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Freude und Sorgen beim Dampflok-Club

2018 sind rund 2 500 Gäste mehr als im Vorjahr mitgefahren. 

Auch die Sonderzüge des LDC zum Weihnachtsmarkt nach Breslau und zum Niederschlesischen Christkindlmarkt nach Görlitz (im Bild) wurden von sächsischen Gastlokomotiven gezogen.
Auch die Sonderzüge des LDC zum Weihnachtsmarkt nach Breslau und zum Niederschlesischen Christkindlmarkt nach Görlitz (im Bild) wurden von sächsischen Gastlokomotiven gezogen. © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Weißwasser. Auf Erfolgskurs ist der Lausitzer Dampflok-Club (LDC) – und das trotz einer immer noch fehlenden eigenen Dampflok. Aber die Sonderzüge rollen mit Gastlokomotiven und dank einer „Regulären Sicherheitsbescheinigung“ neuerdings ohne Beschränkung durch ganz Deutschland, Polen und Tschechien. Wir sprachen über das vergangene Jahr und die absehbare Entwicklung mit Werner Donath, dem Vorsitzenden des LDC.

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Herr Donath, wie zufrieden sind Sie mit der abgelaufenen Saison?

Sehr zufrieden. Wir verzeichnen 7 700 Reisende bei unseren eigenen Sonderzugfahrtangeboten und dazu kommen weitere 1 100 Reisende bei Charterfahrten. Vier Fahrten waren ausgebucht, darunter die Sonderzüge zu den Weihnachtsmärkten nach Breslau, Görlitz und Prag. Um alle Wünsche erfüllen zu können, mussten wir zusätzliche Reisezugwagen anmieten. Es ist also niemand auf dem Bahnsteig stehen geblieben.

Allerdings haben Sie auch Sorgen. Wie steht es um die beiden vereinseigenen Dampfloks?

Die aus Hoyerswerda stammende Personenzugdampflokomotive 35 1019-5 steht noch immer in Chemnitz, wo sie 2017 verunfallte. Allerdings im Dampflokmuseum in Chemnitz-Hilbersdorf und damit geschützt vor Wind und Wetter. Für diese Hilfe der dortigen Eisenbahnfreunde sind wir sehr dankbar. Die Versicherungen haben sich noch immer nicht zu dem Unfall positioniert, weil die Schuldfrage weiter unklar ist. Was heißt, es ist noch kein Cent geflossen. Wir haben inzwischen einen Kostenvoranschlag für die Instandsetzung der 35er-Lok beim ehemaligen RAW (Reichsbahnausbesserungswerk) Meiningen eingeholt. Einschließlich Unfallschaden und der ohnehin erforderlichen Hauptuntersuchung sind wir da auch schon wieder bei einer Million Euro. Als LDC sind wir damit natürlich völlig überfordert.

Woher könnte, außer von den Versicherungen, Geld fließen?

Betreffs der 35er-Dampflok haben wir im Freistaat Sachsen beim Denkmalamt angefragt. Die Lok gehört nach wie vor nach Sachsen und wurde nur im Rahmen einer Leihgabe im Bergbaumuseum Knappenrode gegen eine 52er Dampflok von uns getauscht. Die 52er wird dort für immer verbleiben. In Sachsen werden auch bewegliche technische Denkmäler gefördert. Beste Beispiele sind die Waldeisenbahn Muskau oder nun das ganz große Ding: Die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde in Löbau erhalten durch einen Zuwendungsbescheid aus altem SED-Vermögen 800 000 Euro für die Aufarbeitung und Wiederindienststellung einer 52er-Dampflok. Schon im kommenden Sommer wird sie wieder Sonderzüge ziehen.

Haben Sie in Brandenburg auch schon mal nachgefragt, ob das Land helfen könnte?

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer kommt aus der Oberlausitz, dort schlägt vielleicht auch sein Herz für die Eisenbahn. Unser Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke kommt aus Forst. Für den LDC nebenan in Cottbus hat er nichts übrig. Wir saßen mit ihm und weiteren führenden SPD-Genossen an einem Tisch. Heraus kam dabei, dass das Land Brandenburg einen Lohnzuschuss für die Lokführer von Gastlokomotiven in Höhe von 3 000 Euro zur Verfügung stellen könnte. Wir wollten über eine Million Euro verhandeln, plus/minus in diesem finanziellen Bereich. Damit unsere D-Zuglokomotive 03 2204-0 endlich wieder auf die Gleise kommt.

Wie ist es um diese Lok bestellt?

Es geht auf der Tippel-Tappel-Tour voran. Der Kessel wird 2019 neu berohrt, die Finanzierung ist gesichert. Die Hälfte davon stammt aus der „Spendenkanne“ in den Sonderzügen, also von unseren Reisenden. Ihnen gilt dafür ein besonderer Dank!

Der LDC hat jetzt freie Fahrt in ganz Deutschland, Polen und Tschechien. Woraus resultiert diese Zuerkennung?

