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Freude bei den freien Schulen

Nach einem Gerichtsurteil dürfen Privatschulen auf mehr Geld vom Freistaat hoffen. Jetzt schmieden sie Pläne.

Von Susanne Sodan, Marleen Hollenbach und Matthias Weigel

Die Erleichterung ist groß an den vier freien Schulen der Region. Sachsens Linke, Grüne und SPD haben sich gemeinsam beim Verfassungsgerichtshof für eine bessere Finanzierung der freien Schulen durchgesetzt. Die Einrichtungen mussten wie die anderen in Sachsen seit Jahren mit Einschnitten leben. Die Verfassungsrichter monierten, dass die derzeitige Regelung der Zuschüsse für freie Schulen nicht der Verfassung entspricht. So sei die Höhe der Sachkostenzuschüsse nur „frei geschätzt“ worden. Spätestens bis Ende 2015 muss die Finanzierung nun neu geregelt werden.

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Das Ganze betrifft immerhin weit über 500 Schüler, die an der Best Sabel Mittelschule Freital, dem Evangelischen Gymnasium Tharandt, der Regenbogen Grund- und Mittelschule Rabenau und der Evangelischen Grundschule Grumbach lernen. Alle vier sind staatlich anerkannt. Mit dem Urteil können die Schulen zumindest erst einmal aufatmen. Was es aber genau bedeutet, ist offen. „Vielleicht erfahren wir Schulleiter in der jetzt geplanten Zusammenkunft bei der Bildungsagentur etwas“, sagt Andreas Frister von der Sabel-Schule in Freital. Erstaunlich sei es aber schon, dass das Urteil die Unrechtmäßigkeit der Kürzung bestätigte und sie dennoch erst in so langer Zeit wieder geändert werden soll. Die Kürzung sei damals hingegen sehr schnell umgesetzt worden. Das zusätzliche Geld könnte die Schule gut gebrauchen, die Kalkulation jetzt ist knapp. „Um welche Summen es da geht, wissen wir noch nicht. Aber das Geld würden wir für Investitionen in Lehrmaterial, Schulmöbel und auch für die Anhebung der Lehrergehälter verwenden“, sagt Frister.

Soziale Ungerechtigkeit geschürt

Verhaltene Freude herrschte bei der DPFA Akademiegruppe GmbH, zu welcher auch die Regenbogenschule in Rabenau gehört. „Wir hatten diese Urteilsverkündung überhaupt nicht erwartet, sind aber positiv überrascht“, erklärt Geschäftsführerin Catrin Liebold. Auch sie warte aber nun auf klare Ansagen. „Wir wollen wissen, ab wann die Änderungen wirklich gelten und was in der Zwischenzeit passiert“, so Liebold. Das zusätzliche Geld soll auf jeden Fall den Schulen zugutekommen.

Erleichterung auch am Evangelischen Gymnasium Tharandt und der Evangelischen Grundschule Grumbach. Den Tag der Urteilverkündung hatte man dort bereits Wochen im Voraus mit Spannung erwartet. „Ich hoffe, dass der Freistaat jetzt bald auf die freien Träger zukommt, um ein transparentes und vor allem stabiles Finanzierungskonzept zu erarbeiten“, erklärt Achilles Markert vom Trägerverein der beiden Schulen. Schließlich soll die Erziehung und Bildung junger Menschen im Vordergrund stehen und nicht finanzielle Fragen. „Wenn man ständig um Rahmenbedingungen kämpft, gehen Nerven und Energie verloren, die wir lieber in die Bildung stecken wollen“, erklärt Markert.

Zu hohe Luftsprünge macht er jedoch nicht. „Bis mehr Geld zur Verfügung stehen könnte, dauert es noch zwei Jahre und das wird eine harte Zeit.“ Bisher sind die beiden Schulen schon auf Spenden angewiesen, wenn es darum ging, größere Projekte zu stemmen. „Andere Schulen werden in einem Jahr saniert. Bei uns geht so was nur scheibchenweise. Wir müssen äußerst streng im Voraus planen“, erzählt Markert. Sollte es in Zukunft mehr Geld geben, soll dies in die Ausstattung und weitere Sanierung investiert werden. Aber auch Eltern und Schülern würden von einer verbesserten Finanzierung direkt profitieren. An beiden Einrichtungen wird Schulgeld verlangt. Hinzu kommen derzeit noch Gebühren für Lernmittel – die dann entfielen.

Wäre das Urteil nicht zugunsten der freien Träger ausgefallen, hätte dies eine Verschärfung bestehender Probleme bedeutet, ist sich Markert sicher. „Viele finanziell schwache Familien treten wegen der hohen Kosten doch gar nicht an Schulen in freier Trägerschaft heran“, erklärt er. „Sie trauen sich auch nicht, nach einem Erlass des Schulgeldes zu fragen. Würde die Finanzierung der freien Schulen auf festen Beinen stehen, könnte man solche Fälle auch viel besser unterstützen.“ Aber bis es so weit ist, haben die freien Schulen noch einen weiten Weg vor sich. Markert hofft auf eine Regelung, die endlich Ruhe schafft im ewigen Gezerre ums Geld.