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Freude über die neue Wasserleitung

Bischofswerda. Vor 90 Jahren entstanden im Verein „Morgensonne“ die ersten Schrebergärten in der Stadt. Dem Ereignis widmet die SZ eine Serie.

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Von Verena Mann

Bereits 1918 beschäftigte sich die Mitgliederversammlung des Schrebervereins Bischofswerda mit einer Erweiterung der Anlage. Das geht aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung vom 11.12.1918 hervor. Damals informierte der Vereinsvorsitzende Pfarrer Theodor Rietz darüber, dass sich der Vorstand mit einem Schreiben an den Stadtrat gewandthabe, um eine Erweiterung der Anlage zu erreichen. Der Bescheid der Stadt Bischofswerda war zu dem Zeitpunkt negativ. Allerdings stellte man eine mögliche Vergrößerung für die Zeit nach dem Kriege in Aussicht. Doch bis zur tatsächlichen Erweiterung sollten noch fast zehn Jahre vergehen. Erst 1929 war es soweit. Zu den anfangs 45 Gärten kamen, bis zum heutigen Gang 5 reichend, noch 34 Gärten dazu. Also gab es an der Stolpener Straße damit 79 Kleingärten. Allerdings hatte sich bereits 1922 ein zweiter Gartenverein in Bischofswerda etabliert. An der alten Bautzener Straße entstanden die ersten Gärten der heutigen Anlage „Höhenland“.

Zu Mitgliederversammlungen oder Vorstandssitzungen nutzte der Verein im Wechsel die Lokale Bürgergarten, Eintracht und Germania, auch das geht aus alten Unterlagen hervor.

Zur Erweiterung der Gartenanlage kam es, betrachtet man das zeitgeschichtliche Umfeld, immer dann, wenn es den Menschen wirtschaftlich nicht besonders gut ging. Zur Zeit der Gründung brachte der Krieg Not und es herrschte Mangel an Nahrungsmitteln. 1929 steckt auch Deutschland mitten in Inflation und Wirtschaftskrise. Ein statistisches Blatt aus dem Jahre 1937 gibt einen Überblick über die Beschaffenheit des Vereins „Morgensonne“. Daraus erfährt man nicht nur, dass der Vereinsführer – wie damals, dem Zeitgeist des Nationalsozialismus folgend, der Vorsitzende genannt wurde – Rudolf Börner hieß. Er wohnte auf der Dresdner Straße und war Mitglied der NSDAP. Die Anlage erstreckte sich zu dem Zeitpunkt über 16 334 Quadratmeter, es gab einen Spielplatz von 800 Quadratmeter Größe und auch ein Vereinsheim war vorhanden. Der Pachtpreis pro Quadratmeter betrug damals zwei Pfennige.

Eine dritte Erweiterung der Anlage „Morgensonne“ wird 1940 begonnen. Zu dem Zeitpunkt war der Zweite Weltkrieg schon im vollen Gange. Damals wurden auf der ehemaligen Schutt- und Aschedeponie, die sich auf der rechten Seite der Straße in Richtung Weickersdorf befand, mit der Erschließung des Landes für Gartenzwecke begonnen. Es dauerte aber bis 1944, ehe die neuen 17 Gärten eingeweiht werden konnten. Eine nochmalige Erweiterung erfolgte in den Jahren 1947/48. Ein Teil der hinter der Kleingartenanlage in Richtung Weickersdorf gelegenen, bereits stillgelegten Gärtnerei Schneider kam hinzu. Am Gang 6 konnten sich 13 neue Gartenbesitzer darauf freuen, künftig selbst frisches Obst und Gemüse ernten zu können. Im Jahre 1947 erwarb der Verein eine vormals vom Arbeitsdienst genutzte Baracke. Diese wurde von der Putzkauer Straße in die Anlage Stolpener Straße umgesetzt. Otto Grundmann hatte damals wesentlichen Anteil daran, dass sich die Vereinsmitglieder nun ein Spartenheim aufbauen konnten. Die Baracke wurde 1960 nochmals umgestellt und bekam an der jetzigen Stelle, in der Mitte der Anlage gelegen, ihren Platz. Eine wichtige Verbesserung für alle Kleingärtner, die zu DDR-Zeiten als Sparte im Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) vereint waren, war die Erneuerung der Wasserleitung im Jahre 1971. Wolfgang Wiltgrupp gehörte zu den Organisationstalenten in der Sparte, die das mit dem Fleiß und Einsatz der meisten Mitglieder bewältigten. Gartenfreunde erinnern sich noch gut an diese Zeit. Vor allem die Materialbeschaffung sei zum großen Teil recht abenteuerlich gewesen. Denn Baumärkte, wie wir sie heute kennen, in denen ein gut sortiertes Warenangebot bereit stand, gab es zu DDR-Zeiten leider nicht. So musste auch hier oftmals das Große „B“, wie Beziehungen helfen. Im Jahre 1985 bekam die Sparte nochmals Zuwachs. Auf dem Gelände der früheren Gärtnerei Teichert (gleich hinter dem jetzigen Arbeitsamt) wurden nochmals 13 Gärten angelegt.

Heute umfasst die Anlage des Vereins „Morgensonne“ 109 Gärten, davon ist zurzeit nur einer frei. Mittlerweile ist die Gesamtfläche der Anlage auf stolze 3,2570 Hektar angewachsen.

Eine grundhafte Sanierung und Renovierung des Vereinslokales, so wie es heute bekannt ist, gab es 1993. Damals bekam das Vereinshaus den Anbau und eine WC-Anlage. Zu schaffen waren all die Verbesserungen und Verschönerungen wieder nur Dank des Einsatzes vieler emsiger Gartenfreunde. Die Kleingartenanlagen waren zu jeder Zeit auch eine Stätte der Begegnungen. Hier war mehr Gemeinsamkeit vorhanden, als sich über Gurken, Salat, Radieschen und Kartoffeln auszutauschen oder über das fachgerechte verschneiden der Rosen zu plaudern. Man feierte gemeinsame Vereinsfeste, organisierte Spiel, Spaß und Sport für die Kinder und für die ganze Familie. Ein Blick in die Vereinsunterlagen und Fotoalben des Bischofswerdaer Vereins „Morgensonne“ belegt das nachdrücklich.Schluss der Serie

Teil 1 der SZ-Serie erschien am 17. November auf Seite 17, Teil 2 am 25. November auf Seite 17.