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Friedhofsmauer bekommt ihre Steine zurück

Die kaputte Mauer am Sebnitzer Friedhof kann endlich saniert werden. Die neue Bauvariante ist nur noch halb so teuer.

Von Dirk Schulze

Das Problem drückt seit Jahren. Die untere Mauer um den Sebnitzer Friedhof neigt sich bedrohlich in Richtung Straße. Das rund drei Meter hohe Bauwerk trägt das gesamte Friedhofsgelände. Von hinten reicht das Erdreich bis in eine Höhe von 1,80 Meter an die Mauer heran. Der Friedhof wurde in den 1870er-Jahren angelegt, seitdem steht auch die Mauer, und so lange schiebt der Hang von oben dagegen. Im Jahr 2010 musste wegen akuter Einsturzgefahr sogar schon ein Teil notgesichert werden. An ihrer höchsten Stelle hatte sich die Mauer so weit geneigt, dass sie auf die darunterliegende Friedhofstraße zu stürzen drohte. Fußgänger und Autos waren in Gefahr. Ein Teil wurde daraufhin abgetragen. Trotzdem hat Pfarrer Joachim Rasch bis heute die Sorge, dass die Stützmauer bei starkem Regen einbrechen könnte.

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Eine Lösung war lange Zeit nicht in Sicht. Eine zunächst angedachte Neubauvariante sollte 200 000 Euro kosten. Eine Mauer zum Preis eines ganzen Hauses, das ist aus Sicht von Pfarrer Joachim Rasch nicht vermittelbar. Verschäft wird das Problem dadurch, dass hinter einer Friedhofsmauer natürlich Menschen bestattet sind. „Wir können dort nicht einfach abbaggern“, erklärt Pfarrer Rasch. Das gebiete zum einen die Totenruhe, zum anderen die Pietät gegenüber den Angehörigen. Reichlich 20 Grabstellen befinden sich direkt hinter der Mauer. Sie hätten im schlimmsten Fall umgebettet werden müssen. Die evangelische Kirchgemeinde hat jahrelang nach einer tragbaren und vor allem finanzierbaren Lösung gesucht. Viele Varianten wurden diskutiert und durchgerechnet. Jetzt scheint eine Lösung gefunden. Ein neuer Architekt hat einen Vorschlag erarbeitet, der technisch weniger aufwendig ist und auch weniger kostet.

Rund 90 000 Euro sind im Kostenvoranschlag kalkuliert. Das ist nicht einmal halb so viel wie in einer früheren Variante. Teurer werden kann es trotzdem noch, erklärt Pfarrer Joachim Rasch. Schließlich wisse vor dem Freilegen des beinahe 150 Jahre alten Fundaments niemand, wie dessen Zustand tatsächlich ist.

Bei der neuen Variante wird die Mauer selbst den Hang nicht mehr halten müssen, das übernimmt eine Unterkonstruktion aus Stahlbeton. Äußerlich soll die neu gebaute Mauer aber aussehen wie die alte, sagt Pfarrer Rasch – außer, dass sie dann gerade ist. Dazu werden die vorhandenen Steine zuerst abgetragen, gereinigt und gelagert. Nach dem Bau des neuen Fundaments wird die Mauer anschließend aus den alten Sandsteinquadern wieder aufgeschichtet. Schließlich steht die gesamte Friedhofsanlage unter Denkmalschutz.

Wie der Bau genau ablaufen soll, ob in Abschnitten oder alles auf einmal, wird demnächst geklärt. In der kommenden Woche ist ein weiterer Termin mit dem Architekten angesetzt, danach soll die Ausschreibung rausgehen. „Wenn alles gut läuft, können wir im Spätsommer beginnen“, sagt Pfarrer Rasch.

Die Finanzierung steht bereits. Der Sebnitzer Stadtrat hat Mittel aus dem Stadtsanierungsprogramm bewilligt. Die Fördersumme von 76 500 Euro tragen Bund, Freistaat und Stadt zu je einem Drittel. Der Eigenanteil der Kirchgemeinde liegt bei 13 500 Euro.

Mit der Sanierung der Mauer könnte auch das Grabmal des prominenten Sebnitzer Volkskundlers und Sprachforschers Alfred Meiche wieder an seinen Platz kommen. Der zwei Meter hohe Stein musste wegen der sich neigenden Mauer abgebaut werden und ist seitdem eingelagert.