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Friedensburg versteigert

Ein Unternehmer aus Westsachsen erhält für zwei Millionen Euro den Zuschlag. Wohnen kann er dort noch nicht.

© Arvid Müller

Von Ines Scholze-Luft

Offensichtlich hatte das Amtsgericht Dresden mit größeren Unruhen gerechnet. Im Schaukasten am Saal C 301 hing neben der Ankündigung des Zwangsversteigerungs- termins für die Radebeuler Friedensburg ein Blatt mit knallharten Hinweisen. Von Personenkontrollen war dort die Rede. Und von zwei Wachtmeistern des Gerichts, die während der Versteigerung für Ordnung und Sicherheit sorgen sollten.

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765 Quadratmeter Wohnfläche, ein großes hallenartiges Treppenhaus mit Atriumcharakter, ein großer schöner Park mit Swimmingpool: Die Friedensburg in Radebeul. Der Unternehmer Oliver Kreider aus Hartmannsdorf bei Chemnitz ersteigerte sie gestern für zwei M
765 Quadratmeter Wohnfläche, ein großes hallenartiges Treppenhaus mit Atriumcharakter, ein großer schöner Park mit Swimmingpool: Die Friedensburg in Radebeul. Der Unternehmer Oliver Kreider aus Hartmannsdorf bei Chemnitz ersteigerte sie gestern für zwei M © Jürgen-Michael Schulter

Die Kontrollen blieben aus, was keinen der über 30 Schaulustigen und Interessenten ärgerte. Die Wachtmeister waren zwar da. Mit strengem Blick, wenn ein eigentlich verbotenes Handy klingelte. Doch sonst gab es für sie nichts zu tun gestern Vormittag, als es um eine der begehrtesten Radebeuler Immobilien ging.

Offiziell angekündigt war unter der Adresse Obere Burgstraße 6 das denkmalgeschützte Gebäudeensemble „Friedensburg“, ab 2003 aufwendig instand gesetzt und modernisiert, mit gehobener bis stark gehobener Ausstattung, 765 Quadratmetern Wohnfläche, 7.952 Quadratmetern Grundstück und einem Verkehrswert von 1,4 Millionen Euro.

Einen solchen Termin hatte sich Druckereibesitzer Carsten Weinberg als bisheriger Eigentümer der Friedensburg sicher nicht träumen lassen, als er das Anwesen vor elf Jahren kaufte und mit Millionenaufwand sanierte. Später steckte er allerdings in finanziellen Engpässen. Auch sein Plan, in der Friedensburg Eventgastronomie zu etablieren, ging nicht auf. Die weltweite Wirtschaftskrise von 2007/08 habe das zunichte gemacht, Weinberg setzte dann auf Wohnungen, sagte Jana Neumann gestern der SZ. Die Rechtsanwältin vertrat den Schuldner Weinberg bei der Zwangsversteigerung, die unter anderem von Deutscher Bank und Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG ausging.

In seiner Geldnot fand Weinberg Hilfe bei Oliver Kreider, einem vermögenden Immobilienprojektentwickler mit Bürositz in Hartmannsdorf bei Chemnitz. Er lieh ihm eine Million Euro und schloss als Sicherheit einen Kaufvertrag für die Friedensburg ab. Der wurde allerdings nicht vollzogen. Und er verfügte über eine Rücktrittsklausel mit dem Kern: Das Geld fließt nur, wenn die Immobilie ausschließlich fürs Wohnen genutzt werden kann. Genau das ist der Punkt, der die Versteigerung belastete. Der Streit zwischen Friedensburgeigentümer und Stadt. Die will eine Gaststättennutzung, so wie Weinberg sie 2003 in der Baugenehmigung beantragt hatte. Und sie untersagte die ausschließliche Wohnnutzung. Ob Wohnungen oder Gastronomie – der Unterschied ist gewaltig. Das Versteigerungsgutachten nennt bei gastronomischer Nutzung 500.000 Euro, bei Wohnnutzung 2,35 Millionen Euro Verkehrswert. Vor der Versteigerung hatte Kreider angekündigt, er wolle mitbieten. Um sein geliehenes Geld nicht aus der Hand zu geben. Und in der Hoffnung, dass die Auseinandersetzung mit der Stadt zugunsten des Wohnens ausgeht.

Gesagt, getan. Gemeinsam mit seiner Anwältin – Jana Neumann trat in Personalunion nicht nur für Weinberg, sondern auch für Kreider auf –, gab er zum Auftakt der halbstündigen Bieterzeit sein Angebot ab. Als Einziger. Zwei Millionen Euro. Die Gerichtssprecherin verkündete die Summe dann als Meistgebot, das bei Gläubiger- und Schuldnervertreter Zustimmung fand.

Weniger wohl bei denen, die selbst gern mitgeboten hätten. Viel war spekuliert worden, ob die Friedensburg nicht zum Schnäppchen wird, sollten die 1,4 Millionen Euro nicht beim ersten Versteigerungstermin geboten werden. Aber Kreider hatte viel vorgelegt. Anwältin Neumanns Kommentar: Immobilien sind so viel wert, wie Bieter bereit sind zu bieten. Wohnen könne derzeit allerdings niemand dort, auch nicht Herr Kreider. Wegen der Untersagung durch die Stadt.

Doch man sei zuversichtlich, dass das Oberverwaltungsgericht (OVG) fürs Wohnen entscheidet. Ein Urteil werde noch dieses Jahr erwartet. Was umso mehr dränge, weil im Dachbereich erste Reparaturen anfallen, so die Anwältin. Ohne Mieteinnahmen könnte die Friedensburg wieder verfallen wie bis zu dem Zeitpunkt, als Weinberg sie übernommen hatte.

Für die Stadt hat sich durch die Versteigerung nichts geändert, sagt OB Bert Wendsche. Der Wille der Stadträte ist es, die historisch überkommene Gaststättennutzung zu sichern. Ob das gelingt, wird nicht nur das Verfahren vor dem OVG zeigen. Beim Verwaltungsgericht Dresden läuft eine Berufung des Friedensburgbesitzers. In den Baugenehmigungsanträgen hatte er eine Nutzungsänderung von Gastronomie in Wohnen beantragt. Das war abgelehnt worden.