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Freunde von Khaled: „Es ist hier zu gefährlich“

Der 20-jährige Asylbewerber wurde mit Messerstichen getötet. Nun erzählen seine Mitbewohner aus Eritrea. Sie haben Angst.

© dpa

Von Christiane Raatz

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Kahle Wände, zwei graue Bettgestelle mit dünnen Matratzen, zwei hohe Schränke, ein kleiner Fernseher – das Zimmer, in dem Khaled gewohnt hat, wirkt karg. Auf dem Bett, in dem der 20-jährige Flüchtling aus Eritrea bis vor wenigen Tagen noch schlief, sitzen mehrere junge Männer, unterhalten sich leise. Seitdem ihr Freund und Mitbewohner am 13. Januar erstochen im Hinterhof der Plattenbausiedlung in der Johannes-Paul-Thilman-Straße gefunden wurde, nur wenige Meter von seiner Wohnung entfernt, haben sie Angst.

„Es ist hier zu gefährlich“, sagt Hbdelwahab, einer von sieben Mitbewohnern, die zuletzt mit Khaled zusammenlebten. Gemeinsam mit anderen berichtet er von Pöbeleien und Angriffen in den vergangenen Wochen, einer wurde angespuckt, der 27-jährige Walid vor wenigen Tagen von einer Gruppe junger Männer mit heißer Flüssigkeit aus einer Thermoskanne übergossen. Auf die Eingangstür der Vierzimmerwohnung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra haben Unbekannte ein Hakenkreuz gemalt. Das wurde mittlerweile entfernt.

Die jungen Männer befürchten wegen dieser Erlebnisse, dass auch der gewaltsame Tod von Khaled eine rassistische Tat gewesen sein könnte.

Das Tatmotiv ist noch völlig unklar

Hintergründe und Motiv der Gewalttat seien noch immer unklar, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern. Die Ermittlungen wegen Totschlags gegen Unbekannt laufen. Politiker hatten appelliert, die Ergebnisse der Untersuchungen abzuwarten. Es war von Anfang an ein rätselhafter Fall. Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, dass nach einem ersten Eindruck vor Ort an der Leiche keine Hinweise auf Fremdeinwirkung festgestellt worden seien. Man habe nur einen offenen Schlüsselbeinbruch gesehen, sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, vergangene Woche. Erst die Obduktion am nächsten Morgen habe ergeben, dass der junge Mann durch Messerstiche in Hals und Brust getötet worden war.

Khaleds Mitbewohner wollen in den nächsten Tagen noch in der Wohnung bleiben, um das Geschehene zu verarbeiten. Aber wenn die Männer aus dem nordostafrikanischen Eritrea an ihre Zukunft denken, wollen sie nur eins: weg. „Viele Leute in Dresden mögen uns nicht.“ Mit einem dringenden Hilferuf haben sich die jungen Asylbewerber an Stadt, Politik, Polizei und Bürger gewandt. „Wir brauchen schnelle Hilfe“, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben.

Die Männer beklagen, dass es kaum Austausch mit Dresdnern oder Initiativen gibt, zudem sei es für Flüchtlinge schwierig, Sprache und Kultur kennenzulernen. „Weil wir in einer Umgebung leben, in der niemand mit uns sprechen will.“

Noch unsicherer fühlen sie sich, seitdem jeden Montag Anhänger der Pegida-Bewegung durch die Straßen ziehen. Auch der Ausländerrat Dresden berichtet von Musliminnen, die sich mit Kopftuch kaum noch auf die Straße trauen.

Der Wunsch nach einer Chance

Seit der 20-Jährige tot aufgefunden wurde, betreuen Sozialarbeiter der Stadt und der Arbeiterwohlfahrt seine sieben Mitbewohner verstärkt. „Wir sind mit den Flüchtlingen im Gespräch und werden uns gemeinsam mit ihnen über das weitere Verfahren abstimmen“, sagte Stadtsprecher Kai Schulz auf Anfrage. Auch die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) hat die Wohngemeinschaft schon besucht. Khaleds Freunde und Mitbewohner sind sich einig: „Wir wünschen uns einfach eine Chance, hier Fuß fassen zu können, uns zu bilden und hier zu arbeiten.“ (dpa, lex)

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