Jede Sammlung ist einzigartig ...

Gewiss. Jeder Sammler hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Zugang zu diesem Hobby, seine eigenen Verbindungen und Kontakte in die Welt. Davon zu erzählen und abzugeben – das ist das Anliegen der Lausitzer Mineralienbörse.

Was spornt Sie selbst zum Mineraliensammeln an?

Ich sammle seit 1964 Mineralien. Den Anstoß gab mir mein Vater Martin Sauer. Er arbeitete früher im Braunkohlen-Werk (BKW) Glückauf, zunächst als Hauer in Mortka, später als Arbeitsdirektor in Knappenrode und dann als Technischer Leiter im Tagebau Lohsa. Mein Vater wiederum war zum Sammeln angeregt worden durch seinen Onkel, Professor Dr. Adolf Sauer (1852-1932). Dieser verfasste 75 Publikationen geologischen, mineralogischen und geographischen Inhalts. Er erstellte zudem 27 geologische Messtisch-Blätter. Ich selbst habe bis heute rund 11 000 Mineralien gesammelt. Ich habe sie alle sorgfältig nummeriert, gewogen, gemessen, kartiert und dokumentiert.

Was fasziniert Sie am Sammeln?

Die Freude am selber Suchen und Finden; am selbst Bestimmen, Bearbeiten und Dokumentieren. Dank des Hobbys bin ich viel draußen in der Natur. Ich lerne Land und Leute, andere Kulturen und Sprachen kennen, ebenso Tier- und Pflanzenarten. Diese Erfahrung in der Natur ist durch kein Forschen im Zimmer zu ersetzen. Für mich ist es sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Zusammensein mit Gleichgesinnten, Entdeckungsreise in die Natur. Ein selbst gefundener Bergkristall ist viel schöner als ein teuer eingekaufter Bergkristall.

Gibt es auf der Börse Lausitzer Funde?

Ja. In erster Linie werden das Achate, Jaspis, Bergkristalle, Bernsteine und Gipskristalle sein. Darüber hinaus stellen wir Minerale aus Lausitzer Granitbrüchen aus, wie zum Beispiel Feldspat, Flussspat, Quarz und Glimmer. Ebenso zeigen wir zur Lausitzer Mineralienbörse aus der Oßlinger Grauwacke gewonnene Minerale wie Anatas, Quarz, Chlorite, Siderite, Phyrrotin, Galenit und Adular.

Noch ein Wort zur Bezirksgruppe. Wie ist sie aufgestellt?

Unsere Bezirksgruppe entstand am 4. April 1964 im Museum Hoyerswerda. Ihre Gründer waren Herbert Purschke, ein Bibliothekar, und Karl-Heinz Forth, ein Mitarbeiter des Wohnungsbaus Hoyerswerda. Noch im selben Jahr kamen weitere Mitglieder hinzu: Dietrich Neuber, Martin Sauer, Reinhard Sauer, Hans Hedusch und Eva Floch. Somit hatte die Betriebsgruppe der Mineralogen im Wohnungsbaukombinat sieben Mitglieder. Daraufhin folgte die Aufnahme in den Kulturbund der DDR. Bereits 1966 gab es engen Kontakt und Zusammenarbeit mit Sammlern in Polen.

Und heute?

Heute sind wir rund 80 Mitglieder. Jüngstes Mitglied ist Jan Temmert aus Lohsa mit zwölf Jahren. Die ältesten Mitglieder sind Rudi Berger (93) und Siegfried Pohl (89), jeweils aus Hoyerswerda. Insgesamt kommen unsere Mitglieder längst nicht mehr nur aus dem Raum Lohsa und Hoyerswerda. Sie kommen heute bis aus Bautzen, Weißwasser, Cottbus, Dresden, Senftenberg, Lauta, Ruhland, Neschwitz, Göda und Oppach. Unsere Bezirksgruppe organisierte seit ihrer Gründung immer wieder Vorträge, Ausstellungen und Führungen in der Energiefabrik. Seit 2005 organisiert sie jetzt auch die Lausitzer Mineralienbörse mit internationaler Beteiligung. Geplant für November ist eine weitere Ausstellung. Ihr Thema heißt „Alles ist Gips“. Dabei geht es unter anderem um Ursprung, Entstehung, Arten, Vorkommen und Nutzbarkeit von Gips in aller Welt.

Was erhoffen Sie sich von der diesjährigen Mineralienbörse?

Erst einmal hoffe ich für die Börse auf gutes Wetter. Dann kann sie weitgehend draußen stattfinden. Ebenso hoffe ich auf viel Besuch. Jahr für Jahr will unsere Bezirksgruppe die Mineralienbörse beständig und kontinuierlich weiterführen. Das ist mit der Energiefabrik Knappenrode so abgestimmt. Der Termin für nächstes Jahr steht schon fest. Die Mineralienbörse findet dann am 1. August 2020 statt.

Die 15. Lausitzer Mineralienbörse findet am 17. August (Sonnabend) von 10-16 Uhr in der Energiefabrik Knappenrode (Ernst-Thälmann-Straße 8) statt. Für Kinder und Familien gibt es Angebote wie Minerale schneiden, Minerale schleifen, symbolisch Gold waschen. Infos:

www.sachsen-mineralien.de

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