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Friedersdorfer Flüchtlingskinder erleben ihren ersten Winter

Der Einzug ins neue Heim verlief ruhig. Ein Problem gibt es dennoch: die deutsche Zeit.

© SZ Thomas Eichler

Von Romy Kühr

In dicken, bunten Anoraks toben die Kinder ausgelassen durch den Schnee. Wie muntere bunte Kugeln wirken die fröhlichen Knirpse dabei. Sie lachen und quieken vor Freude. Unter den Kapuzen blitzen wache dunkle Augen hervor. Die Kinder leben seit wenigen Tagen im neuen Asylbewerberheim in Friedersdorf. Sie sind mit ihren Eltern aus Syrien geflüchtet, Schnee haben sie bisher noch nie gesehen. Davon gibt es nun reichlich rund um ihre neue Unterkunft, eine frühere Hotel-Anlage im Rund-um-Markt. Hier sollen Asylbewerber vorrübergehend untergebracht werden, bis über ihren Asylantrag entschieden ist. Anfang Januar sind die ersten Bewohner eingezogen. Das Deutsche Rote Kreuz Löbau (DRK) hat die soziale Betreuung der Flüchtlinge übernommen, wie auch schon in Löbau und Ebersbach-Neugersdorf. Das heißt, das DRK beschäftigt einen Hausmeister, einen Heimleiter und zwei Sozialarbeiter in der Einrichtung. Rund um die Uhr ist jemand vor Ort, so Frau Seeliger.

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Zurzeit leben 24 Menschen in dem Heim – Familien mit Kindern. Sie kommen alle aus Syrien, haben in ihrem Heimatland gute Ausbildungen absolviert, erzählt Frau Seeliger. So ist zum Beispiel ein Tierarzt darunter, eine Erzieherin, ein Schneider. 13 der neuen Bewohner sind Kinder, bald 14. Denn eine syrische Frau soll in der nächsten Woche ihr Baby bekommen. Bislang sind die notwendigen Arbeiten am Haus noch nicht vollständig abgeschlossen. Deshalb können auch noch nicht alle Plätze belegt werden. 59 Bewohner werden maximal hier einziehen. Die Verständigung erfolgt größtenteils auf Englisch. Das sprechen einige der Bewohner sehr gut, sagt Frau Seeliger. Eine Herausforderung ist das auch für Heimleiter Hartmut Stolz. Er ist täglich vor Ort, kümmert sich von morgens bis abends um die Flüchtlinge. Stolz begleitet er sie zum Arzt und bei anderen Erledigungen. Eines der wenigen Probleme, die er dabei festgestellt hat: „An die deutsche Pünktlichkeit müssen sie sich noch gewöhnen.“ Das sei eine Frage der Mentalität, bestätigt auch seine Chefin, Silke Seeliger. „In anderen Ländern wird das nicht so genau genommen. Wenn es heißt, wir treffen uns um neun, dann kann das auch um zehn oder elf sein.“ Das geht hierzulande natürlich nicht. Heimleiter Stolz hat deshalb schon eine besondere Vereinbarung mit den Bewohnern betroffen. „German time, sage ich vorsichtshalber immer dazu, wenn wir eine Uhrzeit ausmachen.“

Die Asylbewerber würden sich sehr anstrengen, alles richtig zu machen, schildert Frau Seeliger. Sehr gewissenhaft würden sie zum Beispiel die Mülltrennung betreiben. Ein Bewohner hat für die anderen Piktogramme auf die Behälter geklebt und sie auf Arabisch beschriftet, damit nichts durcheinandergerät. Auch für das Sauberhalten ihrer Räume, der Küchen und Toiletten seien die Flüchtlinge selbst zuständig. „Das erledigen die Männer“, hat Frau Seeliger einigermaßen erstaunt festgestellt.

Anfeindungen von Einwohnern hat es bisher nicht gegeben, berichtet sie. Angesichts des teils aggressiven Protests gegen die Asylheimpläne im Vorfeld, ist Frau Seeliger erleichtert darüber. Bei einem Tag der offenen Tür hatten Bürger vor dem Einzug der Bewohner die Möglichkeit, das Haus zu besichtigen und sich ein Bild zu machen, wie die Asylbewerber hier leben werden. Da hatte sich zwar auch eine kleine Gruppe radikaler Asylgegner eingefunden, die meisten anderen Besucher seien aber sehr interessiert gewesen, schildert die DRK-Chefin. Vielleicht liegt das auch daran, so Frau Seeliger, dass tatsächlich Familien nach Friedersdorf gekommen sind. Denn in den öffentlichen Versammlungen war im Vorfeld herauszuhören, dass viele befürchten, es kämen nur gewaltbereite junge Männer. „Bisher haben wir nur Familien“, sagt Frau Seeliger. „Und auch die Nächsten, die kommen, sollen Familien sein. Jedenfalls soweit wir das wissen.“

Statt Widerstand sind die DRK-Betreuer in Friedersdorf vielen hilfsbereiten Einwohnern begegnet. Zu einem ersten Treffen Freiwilliger kamen etwa 35 Bürger. „Manche haben konkrete Unterstützung angeboten, andere wollen einfach nur etwas tun“, sagt Frau Seeliger. Eine Frau sammelt zum Beispiel Kleidung, gerade für den Winter. Weitere Helfer werden aber noch gebraucht. Besonders gefragt sind Freiwillige, die bei der Kinderbetreuung helfen. „Bei der großen Anzahl an Kindern wird das nötig sein, wenn die Eltern im Deutschunterricht sind“, so Frau Seeliger. Besonders freut sie sich über eine Gruppe einheimischer Jugendlicher, die von Anfang an ihre Hilfe angeboten hat und regelmäßig ins Flüchtlingsheim kommt. Am vorigen Wochenende, als der erste Schnee fiel, waren die jungen Leute mit den Heimbewohnerkindern auf dem nahen Wacheberg Schlittenfahren. Am Ende gab es lustige Wettfahrten im Schnee zwischen deutschen und syrischen Kindern.