Aus einer „Vorläufigen Sicherheitsbescheinigung“ wurde am 11. Oktober 2018 eine „Reguläre Sicherheitsbescheinigung“. Sie hat eine Gültigkeit von fünf Jahren, also bis 2023. Damit sind wir der DB AG oder privaten Eisenbahnunternehmen wie der Odeg gleichgestellt. Nur noch ein zweiter Verein wie wir hat in Deutschland dieses Zertifikat, das sind die „Treysaer Eisenbahnfreunde“ in Hessen.

Wie steht es zukünftig um Fahrten von Dampfloksonderzügen des LDC auf der neuen Niederschlesischen Magistrale? Haben Sie Kenntnis, dass auch andere Betreiber von Dampfloks und Sonderzügen wieder zunehmend durch Hoyerswerda fahren werden?

Wir nutzen bislang die Niederschlesichse Magistrale vor allem zwischen Uhsmannsdorf, dem Güterbahnhof und dem Anschlussgleis Bahnhof Horka für unsere Sonderzüge von Cottbus nach Breslau. Das ist für uns die kürzeste und schnellste Verbindung geworden. Auch bezüglich der Wassernahme. Wasserkräne gibt es nicht mehr, da müssen also überall die Freiwilligen Feuerwehren ran. Das klappt in Horka zum Beispiel sehr gut.

Was versprechen Sie sich von der Niederschlesischen Magistrale ansonsten?

Natürlich schnuppern an so einer gewaltigen Neubaubahnstrecke auch andere private Eisenbahnunternehmen und Vereine mit ihren Loks und ihrem historischen Reisezugwagenbestand. Ich glaube, das muss sich auf so einer Dimension von neuen Gleisen alles erst einmal einspielen. Wir haben auch eine Fahrt vorbereitet und es wird nicht die letzte sein, das kann ich hier schon vorab mal versprechen.

Wohin wird diese gehen?

Am 3. August 2019 zur 12. Historik Mobil ins Zittauer Gebirge. Voraussichtlich wird unser Sonderzug da aber von einer Diesellok „V 100“ gezogen. Im Sommer ist bei ausgerufenen Waldbrandwarnstufen der Einsatz von Dampflokomotiven verboten. Es sei denn, es regnet vorher tage- und nächtelang.

Wie steht es um Reiseangebote 2019?

Wir haben 20 Sonderzugfahrten zusammengestellt. Damit das Interesse der Reisenden geweckt bleibt, haben wir neue Ziele im Angebot. Zum einen sind es Fahrten wie nach Poznan, wo wir schon über zehn Jahre nicht mehr gewesen sind, nach Franken in das Dampflokmuseum Neuenmarkt-Wirsberg, nach Königinhof/Dvur Kralove an der Elbe und Weihnachtsmärkte werden wir 2019 in Quedlinburg und Leitmeritz/Litomerice in Tschechien anfahren. Dank der Zusammenarbeit mit „Flügelradtouristik Dresden“ können wir schöne Ziele besonders in Böhmen anbieten. So war der gemeinsame Sonderzug nach Doksy/Hirschfeld im Herbst besonders gefragt. Kein Wunder, der Machasee galt einst für DDR-Urlauber als Paradies. Das ganze Programm gibt es unter www.LDCev.de.

Die Preise für die Sonderzugfahrten sind gestiegen. Wie begründen Sie das?

Zum einen in den Überführungsfahrten der angemieteten Lokomotiven, dafür müssen wir Geld an die DB AG als Streckenbetreiber bezahlen, auch das Fahrpersonal ist nicht in jedem Fall kostenfrei. Hinzu kommen steigende Preise für Betriebskosten wie Kohle und Wasser. Auch die Feuerwehren betanken die Dampfloks nicht mehr zum spendablen Preis von einem Kasten Bier. Da kommen schon mal Summen zusammen, die zwischen 6 000 und 10 000 Euro liegen, ehe der Sonderzug überhaupt losfährt. Deshalb drängen wir natürlich darauf, dass wir selbst wieder eine Dampflok in Betrieb nehmen können. Dazu kommt die Hauptuntersuchung aller elf Reisezugwagen, über die wir verfügen. Das kostete uns auch eine Viertelmillion Euro. Unser Reisezug verfügt übrigens über 500 Plätze.

Die Dampflokfreunde scheinen mit dem LDC im letzten Jahr aber allesamt recht zufrieden gewesen zu sein. Und die vielen Reisenden auch. Wie sehen Sie das?

Ich glaube schon. Zumal wir das Servicepersonal in unserem Zug auch verjüngt haben. Die langjährigen Mitstreiter gehen eben auch einmal in die „LDC-Rente“, wenn ich das spaßeshalber so mal sagen darf. Und ich freue mich, dass so wie bei unserer Sonderzugfahrt zum Weihnachtsmarkt nach Breslau auch viele junge Leute dabei waren, so aus Horka und Niesky, aus Cottbus und Spremberg und Weißwasser. Sie bekundeten, dass so ein Dampfloksonderzug für sie ein völlig neues Erlebnis sei. Auf der Rückfahrt von Breslau haben sie das bestätigt. Mit anderen Worten: Der LDC ist gerade durch junge Interessenten im Aufwärtstrend und dafür sorgen auch unsere ehrenamtlichen Vereinsmitglieder.