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Freude bei den freien Schulen

Nach einem Gerichtsurteil dürfen Privatschulen auf mehr Geld vom Freistaat hoffen. Jetzt schmieden sie Pläne.

Von Christoph Scharf, Manuela Reuß und Annett Kschieschan

Ein Wunder Gottes! Anders kann sich Andreas Kecke das jüngste Gerichtsurteil nicht erklären. Und es ist ja tatsächlich auch ein wenig verwunderlich, dass gerade Linke, Grüne und SPD sich beim Verfassungsgerichtshof für eine bessere Finanzierung der freien Schulen einsetzten. „Ausgerechnet gegen eine christliche Regierungspartei“, sagt der Pfarrer von Königswartha, der gleichzeitig im Vorstand des Evangelischen Schulvereins im Kreis Bautzen sitzt. „Wo doch die Mehrheit der freien Schulen einen christlichen Hintergrund hat.“

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Das hat die Privatschulen im Freistaat allerdings nicht vor jahrelangen finanziellen Einschnitten geschützt – die mit dem jüngsten Urteil aus Leipzig wohl bald Geschichte sind. Denn die Verfassungsrichter monierten, dass die derzeitige Regelung der Zuschüsse für freie Schulen nicht der Verfassung entspricht. So sei die Höhe der Sachkostenzuschüsse nur „frei geschätzt“ worden. Spätestens bis Ende 2015 muss die Finanzierung nun neu geregelt werden.

Der SPD-Kreisvorsitzende Stefan Brangs fordert, dass das noch vor der Landtagswahl geschieht. „Damit die Benachteiligung freier Schulen endet.“ Jede freie Schule im Kreis sei unverzichtbar.

Freie Schulen als Sparmodell

Die Träger der insgesamt 15 freien Schulen im Landkreis (siehe Karte) verbinden mit dem Urteil große Hoffnungen. „Wir erwarten eine finanzielle Gleichbehandlung mit den staatlichen Schulen“, sagt Andreas Kecke, Vorstandsvorsitzender der Paulus-Schule Königswartha. Die gab es in den vergangenen Jahren nicht einmal annähernd. „Die freien Schulen waren das große Kostensparmodell schlechthin für den Staat!“

Ähnlich sieht man das beim Trägerverein der Freien Schule Schwepnitz. „Natürlich haben wir, wie alle anderen Freien Schulen auch, auf ein positives Urteil gehofft“, sagt Vorstandsmitglied Claudia Hiller. Die Finanzierungslücke, um die es geht und die jetzt aufgefüllt werden muss, wurde in Schwepnitz bisher durch Spenden und viel persönliches Engagement aller Beteiligten abgefedert. „Viele Handwerker haben uns ihre Leistungen gesponsert oder Teile ihrer Rechnungen erlassen. Dafür sind wir unheimlich dankbar. Wir sind inzwischen gut ausgestattet, aber auch zukünftig wird es immer wieder Anschaffungen geben, die getätigt werden müssen“, so Claudia Hiller. Wichtig sei auch die Angleichung der Gehälter der Lehrer. „Wir haben ein bestens ausgebildetes und sehr engagiertes Lehrerkollegium. Die Entlohnung ist jedoch ein sehr wichtiger Punkt dafür, dass wir diese Lehrer auch an unserer Schule halten können“, sagt sie. Bildung kostet Geld, das wissen vor allem die, die sich für Freie Schulen engagieren. Es sei ein Trauerspiel, dass erst Parteien oder Bürgerinitiativen klagen müssen. Das Urteil sei wohl eine schallende Ohrfeige für die Landesregierung, schätzt man im Vorstand der Schwepnitzer Schule ein und setzt umso mehr auf den „kleinen Wandel im Kultusministerium“. Trotzdem liege der Sachkostenzuschuss nach wie vor „sehr deutlich“ unter dem der staatlichen Schulen.

Ähnlich sieht es Liane Grötschel, Schulleiterin der Evangelischen Oberschule Oßling. Freie Schulen bekämen nur knapp die Hälfte der Sachkosten, über die staatliche Schulen verfügen, sollen aber bessere pädagogische Arbeit leisten. Natürlich freue sie sich über das Urteil, so die Schulleiterin. „Aber für uns ist das eine zweischneidige Angelegenheit.“ Zum einen habe man jede Menge Ideen, wie man das Geld am besten einsetzen könne. Allerdings seien die zwei Jahre, bis es die Mittel geben soll, eine lange Zeit, „in der wir in der Schwebe hängen“. Zum Glück verfüge die Schule über viele Sponsoren und regionale Unterstützer. „Sonst wäre das kaum machbar.“

Mehr als 2 400 Kinder betroffen

Das Thema betrifft allein im Landkreis Tausende Familien: Laut Sächsischer Bildungsagentur besuchen aktuell mehr als 2 400 Kinder die 15 freien Schulen im Kreis. Vor zwei Jahren waren es gerade mal gut 1 900 – da gab es die Angebote in Bernsdorf, Königswartha und Hochkirch noch nicht.

Künftig droht ein Kampf um die besten Lehrkräfte, sagt Beigeordneter Steffen Domschke, beim Landkreis Bautzen für die Schulnetzplanung verantwortlich. „Das größte Problem der Schulen für die langfristige Entwicklung ist es, sich dauerhaft gutes Personal leisten zu können.“ Durch das neue Gerichtsurteil hätten freie Schulen dafür bessere Chancen. „Das ist ein positives Signal auch für den Landkreis.“

Finanzielle Auswirkungen gebe es beim Landkreis allenfalls beim Thema Schülerbeförderung – da macht es aber keinen Unterschied, ob die Dorfschule von einem Verein oder von der öffentlichen Hand betrieben wird. Andreas Kecke von der Paulus-Schule Königswartha sieht sogar einen Vorteil durch die freien Schulen. „Ohne uns wären die Fahrtkosten auf dem Land noch höher und die Fahrzeiten länger.“ Nun hofft er, dass der Freistaat die geforderten Änderungen bald umsetzt. „Damit wir bald ordentlich in die Zukunft investieren können.“ Das wünscht man sich auch in Schwepnitz und Oßling.Auf ein Wort