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Friedensrichter lehnt „Tür-und-Angel-Fälle“ ab

Klaus Ahlrichs hat im Jahr 2017 sieben Fälle abgeschlossen. Häufig geht es um den Streit zwischen Nachbarn.

© André Braun

Von Frank Korn

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Hartha. Seine Sprechstunde ist immer gut besucht, sagt Klaus Ahlrichs. Der rüstige Pensionär ist seit 2006 Friedensrichter in Hartha. Er strahlt Gelassenheit aus. Die rührt wohl auch aus seiner beruflichen Vergangenheit. Ahlrichs stammt aus Wuppertal, hat dort in der Sozialrechtsstelle gearbeitet. Vor 13 Jahren ist er mit seiner Frau nach Seifersdorf bei Hartha gezogen. „Dass ich mich für das Amt des Friedensrichters beworben habe, ist reines Hobby“, sagt Klaus Ahlrichs. Es bereite ihm Freude, wenn sich vorher zerstrittene Parteien durch seine Vermittlung wieder vertragen.

Von sogenannten „Tür-und-Angel-Fällen“ will der Harthaer Friedensrichter aber nichts wissen. „Bei mir gibt es keine Tür- und-Angel-Fälle. Das heißt, wer mit seinem Anliegen zu mir kommt, erhält eine Beratung. Ich kläre keine Streitigkeiten nur mal so über den Gartenzaun, weil ich die Leute kenne. Das ist aber oft in den dörflichen Gegenden der Fall“, sagt Ahlrichs.

Im vergangenen Jahr lagen Klaus Ahlrichs 22 Fälle zur Beratung vor. 15 davon konnte er im Gespräch klären. Sieben Fälle wurden verhandelt. Alle Streitparteien einigten sich auf einen Vergleich. Er hört sich zunächst das Problem des Antragsstellers an und berät, welche Möglichkeiten es gibt, die Streitigkeit aus der Welt zu schaffen. Besteht der Antragssteller auf einer Verhandlung, besucht der Friedensrichter die Gegenpartei – wenn es gewünscht wird. Dann macht sich Ahlrichs ein Bild vor Ort. Bei einem Termin mit beiden Parteien wird dann meist ein Vergleich erzielt. „In 90 Prozent der Fälle erzielen wir eine Einigung“, so Ahlrichs. Er mache dann einen Vorschlag, wie der Vergleich aussehen könnte. „Wenn der nicht eingehalten wird, kann er im Amtsgericht eingeklagt werden. Der Betroffene erhält ohne Kosten einen vollstreckbaren Titel“, erklärt der Friedensrichter.

Bei den Fällen, die bei Ahlrichs auf dem Tisch landen, geht es vor allem um Nachbarschaftsstreitigkeiten oder Verstöße gegen die Tierhaltung. Bei den Grundstücksangelegenheiten dreht sich der Streit nicht nur um Sträucher und Bäume, sondern auch um Grenzen. „Zu DDR-Zeiten ist oft ohne Vermessung gebaut worden“, weiß Ahlrichs. Das führe dazu, dass die Gebäude teilweise auf das Nachbargrundstück ragen. „Ich kenne einen Fall, wo der Nachbar sein Haus teilweise abreißen musste“, sagt der Friedensrichter. „Auch heute gibt es noch viele alte Häuser, wo die Grundstücke nicht vermessen sind.“ Die Scheu, eine solche Vermessung durchführen zu lassen, liege an den hohen Kosten, die dafür fällig werden.

Jeden ersten Dienstag im Monat bietet er von 17 bis 18 Uhr eine Sprechstunde im kleinen Sitzungssaal in der ersten Etage des Rathauses an. „Die Sprechstunde kann ohne vorherige Anmeldung von allen Bürgern genutzt werden“, so Ahlrichs. Teilweise rufen die Leute auch bei ihm zu Hause an. Dann verweist er auf die Sprechstunde oder richtet auch einmal einen extra Termin ein. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei sehr gut, so Ahlrichs. Auch mit dem Ordnungsamt tausche er sich regelmäßig aus. „Die Stadt hat die Schiedsamtszeitung abonniert, das erleichtert meine Arbeit sehr“, so Ahlrichs. Zudem ist er Mitglied in der Landesvereinigung Sachsen des Bundes Deutscher Schiedsmänner und -frauen (BDS). Der lädt einmal im Jahr alle Friedensrichter zu einer Versammlung ein.