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Freude über offene Grenze

Drei Monate nach Schließung der Grenze zu Polen wegen Corona ist alles wieder wie zuvor. Doch oft nur auf den ersten Blick.

Die Grenzen zwischen Polen und Deutschland sind auf und einkaufen auf dem Wochenmarkt im polnischen Leknica ist möglich. Doch die Kundschaft ist überschaubar.
Die Grenzen zwischen Polen und Deutschland sind auf und einkaufen auf dem Wochenmarkt im polnischen Leknica ist möglich. Doch die Kundschaft ist überschaubar. © Sabine Larbig

Bad Muskau/Leknica. Auf der Grenzbrücke zwischen Bad Muskau und der polnischen Nachbarstadt Leknica rollt wieder der Verkehr, spazieren Menschen hin und her. Im binationalen Fürst-Pückler-Park kommen Spaziergänger von einem Teil der Welterbestätte nun in den anderen, weil seit der Öffnung der polnischen Grenzen in der Nacht vom 12. zum 13. Juni die Parkbrücken nicht mehr gesperrt und von polnischem Militär bewacht sind. Alles scheint normal. Doch Corona hinterließ Spuren: sichtbare und unsichtbare.

Fakt ist, dass deutsche Touristen und Kunden wieder da sind, Freizeit- und Einkaufsangebote auf polnischer Seite nutzen. „Wir kommen seit vielen Jahren einmal im Monat zum Einkaufen und Tanken hier auf den Markt. Umso glücklicher sind wir, dass es nun wieder möglich ist und unsere Stammhändler noch da sind“, erzählt Rentnerehepaar Neumann aus Klein Saubernitz. Froh, wieder nach Polen fahren zu können, ist auch ein Ehepaar aus Elsterwerda. „Wir gehen in Leknica regelmäßig zum Tierarzt und Friseur, tanken und kaufen ein, weil es billiger als in Deutschland ist“, bekennen sie.

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Noch sind in Gaststätten, Baumärkten, Apotheken, Praxen, Tankstellen und auf dem Markt von Leknica viel weniger Deutsche als vor Corona. Auffällig ist auch, dass viele Geschäfte und Stände, die es vor drei Monaten gab, nun geschlossen sind. Jene, die Grenzschließung und das Ausbleiben deutscher Kunden durch Corona wirtschaftlich überlebten, haben oft noch Winter- und Frühjahrsware im Angebot, weil Geld für Neuware nicht reichte und daher auf Abverkauf gesetzt wird. Sichtbar geringer als einst sind auch die Angebote.

 „Wir haben in den letzten Monaten nichts verdient. Das war eine Katastrophe. Auch, weil wir noch immer auf beim Staat beantragte Hilfe warten. Obwohl wir monatlich Nachweise bringen mussten, sind viele Anträge noch unbearbeitet, gab es keine Geldauszahlungen“, erzählt eine Händlerin. Ihren Namen will sie nicht sagen. „Wir hoffen alle, dass so eine Zeit wie Corona nicht zurückkommt. Aber ich bin auch froh, dass wir überhaupt noch unseren Stand haben“, bekennt die junge Frau. „Unser Angebot und das vieler anderer Händler, ist momentan noch nicht so groß, weil wir Angst hatten, zu viel einzukaufen. Wir wussten ja nicht, ob die deutschen Kunden gleich wieder kommen. Zum Glück sind sie da und ich glaube, in einer Woche werden die Angebote wieder besser sein und auch wieder mehr Kunden auf den Markt kommen. Ganz Leknica, nicht nur der Markt, braucht die deutschen Kunden und Touristen.“

Auf sie setzen auch der Betreiber und die fünf Mitarbeiter vom „Café O‘la“. Das moderne Lounge-Café mit selbst gebackenen Torten, selbst gemachtem Eis, Souvenierartikeln, regionalem Bier und Wein entstand in den letzten Monaten, sollte im März öffnen. Dann kam Corona und das Café, das an Stelle drei einstiger Geschäfte entstand, blieb zu. Nun hat es täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Apropos. Dass die Grenzen wieder geöffnet sind, ist für viele Polen die in Deutschland leben, arbeiten oder Verwandte haben, eine riesige Erleichterung. Sie konnten zuletzt nicht arbeiten oder mussten, oft von Familien getrennt, in Deutschland bleiben. „Endlich kann ich meine Tochter und meinen jüngsten Enkel, den ich noch nicht sah, in Hamburg besuchen“, so eine Blumenverkäuferin erleichtert.

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